.^ , ^: \ / 'S T r> O ,,. rs -r A ' ■* ' ^ DUPLICATA D"n LA EIBLIOTHEQUE DU coFSErvA'~rirH ectakitüe de arrsvE VLNDU EN 1022 Beiträge zur Biologie der Pflanzen. Begründet von Professor Dr. Ferd. Colin, herausgegeben von Dr. Felix Roseii, Professor an «1er Universität Breslau. Elfter Band. Mit vierzehn Tafeln. ^tP^VA: O/P- v^ • I ,-^ Breslau 1912. J. U. ICern's Verlag (Max Müller). DÜPLICATA DE LA BIBLIOTHEQUE DU QQNSERVATCirE BOTAITIQDE DE GENEVE VEI^DÜ EI? 1822 Inhalt des elften Bandes. Heft Seite Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. Von BrunoKabus I- 1 Über die im Pflanzengewebe nach Verletzungen auftretende Wundwärme. Mit Harry Tiessen. (Mit Tafel I, II) I. 53 Zur Biologie einiger xerophiler Farne. Von Reinhold Schaede. (Mit Tafel III, IV) I. 107 Studien über den Vorgang der Plasmolyse Von Karl Hecht. (Mit Tafel V, VI) 1-137 Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheidungen bei quellenden Samen. Von 0. Jauerka. (Mit Tafel VH und VIII) II. 193 Kohlensäureassimilation und Atmung bei Varietäten derselben Art, die sich durch ihre Blattfärbung unterscheiden. Von Wilhelm Plester II, 249 Kulturversuche mit chlorophyllführenden Mikroorganismen. Von Ernst G. Pringsheim. (Mit Tafel IX und X) II. 305 Beiträge zur Physiologie der farblosen Schwefelbakterien. Von Friedrich Keil U. 335 Chromosomen, Nukleolen und die Veränderungen im Protoplasma bei der Karvokinese. Von Henri k Lu n degartlh. (Mir 'l'at'ol Xl-XlV) . 111. 37 Register zum elften Bande. Heft Seite Hecht, Karl, Studien über den Vorgang der Plasmolyse. (Mit Tafel V, VI) I. 137 Jauerka, 0., Die ersten Stadien der Kohlensäureansscheidungen bei quellenden Samen. (Mit Tafel VII und VIII) II. 193 Kabns, Brnuo, Nene Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen I. 1 Keil, Friedrich, Beiträge zur Physiologie der farblosen Schwefelbakterien II. 335 Luiidegardh, Henrik, Chromosomen, Nukleolen und die Veränderungen im Protoplasma bei der Karyokinese. (Mit Tafel XI— XIV) . . . III. 373 Plester, Wilhelm, Kohlensäureassimilation und Atmung bei Varietäten derselben Art, die sich durch ihre Blattfärbung unterscheiden . . II. 249 Pringsheiin, Ernst G., Kulturversuche mit chlorophyllführenden Mikro- organismen. (Mit Tafel IX und X) II. 30.5 Sch»«de, Reinhold, Zur Biologie einiger xeropliilerP\arne. (Mit Tafel III, IV) I. 107 Tiesseu, Harry, Über die im Pflanzengewebe nach Verletzungen auf- tretende Wundwärme. (Mit Tafel I, II) I. 53 Beitrage zur Biologie der Pflanzen. Begründet von Professor Dr. Ferd. Colin, herausgegeben von Dr. Felix Rosen, Professor an der Universität Breslau. Elfter Band. Erstes Heft. Mit seclns Tafeln. >g1B!< Breslau 1912. tT. U. Tvern's Verlag (Max Müller). Inhalt des ersten Heftes. Seite Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. Von Bruno Kabus 1 Über die im Ptianzengewebe nach Verletzungen auftretende Wundwärme. Von Harry Tiessen. (Mit Tafel I, II) 53 Zur Biologie einiger xerophiler Farne. Von Reinhold Schaede. (Mit Tafel m, IV) • 107 Studien über den Vorgang der Plasmolyse Von Karl Hecht. (Mit Tafel V, VI) 137 NEW YOKJt BÜTA.MCAk Neue Untersuchungen über Regen erations- Yorgänge bei Pflanzen. Von Bruno Kabus. Die seit uralter Zeit bekannte und geübte Kunst der Gärtner, die vegetative Fortpflanzung von zufällig aufgetreteneu Eassen und Varietäten von Holzpflauzen in der Weise zu bewirken, daß Augen oder Zweige auf eine Unterlage aufgesetzt und diese dadurch „ver- edelt" wird, ist von besonderem theoretischen Interesse. Öie sich zunächst ergebenden Fragen nach dem gegenseitigen Einfluß von Unterlage und Pfropfreis wurden in einer ausgedehnten Literatur behandelt. Sie haben die größte praktische Bedeutung, weil die Erhaltung des Typs der fortzupflanzenden Rasse oder Varietät von der Frage abhängig sein kann, ob die Eigenschaften des Pfropfreises nicht vielleicht in der einen oder andern Weise durch die Unterlage verändert werden. Mit den Vorgängen dagegen, welche die Verbindung von Pfropf- reis und Unterlage bewirken, hat man sich etwas weniger beschäftigt. Immerhin ist auch darüber, insbesondere nachdem das grundlegende Werk von H. Vöchting^) erschienen war, wie die im folgenden dar- zustellende und kritisch zu würdigende Literatur beweist, mehrfach gearbeitet worden. Doch bezogen sich die Ausführungen meiner Vor- gänger auf diesem Arbeitsgebiet wesentlich auf die Darstellung der anatomischen Verhältnisse, wie sie bei der Vereinigung verschieden- artiger Gewebe zutage treten, während die korrelativen Einflüsse, die ohne Zweifel bei den darzustellenden Regenerationsvorgängen von allerhöchster, ja geradezu bestimmender Bedeutung sind, bisher über- haupt noch nicht untersucht wurden. Dies kam daher, daß die gärtnerische Technik der Veredelung c\j die Aufpflanzung einer Vegetationsspitze als Zweck im Auge hatte. 22 Denn die Erhaltung einer solchen mit der Gesamtheit ihrer poten- I tiellen Eigenschaften war ja Zweck der gesamten Manipulation. An- is» Z^ ^) Hermann Vüchting, Über Transplantation am Pflanzenkörper. ^ Tübingen 1892. Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft I. 1 JBruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. Ö schließend wurden dann von den Botanikern die bei der Vereinigung von Unterlage und Pfropfreis auftretenden anatomischen Verhältnisse untersucht. Durch Herrn Professor Mez wurde ich darauf hingewiesen, die wichtige Frage zu studieren, ob bei Transplantationen eine Vege- tationsspitze (Knospe) an dem aufzusetzenden Teil für das Gelingen der Operation nicht vielleicht bestimmende Bedeutung habe. Es handelt sich also bei meiner Untersuchung wesentlich um die Frage, ob die bei der Veredelung der Pflanze auftretenden Erschei- nungen nichts anderes seien als Spezialfälle des Wundverschlusses, oder ob das Anwachsen des Edelreises von der Knospe derart ab- hängig sei, daß dies Anwachsen durch von jener ausgehende korre- lative Reize bedingt werde. Es sei mir an dieser Stelle gestattet, meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Professor Dr. Carl Mez, für die mannigfache Anregung und Unterstützung bei meiner Arbeit meinen Dank auszusprechen. Um die Ergebnisse meiner Untersuchung gleich anzuführen, habe ich gefunden, daß die Frage nach dem korrelativen Einfluß des Auges für das Anwachsen des Reises auf die Unterlage keine ein- deutige Lösung zuläßt. Bei allen untersuchten oberirdischen, mit deutlich ausgeprägtem Geotropismus versehenen Organen war das Vorhandensein einer Knospe au dem aufzupflanzenden Stück absolute Notwendigkeit. Dies ist nicht so zu verstehen, daß dies Stück selbst die Knospe enthalten mußte: es genügte für das Anwachsen, daß bei der Operation dem knospenlosen Reis eine fremde Knospe aufgesetzt wurde. In diesem Falle wuchs die Knospe vielfach an dem an sich knospenlosen Reis, dieses der Unterlage prompt an. Unter Umständen kann die Knospe auch durch anderes embryonales Gewebe (außer Wundkallus), z. B. durch ein junges Blatt, mit Erfolg vertreten werden. Der bestimmende Einfluß embryonaler Gewebe auf das Anwachsen der Reiser ist dem- entsprechend bei oberirdischen Stammorganen unverkennbar. Bei unterirdischen Reservestofi'behältern ohne ausgeprägten Geo- tropismus waren Augen für das Eintreten der regenerativen Ver- wachsung zwischen Reis und Unterlage nicht notwendig. Hier trat die Vereinigung auch augenloser Stücke ein. — Nebenbei wurde, speziell an der Kartoffel, auch die Anatomie des Verwachsungs- vorganges aufs genaueste studiert und dabei manche nicht unwichtige, von den Angaben meiner Vorgänger abweichende Ergebnisse gefunden. I. Regenerationsvorgänge bei unterirdischen Speicher- organen. a) Kartoffel, Solanum tuberosum. Merkwürdigerweise ist die Frage, ob bei der Kartoffel zur Ver- einigung getrennter Teile führende Regenerationsvorgänge überhaupt von Erfolg sein können, heute noch strittig. Taylor^), Magnus 2)^ Lindem uth^) und Laurent^) haben sich mit dieser Frage nicht ausdrücklich beschäftigt, sondern die Erzeugung von Pfropfbastarden bei ihren Versuchen im Auge gehabt. Damit setzen sie offenbar die Verwachsungsmöglichkeit der Gewebe der Vegetationsspitze (Augen) voraus, lassen dagegen die Frage, ob auch das Grundgewebe des Speicherorgans verwachsungsfähig sei, ununtersucht und unentschieden. Figdor^) dagegen hat seine Untersuchungen speziell mit der Absicht angestellt, die anatomischen Verhältnisse bei der Regeneration zu studiereu. Nur mit seinen Untersuchungen, deren Thema dem der meinigen teilweise nahe steht, kann ein Vergleich meiner Ergebnisse möglich sein. Die Untersuchungsmethode Figdors war folgende: Kartoffel- knollen wurden mit Hilfe eines scharfen Messers in zwei Teile ge- schnitten und die Teile entweder entsprechenden anderer Kartoffeln mit gleicher Schnittfläche zusammengepaßt oder selbst von derselben Kartoffel wieder aneinandergelegt. Die Wundränder wurden mit Baum- wachs verschlossen und die so operierten Knollen alsdann in Sand oder Erde gelegt. Die Ergebnisse der Untersuchung Figdors, welche ohne Berück- sichtigung der Frage nach dem Einfluß der Augen mit beiderseits solche enthaltenden Kartofifelstückeu angestellt wurden, sind kurz folgende : 1) Erwähnt von F. Hildebrand in: Über weitere in England gemachte Beobachtungen an Kartoffelhybriden. Bot. Zeitung 1869, 27. Jahrg. No. 22, S. 355. 2) Sitzungsberichte des botanischen Vereins für die Provin/^ Brandenburg vom 30. Oktober 1874. 2) H. Lind emuth, Vegetative Bastarderzeugung durch Pfropfung. Thieles Landwirtschaftliche Jahrbücher, Berlin 1878, Heft 6. *) Emile Laurent, Nouvelles experiences sur la greife de la pomme de terre. Bulletin de la societe royale de Botanique de Belgique. Bruxelles 1900, T. XXXIX. ^) W. Figdor, Experimentelle und histologische Studien über die Er- scheinung der Verwachsung im Pflanzenreich. Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften; Mathematisch-Naturwissenscbaftl. Klasse, Band 100. Wien 1891. 1* Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 4 1. Nach dem Aufeinanderlegen der Schnittflächen werden von den intakten, durch den Schnitt nicht getroffeneu Zellen durch Vor- wölbung Papillen gebildet, die sich miteinander verzahnen und da- durch die Anfäuge der definitiven Verwachsung bilden. 2. Wände, Protoplasma und Stärke der durch den Schnitt ge- troffeneu und getöteten Zellen werden vollständig resorbiert. 3. Trotzdem kommt keine definitive Verwachsung zustande, da von den Schuitträndern aus obligatorisch Korkbildung auftrete und die verzahnten Papillen abschneide, so daß als Endresultat nur eine Verklebung der zusammengebrachten Stücke, nicht aber eine wirk- liche Verwachsung eintrete. Da das letztbezeichnete Ergebnis der Studien Figdors mit meinen Resultaten nicht stimmte, war es notwendig, die gesamten Unter- suchungen über den Verwachsungsprozeß der Kartoffel unter ver- schiedenen Bedingungen zu wiederholen. § 1. Ursache und Verlauf der Korkbildung. Lindem uth, der als erster die Vereinigungsflächen der ge- pfropften Knollen mikroskopisch untersuchte, hat auch schon das Vorkommen des Korkes konstatiert^). „Die Wände der Schnittfläche sind mehr oder weniger stark verkorkt und schließen so fest auf- einander, daß . . . Hohlräume niemals vorhanden sind. An einigen Punkten, meist in der Cambialzone, . . . verschwinden die Kork- wandungen." Das Auftreten des Korkes an der Wundfläche sieht Lindemuth als etwas selbstverständliches an, das beim Kartofielpfropfen stets auftreten muß. Daher sucht er auch nach keiner Erklärung dafür, stellt überhaupt keinen Versuch an, der über die Gründe für das Vor- kommen des Korkes Aufschluß geben könnte. Von den Angaben Lindem uth s weichen die Ergebnisse Figdors ab. Dieser hat gefunden, daß zunächst eine Verwachsung der beiden Knollenhälften eintritt, die am Cambium beginnt und nach dem Mark zu fortschreitet. „Über und unter der verwachseneu Zone bildet sich dann ein Periderm aus" 2). Dann sah er noch, daß kurz nach der Operation Kork gebildet wurde zwischen dem normalen Periderm der Knolle und dem Gefäßbündelriug, an der Stelle, wo die beiden KnoUen- hälfteu fest aneinandergesetzt waren ^). Und der Grund dafür, daß überhaupt das nachträgliche Periderm gebildet wird, scheint ihm in dem Umstände zu suchen zu sein, daß der Kork als Schutzmittel diene „gegen eine allzustarke Transpiration, die wohl nach einiger Zeit das Zugrundegehen des ganzen Organismus veranlassen würde" *). »J a. u. 0. S. 913/914. ■') a. a. 0. S. 197. ^) a. a. 0. S. 193. ■"; a. a. 0. S. 185. Näher eingegaugen ist er hierauf indessen nicht. Doch existierten schon zu der Zeit, wo Figdor seine Studien anstellte, experimentelle Untersuchungen von Kny „Über die Bildung des Wundperiderms an Knollen in ihrer Abhängigkeit von äußeren Einflüssen" ^). Dieser Forscher fand: 1. „Die bei der Bildung des Wundperiderms an Knollen statt- findenden Zellteilungen werden durch einen mittleren Feuchtigkeits- gehalt der Luft am meisten begünstigt" und 2. „Freier Sauerstoff der Luft ist nicht nur für den Beginn der bei der Bildung des Wundperiderms stattfindenden Zellteilungen, sondern auch für die Verkorkung der Membranen erforderlich". In dieser Arbeit ist nachgewiesen, daß äußere Einflüsse die Kork- bildung begünstigen, besonders, daß der freie Sauerstoff allein schon not- wendig und auch hinreichend ist, die Verkorkung zu bewirken. Damit ist aber von neuem zu untersuchen, ob die von Figdor nach der Ver- wachsung beobachtete Korkbildung von äußeren Einflüssen abhängt oder ob das Auftreten des Wundperiderms bei gepfropften Knollen eine un- umstößliche Folgeerscheinung der stattgehabten Verwachsung ist. Unerklärt ist ferner auch die folgende Erscheinung in der Kork- bildung: Da Figdor seine Knollen an der Luft zerschnitt, Luft also stets mit den Schnittflächen in Berührung kam, und auch, was sehr wohl anzunehmen ist, zwischen den Wundflächen zurückblieb, als beide Kartoffelteile aufeinandergelegt und verbunden wurden, so ist nicht einzusehen, warum gleich nach der Operation nur zwischen Knollenperiderm und Gefäßbündel Kork gebildet wurde, während zwischen Gefäßbündel und Mark dies erst eintrat, als beide Knollen- hälften verwachsen waren, also wesentlich später. Figdor erwähnt auch garnichts davon, daß er vor der Verwachsung der Kartoffeln in der letztgenannten Zone Kork hat auftreten sehen. Das berechtigt zu der Annahme, daß er nichts dergleichen beobachtet hat. Aus den obigen Gründen sah ich mich veranlaßt, die Angaben Figdors über die Korkbildung bei der Verwachsung nachzuprüfen. Bei meinen Versuchen gehörten die zusammengefügten Kuollen- teile zwei verschiedenen Kartoffeln an; die fast nie ganz genau auf- einander passenden Wundränder ließ ich stets unverklebt. Dadurch erreichte ich, daß die Luft auch nach der Operation ungehinderten Zutritt zu den Wundflächen hatte, obwohl damit die Gefahr ver- bunden war, daß sich Pilze ansiedelten. Die so behandelten Knollen legte ich auf ein Drahtgitter über einen tiefen, mit Wasser stets an- ^) L. Kny, Über die Bildung des Wundperiderms an Knollen in ihrer Ab- hängigkeit von äußeren Einflüssen. Berichte der Deutschen botanischen Ge- sellschaft, Band 7, 1889. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 6 gefüllten Teller, auf dessen Rand ich eine Glocke stellte. Das Ganze stand auf einem Regal im Laboratorium bei einer täglichen Durch- scbnittstemperatur von + 18° C. Bei ungefähr 160 Versuchen habe ich folgendes beobachtet: Die ersten Knollen untersuchte ich 10 Tage nach der Operation. Die Rasiermesserschnitte wurden in Sudan-Glyzerin gekocht und unter der Wasserleitung abgespült. Durch dieses Reagenz erschienen alle verkorkten Gewebepartieen rot. Die Färbung fand sich zvs^ischen dem Knollenperiderm und Gefäßbündel ohne Unterbrechung, aber sie war auch, wenn auch nur auf einzelne Stellen beschränkt, zwischen Gefäß- bündel und Mark nachweisbar, ohne daß die Wundflächen verwachsen waren. Und untersuchte ich noch später, manchmal erst nach 20, ja nach 37 Tagen, so war, weijn die Knollen nicht zusammengewachsen waren, die ganze Wundfläche ohne Unterbrechung verkorkt. Bei verwachsenen Kartoffeln dagegen trat der Kork stets nur lokal auf. An mehreren Präparaten von verwachsenen Kartoffeln konnte ich konstatieren, daß der Wundkork allein durch das Hinzutreten der Luft bedingt wurde. Ich sah nämlich um eine größere, inhaltsleere Lücke herum ein von beiden Knollenhälften gebildetes, lückenlos an- einander schließendes Korkgewebe, während auf beiden Seiten dieser Korkinsel die Gewebe der Kartoffeln ineinander übergingen. Fig. 1. Verkorkte Zellen um eine Luftblase (L). Das (ianxc eingeschlossen von lebendem Vervvaclisungs-Gewebe. (Vergr. 170.) Das ist eben nur so zu erklären, daß beim Zusammenbinden die zwischen den Wundflächen befindliche Luft zum Teil herausgepreßt und um die zurückbleibenden Luftblasen von beiden Kartoffelhälften gleichzeitig ein Wundperiderm abgesondert werden. Vorausgesetzt, daß die Korkbildung an den Wundflächen eine Folge des Luftzutrittes ist, müßte sie bei unter Wasser erfolgter Operation ausbleiben. Der Versuch bestätigt diese Annahme. In physiologischer Kochsalzlösung, für die ich das Wasser auf- gekocht hatte, um den Luftgehalt möglichst zu verringern, zerschnitt ich mehrere Kartoffeln, band die beiden Teile jeweils derselben Knolle zusammen und ließ sie in der physiologischen Kochsalzlösung liegen. Als ich nach fünf Tagen die ersten Kartoffeln untersuchte, fand ich nirgends Korkbildung. Der Rest war nach weiteren sechs Tagen ver- fault und für die mikroskopische Untersuchung unbrauchbar. Makro- skopisch konnte ich keine Spur von Wundkork entdecken. Dieser Versuch war aber nicht beweisend; denn an sich war seine Dauer allzu kurz, und ferner konnte durch die (die Fäulnis be- wirkenden) Bakterien das Ergebnis verändert sein. Ich mußte danach trachten, die Kartoffeln unter Wasser zwar zu schneiden und zu- sammenzubinden, dann jedoch die Wundränder so abzudichten, daß ich die operierten Knollen an die Luft bringen konnte, ohne befürchten zu müssen, daß Luft zwischen die Wundflächen trat. Dies suchte ich mit verschiedenen Hilfsmitteln zu erreichen. Knetgummi, Leuko- plast auf Cretonne (der von Ärzten benutzt wird), auch Guttapercha- papier erwiesen sich als ganz unbrauchbar, w^eil sie sich unter Wasser nicht dicht anlegen ließen. Zement wiederum drang zu tief zwischen die Operationsflächen und bedeckte sie teilw^eise; Gips konnte nur an der Luft auf die Wundränder getan werden. Watte dagegen unter Wasser herumgelegt und an der Luft mit Gips überkleidet, schien anfangs brauchbar zu sein. Doch ist auch dieser Verschluß nicht immer verläßlich, da der Gips stets platzte und dann die für die Luft poröse Watte freilegte. Schließlich streifte ich über die Wund- ränder ein 1 bis 2 cm breites Stück eines Gummischlauches, den ich an beiden Seiten unter Wasser noch mit Vaseline abdichtete (Vaseline allein hielt nicht). Allein auch dieses Verfahren hat sich nicht bei jeder Kartoffel bewährt. Erst als ich mit Hilfe eines Korkbohrers Zylinder von 1,5 cm Durchmesser aus Kartoffeln herausbohrte und über die Wundränder unter Wasser ein eng anschließendes Schlauch- stück zog, war der Verschluß für die Luft undurchlässig. Und hier ergab sich einwandfrei, was nach den Kny sehen Versuchen zu ver- muten war: Niemals war Kork an den Wundflächen gebildet worden, selbst wenn eine Verwachsung stattgefunden hatte. Damit ist die Ansicht Figdors widerlegt, daß bei der Kartoffel Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 8 „eine Verwachsung mit darauffolgender Peridermbildung'^ i) eintritt. Die Wuudkorkbildiuig ist keine Folgeerscheinung der Verwachsung. Sie ist lediglich durch Berührung der Operationsflächen mit der Luft hervorgerufen. Bezüglich der Bedingungen, unter denen bei der Kartoffel "Wund- kork entsteht, muß ich mich den Ansichten von Kny^), Frank 3), Küster*) und Olufsen^) anschließen. „Der Sauerstoffzutritt ist eine unerläßliche Bedingung für das Zustandekommen und Verkorken eines Wundperiderms", sagt der letztere. Wenn er unter "Wasser dennoch die Bildung von "Wundkork beobachtet haben will 6), so ist das nur dadurch zu erklären, daß er zu seinen Versuchen nicht aufgekochtes "Wasser, sondern Leitungswasser verwendet hat. Die in diesem stets vorhandene Luft hat den Fehler bei seinen Untersuchungen herbei- geführt. Olufsen sagt selber auf Seite 296 der zitierten Arbeit, daß er „0-reiches "Wasser" verwendet habe; Sauerstoff ist aber nach den von mir bestätigten Ergebnissen Knys notwendig zur Peridermbildung. Dagegen kann ich der Meinung von 0. Appel nicht zustimmen, daß der "Wundreiz zunächst zur Korkbildung in den nächsten Zellen anregt, und zwar von außen nach innen fortschreitend')- Denn bei den vorher erwähnten Versuchen mit Kartoffelzylindern ist der "Wund- reiz unzweifelhaft vorhanden gewesen, dagegen fehlte die Luft an der "Wundfläche: die Korkbildung unterblieb. Also auch nicht einmal in den allernächsten Zellen bedingt die gesetzte "Wunde die Periderm- bildung. Bezüglich der histologischen Zusammensetzung des "Wundkorkes kann ich mich sehr kurz fassen, da sie schon von E. Küster^) an- gegeben worden ist. Charakteristisch ist, daß die Zellen des "Wund- korkes größer sind als die des Periderms. (Fig. 2.) Die Zellwände sind stets dünn und oft gefaltet; die Zellen selber sind reihenweise geordnet und schließen unmittelbar an die äußeren Korkschichten an. "Wie wir gesehen haben, entwickelt sich der "Wundkork infolge der bei der Verwundung an die Operationsfläche gekommenen Luft. Nicht verkorken die Reste der durchschnittenen Zellwände, die von den Kartoffeln gewöhnlich aufgegeben werden und sich umbiegen. 1) a. a. 0. S. 199. ^) a. a. 0. 8) A. B. Frank, Die Krankheiten der Pflanzen. Breslau 1894, S. 61 u. f. *) E. Küster, Pathologische Pflanzenanatomie. Jena 1903. 5) L. Olufsen, Untersuchungen über Wundperidermbildung an Kartoflfel- knoUen. Beihefte zum botanischen Zentralblatt Bd. XV, Heft 2. Jena 1903. 6) a. a. 0. S. 296—299. ') 0. Appel, Zur Kenntnis des Wundverschlusscs bei den Kartoffeln. Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft Bd. XXIV, 1906, S. 122. «) a. a. 0. S. 186. Nur selten sah ich einen geringen Teil davon verkorkt, (Fig. 3.) Dagegen verkorken oft schon die direkt unter der Wundfläche liegenden Zellwände der lebenden Zellen. Währenddessen erfolgt in den tiefer- . Fig. 2. Korkeinschluß an der Vervvaehsungsstelle. (Vergr. 60.) Fig. 3. ^ Verkorkte Papillen und Zellwände an der Wundfläche einer nicht verwachsenen Kartoffel. (Vergr. 60.) liegenden Zellen eine Reihe von Teilungen parallel zur Wuudfläche, wodurch der Wundkork vermehrt wird. Doch ist es nicht notwendig, daß die „Initialzelle", wie Olufsen die peridermbildende Zelle nennt i), sich immer an die Operationsfläche anschließt. Zwischen Initialzelle und Wundfläche können unter Umständen sogar zwei Zellen liegen die ohne irgend einen erkennbaren Grund von der Knolle aufgegeben werden. § 2. Die infolge der Verwundung an der Schnittfläche auftretenden, mikroskopisch sichtbaren Ergebnisse des Wundreizes. 1. Untersuchung an der Luft geschnittener Kartoffeln. Als erster hat Olufsen die Frage untersucht, welche direkte Einwirkung die Verwundung als solche, respektive der durch sie ge- 1) A. a, 0. S. 281. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regeneratiousvorgänge bei Pflanzen. 10 setzte Reiz auf die Zellen der Schnittflächen ausübe. Abgesehen wurde dabei natürlich von den durch den Schnitt mechanisch zer- störten Zellen. Olufseu fand, daß die in den dem Schnitt angren- zenden Zellen vorhandene Stärke aufgelöst werde und von der Schnitt- fläche weg in tiefere Gewebe wandere ^). Gleichzeitig mit dem Ab- schmelzen der Stärke gehe in der ersten intakt gebliebenen Zellreihe die Bildung des Meristems für den Wundkork vor sich. Olufsen sieht die Funktion dieser Stärkewanderung darin, daß die Stärke aus den später durch den Wundkork abgeschnittenen Gewebepartieen zurückgerettet werde 2). Appel schließt sich bezüglich der tatsächlichen Aufnahme durch- aus an Olufsen an, ist aber der Meinung, daß die aufgelöste Stärke nicht verlagert, sondern an Ort und Stelle zur Bildung der Kork- membranen verbraucht werde 2). Nach beiden Autoren muß mit dem Abschmelzen der Stärke Zucker in größeren Quantitäten in den Zellen entstehen, wobei zu- gleich infolge Verschwindens der stark lichtbrechenden Stärkekörner in den Präparaten eine durchsichtige Zone längs der Schnittfläche entsteht. Tatsächlich läßt sich auch die Umlagerung der Stärke in reduzierenden Zucker und das Auftreten von großen Quantitäten dieses längs der Schnittfläche mit Fehlingscher Lösung leicht nachweisen. Unter Anwendung dieser Reaktion hat weiter Friedrich^) die Verletzungsstellen an Kartoffeln untersucht und ist dabei zu dem von Olufsen und Appel durchaus abweichenden Ergebnis gelangt, daß die ersten am Schnitt selbst belegenen Zellreihen keine Auflösung der Stärke erkennen lassen, daß dagegen eine solche tiefer im Ge- webe auftrete. „In einiger Entfernung von der Wundfläche (zirka vier Zellreihen entfernt) befand sich eine ihr parallele Zone (Breite zirka drei Zellen), die nach dem Kochen mit Fehlingscher Lösung einen roten Niederschlag zeigte" 5). Alle hier zitierten Autoren, insbesondere Friedrich, sehen in der geschilderten Stoff Umsetzung eine Reaktion auf den Wundreiz. Die Ergebnisse dieser Darstellungen weichen bedeutend voneinander ab, und zwar auch in theoretischer Beziehung: nach Olufsen und Appel würde der Reiz an der gereizten Stelle zur Auslösung kommen, nach Friedrich dagegen weiter nach Innen geleitet werden, sodaß nach diesem Autor Reizperzeption und Reizreaktion verschiedenen Sitz hätten. Es wird unten gezeigt werden, daß die Wachstums- 1) A. a. 0. S. 286-287. ^) A. a. 0. S. 286. ") A. a. 0. S. 122. *) R. Friedrich, Über die Stoffwechselvorgänge infolge der Verletzung von Pflanzen. Halle a. S. 1908. ») a. a. 0. S. 16. 11 Vorgänge, welche gleichfalls Reizreaktioneu darstellen, an der Schnitt- fläche stattfinden. Die Umwandlung von Stärke in Zucker würde dementsprechend verschieden von der anderen hauptsächlichen Reiz- reaktion verlaufen. Dieses ist tatsächlich nicht der Fall. Es wird unten gezeigt werden, daß der chemische Vorgang der Stärkeverzuckerung nicht auf den Wundreiz hin, wie alle bisher darüber handelnden Autoren meinen, stattfindet, sondern auf dem Reiz der die Wunde treffenden Luft be- ruht. Dies wird durch Operation unter Wasser bewiesen. Aber auch bei Operation an der Luft zeigt sich, daß Friedrichs Darstellung nicht zu Recht besteht. Meine vielen Untersuchungen über diesen Punkt beziehen sich auf an der Luft operierte Kartoffeln, bei denen die Korkbildung von den ersten Stadien bis zur Vollendung an der Schnittfläche auftrat. Hier- bei ergab sich zeitlich aufeinanderfolgend: L Kurze Zeit "nach der Verwundung (nach ca. 2 Tagen) sind die Initialzellen der Korkbildung bereits sichtbar, die aus der ersten Lage der unverletzten Zellen entstehen. Diese Initialzellen enthalten, ebenso wie die zunächst darunterliegende, also zweite intakte Zellreihe, Stärke und Zucker. Auch die durch den Schnitt zerstörten Zellen enthalten sowohl Stärke wie Zucker. 2. Nach ca. 4 Tagen ist die Verkorkung bereits mit Hilfe von Sudan-Glyzerin klar nachweisbar. In diesem Stadium ist in den durch den Schnitt zerstörten Zellen weder Stärke noch Zucker nachweisbar, die korkbildenden Zellen enthalten Zucker, dagegen keine Stärke mehr, die beiden nächsten Zellreihen Stärke und Zucker. 3. Nach weiteren 3 Tagen ist der Zucker bis auf Spuren aus den korkbildenden Zellen verschwunden und zugleich fast alle Stärke in den darunter liegenden Zelllagen aufgelöst. Die Zuckerreaktion tritt hier außerordentlich stark auf. 4. Im weiteren Verlauf verbreitet sich die Zone der zucker- führenden Zellen nach Innen fortschreitend immer mehr, bis sie die von Olufsen und Appel angegebene Breite erhält. Nach diesen meinen Untersuchungsergebnissen muß ich mich den Angaben von Olufsen und Appel in jeder Beziehung anschließen, dagegen diejenigen von Friedrich für unrichtig erklären. Dem- entsprechend finden Reizreaktion, Reizperzeption und Verzuckerung der Stärke an derselben Stelle statt, nämlich an der Schnittfläche selbst. Die Untersuchungen meiner Vorgänger ergänze ich dahin, daß etwa an die Schnittfläche heranreichende Gefäßbündel bei Anwendung der Zuckerreaktion weithin den roten Niederschlag der Kupferoxydul- körnchen zeigen. Damit wird einerseits die Ableitung des gebildeten Zuckers von der Schnittfläche weg handgreiflich bewiesen, anderer- Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 12 seits zeigt das oben angemerkte Vorhandensein reichlichen Zuckers in den verkorkenden Zellen, das beinahe vollständige Fehlen des- selben in den verkorkten Zellen, daß sowohl Olufsen wie Appel Recht haben: daß also der Zucker von der Schnittfläche aus sowohl teilweise' abgeführt als auch teilweise zur Neubildung verwendet wird. Dies Verhalten darf zugleich als das v.on vornherein wahrscheinlichste bezeichnet werden. In meinen Präparaten ließ sich aber erkennen, daß auch bei an der Luft operierten Kartoflelu keineswegs immer die völlige Zu- rückziehung der Stärke aus den zerstörten Zellen gelang. Vielfach blieben außerhalb der Verkorkungsschicht noch Stärkekörner liegen, deren Substanz damit aufgegeben wurde (Fig. 3). Dies hing mit der nach unbekannten Bedingungen wechselnden Geschwindigkeit der Korkbildung zusammen. Daß die Lösung der Stärke nicht durch den lebenden Zellinhalt bewirkt wird, wie Boehmi) will, sondern daß stets die fermentative Wirkung der Diastase auch in diesem Falle in Frage kommt, haben Arthur Meyer 2) und Choslowski^) bewiesen. Die Anschauung Boehras, welcher durch die exzessive Atmung der Kartoffel nach Verwundungen beweisen wollte, daß Kohlehydrat, infolge des Wund- reizes vom Protoplasten gelöst, direkt veratmet würde, basiert auf unter Wasser, also mit Luftausschluß, gesetzten Verwundungen. Es wird gleich zu zeigen sein, daß bei völligem Abschluß der Luft von der Wnndfläche die gesamten Stoffumlagerungeu in den der Wunde benachbarten Zellen, insbesondere die Verzuckerung der darin ent- haltenen Stärke, völlig unterbleiben und daß wir bei Würdigung aller Versuchsergebnisse schließlich wesentlich zu der Ansicht Appel s kommen, daß die Korkbildung an der der Luft ausgesetzten Schnitt- fläche die Reaktion auf den beim Eindringen der Luft in die Wunde stattfindenden Reiz ist, daß die Verzuckerung der Stärke dagegen erst hierdurch angeregt wird und, soweit der Zucker nicht abgeführt wird, wesentlich dem Aufbau der neuen Membranen dient. 2. Untersuchung unter Wasser geschnittener Kartoffeln. Daß Friedrich, welcher in der Verzuckerung der in der Nähe der Wuudfläche befindlichen Stärke einen hauptsächlichsten Ausdruck des Wundreizes sieht, durchaus Unrecht hat, geht daraus hervor, daß die bezeichnete Stoffumlagerung bei unter Wasser geschnitteneu Ob- *) I. Boehm, Respiration der Kartoffeln. Botanisches Centralblatt, Band L, Nr. 7, Jahrgang XIII, 1892. Nr. 20. 2) Arthur Meyer, Untersuchungen über die Stärkekörner. Jena 1895. Ö. 228. ') Janusz V. Choslowaki, Die Kartoflfelpflanze. Dissertation Rostock 1906- S. 36 u. f. 13 jekten, also bei Luftabschluß, vollkommen ausbleibt. Wie später dar- zustellen sein wird, gelingt die zur völligen Vereinigung führende Verwachsung nur dann, wenn die Kartoffel unter Wasser operiert wurde. Bei der außerordentlich großen Zahl von derart behandelten Objekten, welche ich mikroskopisch untersucht habe, konnte nirgends auch nur eine Andeutung der den Schnitträndern entlang laufenden und die Verzuckerung der Stärke bezeichnenden durchsichtigen Zonen gesehen werden. Nur die in den zerschnittenen Zellen selbst ent- haltenen Stärkekörner verschwanden auch in diesem Falle allmählich, jedoch nie vollständig. Es liegt klar, daß der Wundreiz als solcher auch bei unter Wasser durchschnittenen Objekten vorhanden war, und daß allein die Ein- wirkung der Luft bei dieser Versuchsanordnung fehlte. Dem- entsprechend kann nicht der Wundreiz, sondern muß die Einwirkung der Luft den Anstoß zu der Verzuckerung der Stärke in den breiten von Olufsen, Appel und Friedrich geschilderten Zonen bilden. § 3. Die an der Schnittfläche beobachtete Bräunung. Außer den vorher erwähnten Veränderungen an der Wundfläcbe ist noch die Bräunung derselben bemerkenswert, die schon von Lindemuth, nachher auch von Figdor beobachtet worden ist. Beide sagen, daß die Bräunung, am normalen Periderm der Knolle beginnend, sich nach innen bis in die Nähe des Cambiums fortsetze. Immer vor Erreichung des Cambiums aber werde die Wundfläche weiß, um nach- her im Holzparenchym von neuem sich braun zu färben. Auffallend ist hierbei, daß gerade das Cambium sich nicht bräunen solle, obwohl es doch unter den gleichen Verhältnissen wie die anderen Gewebe sich befindet. Eine Erklärung dieser höchst eigentümlichen Ausnahmestellung fehlt bei beiden Autoren. Darüber, welche Gewebepartieen sich braun färben, sind sich beide auch nicht einig. Lindemuth schreibt die braune Färbung „abgestorbenen Zellelementen" zu, d. h. Elementen aus den beim Schnitt verletzten und dann abgestorbenen Zellen. Er läßt damit die Bräunung unabhängig von der Verwachsung sich entwickeln. Dem widerspricht Figdor. Seiner Meinung nach besteht die gebräunte „Verbindungslinie" „aus dem zugrunde gegangenen Ver- wachsungsgewebe" 1). Er nimmt an, daß zuerst eine Verwachsung durch Papillen eintritt, daß diese durch perikline Zellteilungen an den Wundrändern zerdrückt werden und nach ihrem Zugrundegehen sich bräunen. Die Braunfärbung an der Schnittfläche sei danach eine nötwendige Folge der Verwachsung. Daß sie auch ohne vor- 1) a. a. 0. S. 197. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 14 hergegangene Verwachsung auftreten kann, was Lindemuth annahm, verneint Figdor. Es wäre demnach zu untersuchen gewesen: 1 a. Ist die Sonderstellung des Cambiums bezüglich der Bräunung überhaupt vorhanden? b. wodurch ist sie bedingt? 2. welche Teile der Gewebe färben sich braun? 3. wodurch ist die Bräunung dieser Partieen bedingt? Was die erste Frage, die Sonderstellung des Cambiums bezüglich der Bräunung, betrifft, so bin ich bei meinen Versuchen zu dem Er- gebnis gekommen, daß es eine derartige Ausnahmestellung gar nicht einnimmt. Sondern auch hier tritt die Bräunung ebenso auf wie au den anderen Geweben der Kartoffel. Voraussetzung ist hierbei freilich, daß sie überhaupt auftritt. Daß nämlich das Vorkommen des Farb- stoffes an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft zu sein scheint, wird weiter unten gezeigt werden. Ist jedoch die Braunfärbuug vorhanden, wie es bei an der Luft operierten Knollen stets vorkommt, so kann sie überall an der Schnittfläche auftreten, sie ist nicht auf einzelne Gewebe beschränkt. Die Gewerbepartieen aber, die sich bräunen, und damit komme ich zur zweiten Frage, sind eigentlich keine Gewebe, sondern ledig- lich Reste der beim Schnitt verletzten und abgestorbenen Zellen^), was auch Lindemuth gefunden hatte. Zwischen den beiden Wund- flächen der an der Luft operierten Knollen sah ich, ebenso wie Figdor und Lindemuth, „Reste von abgestorbenen Zellen und Stärkekörnern, sodaß man niemals dazwischen . . . Hohlräume be- obachten kann" 2j. Daraus glaubte Figdor jedoch unbedingt folgern zu müssen, daß hier zunächst eine Verwachsung stattgehabt hat, das Verwachsuugsgewebe dann aber durch perikline Zellteilungen an den Wuudrändern zerdrückt sei. Die Zelireste, die man in den Präparaten auf der Operationsfläche sieht, sollen dem vernichteten Verwachsungsgewebe angehören. Diese Ansicht ist irrig. Denn ent- fernt man auf Präparaten von nicht zusammengewachsenen Kartoffeln die Stärke durch Hinzutun von Kalilauge, so sieht man unter dem Mikroskop an den dicht zusammenliegenden Wundrändern noch die Zellwände der durchschnittenen Zellen einander entgegenragen, oft sich sogar derart berühren, daß man glaubt, nur eine Zelle vor sich ^) Daß die Bräunung ein Zeichen des Todes ist, hat M. I. Schieiden (Bei- träge zur Anatomie der Cacteeu. Memoires presentcs a l'Academie imperiale des Sciences de St.-Pötersbourg par divers savants. 1845. Tome IV»), später Sachs (in landwirtschaftl. Versuchsstation II [1860] und Mez (Flora 1905, Bd. 94, S. 120) festgestellt. *) Figdor a. a. 0. S. 197. 15 zu haben, während es in Wirklichkeit die Reste von zwei bei der Operation durchschnittenen Zellen sind. Wie sollte sich hier Ver- wachsungsgewebe bilden können? Figdor mußte aber die Ansicht Linderauths verwerfen, weil er die ganzen Zellleiber der verletzten Zellen, auch die Wandreste, von den gesunden, unverletzten Zellen resorbiert werden läßt und diese Resorption nach ihm an der Wund- fläche immer, ohne Ausnahme, die Papillenbildung und damit die Ver- wachsung bewirkt. Endlich bleiben noch die Bedingungen für die Bräunung zu finden übrig. Hierüber existieren nur wenige und unbestimmte Angaben bei Küster^). Die Berührung mit der Luft, Zerstörung der Leitungs- bahnen und deren Konsequenzen oder irgend ein anderer Faktor kann seiner Meinung nach die Färbung herbeiführen. Bei den an der Luft geschnittenen Kartoffeln konnte die Bräunung der Wundfläche stets beobachtet werden; dagegen fehlte sie sehr oft, wenn auch nicht immer, bei den unter Luftabschluß operierten Knollen; niemals war sie bei den Versuchen mit Kartoffelzylindern bemerkbar, wo allein der Luftabschluß vollkommen war. Daraus geht hervor, daß auch die Bräunung der Schnittfläche ebenso wie die Korkbildung nur durch den Luftzutritt bewirkt wird. Mit Hilfe von Guajakharz- lösung konnten in den Knollen auch Oxydasen nachgewiesen werden. Aus dem Gesagten folgt, daß nicht die Zerstörung der Leitungs- bahnen oder irgend ein anderer Faktor, sondern allein die Berührung mit der Luft die Bräunung in den abgestorbenen Zellen verursacht hat. § 4. Die an der Schnittfläche auftretenden Regenerations- vorgänge und ihre Beziehung zur Verwachsung der Operationsstellen. Im Jahre 1875 erregten Versuche, die zur Züchtung neuer Kartoffel- sorten von Oehmichen^) in Jena und F. v. Gröling^) in Lindenberg bei Berlin angestellt worden waren, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise. Beide entfernten aus der „Mutterknolle", wie Oehmichen die zur Unterlage bestimmte Knolle nennt, sämtliche Augen und setzten in einen Augenauschnitt ein entsprechend großes Augenstück einer anderen Kartoffel ein. Das eingesetzte Auge wurde mit Bast befestigt und die so behandelte Knolle in den Boden gelegt. Das Ergebnis von Oehmichen war, abgesehen von den ver- faulten Knollen, daß die Mutterknolle aus übersehenen Augen oder ') a. a. 0. S. 58 u. f. 2) Die Kartoffel und üire Kultur. Amtlicher Bericht über die Kartoffel- Ausatellung zu Altenburg vom 14. bis 24. Oktober 1875 und ihre Ergebnisse. Berlin 1876. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 16 aus Adventivknospen Sprosse entwickelte, die eingesetzten Augen da- gegen ausgefault waren. „Eine Verwachsung der Pfropfflächen beider Sorten hatte nie stattgefunden, sondern beide waren durch ein- getretene Korkbildung an den Seitenflächen voneinander abgeschlossen." Einen günstigeren Erfolg hatte F. v. Gröling, der eine kleine Knolle präsentieren konnte, welche angeblich das auf die gleiche Weise gewonnene „Kreuzungsprodukt" darstellte. Beide Autoren wandten das gleiche Verfahren des Pfropfens an, beide haben verschiedene Ergebnisse. Selbst wenn man den Angaben V. Grölings zustimmt, ist damit noch nicht die Frage geklärt, ob zwei mit ihren Wundflächen aneinander gelegte Knolienstücke ver- wachsen oder nicht, da eventuell auch aus einem nicht angewachsenen Auge, wenn dasselbe genügend Reservestoffe mitbekommt, eine neue Pflanze sich entwickeln kann. Schon Taylor^) gibt an, daß bei gepfropften Knollen wirklich eine Vereinigung der Rinde des eingesetzten Auges mit der der Unter- lage stattgefunden habe. Eine mikroskopische Untersuchung der Wundflächen ist von ihm jedoch nicht vorgenommen worden. Auf die Verwachsung schließt er daraus, daß beide Teile eine Belastung von zwei Pfund ertrugen, ohne sich voneinander 2u losen. Die erste genauere Untersuchung ist von Lindem uth ausgeführt worden, „um die Art der Verwachsung einer nach Möglichkeit genauen Prüfung zu unterziehen" ^). An mikroskopischen Präparaten, die dieser Autor dem Gefäßring operierter Knollen entnahm, konnte er eine stattgefundene Verwachsung feststellen. „An einigen Punkten, meist in der Cambialzone, wird die braune Färbung 3) unterbrochen, die Korkwandungen verschwinden, das lebende Zellgewebe beider Hälften zeigt sich innig verschmolzen und die Verbindungslinie vielfach von Gefäßbündelgruppen und ein- zelnen Spiralgefäße führenden Gefäßbündeln überbrückt"*). Die wirklich eingetretene Verwachsung zweier Kartoffeln be- kräftigt Lindemuth, ebenso wie Taylor, ferner durch eine lange Reihe von Zerreißungsversuchen. Die Untersuchung der auseinander gerissenen Flächen ergibt, daß sich der Bruch des Zellgewebes zuerst in der Nähe der Vegetationspuukte, mit der fortschreitenden Zeit auch im Gefäßbündelring und schließlich in Rinde und Mark zeigt. Daraus folgert er: „Alle Pfropfungen werden am erfolgreichsten bewirkt zwischen gleich großen Knollen. Bei Pfropfung ungleich großer Knollen kommt es allein darauf an, daß bei der Vereinigung die Cambial- ») Botanische Zeitung 1869, Nr. 22. ^) a. a. 0. S. 913. ä; Gemeint ist die braune Färbung der Wundtläche. *) a. a. 0. S. 914. 17 Zonen sich in möglichst vielen Punkten decken. Ob dabei die Schnitt- fläche einer oder der andern Knolle teilweise ungedeckt bleibt, ist vollkommen glejchgUltig" i). Wie unzuverlässig dieses Verfahren ist, darauf macht schon Figdor aufmerksam. Lindemuth gründet seine bezüglichen Folgerungen zu sehr auf den makroskopischen Befund der Objekte, während hier allein das Mikroskop entscheiden sollte. So ist es auch zu erklären, daß wichtige Tatsachen beim Zu- standekommen der Verwachsung Lindemuth entgangen sind. Gegen- über den früheren Pfropfversuchen ist bei ihm aber insofern ein Fort- schritt zu konstatieren, als er eindeutig die Frage beantwortet, ob eine Verwachsung der Kartoffelhälften möglich ist. Figdor hat die mikroskopischen Untersuchungen, die von Linde- muth begonnen waren, weiter fortgesetzt. Insbesondere hat er seine Aufmerksamkeit auf das die beiden Knolleuhälften verbindende Ver- wachsungsgewebe gerichtet und die einzelnen Zellen und die in ihrem Innern sich abspielenden Vorgänge mit Hilfe chemischer ßeagentien eingehender studiert. Daneben hat er aber die experimentelle Seite nicht ganz ver- nachlässigt und glaubt „zwei allgemeine Bedingungen gefunden zu haben, unter denen allein eine Verwachsung eintreten kann. L Damit eine Verwachsung eintrete, muß ein kleiner Zwischen- raum zwischen den verletzten Geweben liegen, so daß sich die neu auftretenden Zellen genügend entwickeln können, ohne dabei von dem normalen Gewebe beengt zu sein, 2. darf ein gewisses Maß der Transpiration nicht tiberschritten werden" 2). Außer diesen allgemeinen (sich nicht allein auf Solanum tuberosum beziehenden) Thesen muß ich noch erwähnen, daß der Autor keine Verwachsung, auch nicht den Beginn der Neubildung beobachten konnte, wenn er gepfropfte Knollen in einer Temperatur von -(-4° bis +6° C. liegen ließ. Dieser Umstand und die Beobachtung, daß die Bildung des Ver- wachsungsgewebes am Anfang des Winters längere Zeit dauerte als zu Beginn des Frühlings, führte ihn darauf, „die Bedingungen zu er- mitteln, unter denen eine dauernde Verwachsung eintreten könnte. Jedoch war mein Bemühen in dieser Richtung erfolglos" ^). Anknüpfend an diese Beobachtungen will ich meine eigenen folgen lassen. 1) a. a. 0. S. 920. 2) a. a. 0. S. 188. 3j a. a. 0. S. 184. Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd XI Heft I. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 18 1. Experimenteller Teil. a. Die Versuche mit au der Luft geschnittenen Kartoffeln. Der allgemein anerkannte Satz, daß die Vegetationspunkte als Anziehungszentren für Baustoffe wirken, je nach ihrer Lage stärker oder schwächer^), hat seine Begründung in den korrelativen, von den Knospen auf die fertigen Gewebe ausgeübten Einflüssen. Die Frage- stellung meiner Versuche war, ob diese Korrelationen auch noch einen weiteren Ausdruck finden und sich auf das Anwachsen beziehen, ob zwei Knollenhälftea zusammenwachsen, wenn sie Knospen, „Augen" haben; ob die Verwachsung unterbleibe, sobald aus beiden Hälften die Augen herausgebohrt sind. Die Kartoffelsorten, die mir bei meinen Versuchen zur Verfügung standen, waren folgende: Juwel, Schneeflocke, Blanke I, Magnum bonum, Weltwunder (rot) und Blaue (sogenannte „Graudenzer"). Von mehreren Kartoffeln jeder Sorte entfernte ich alle Augen, durchschnitt die Knollen und band dann zwei Stücke von verschiedenen Sorten, aber mit gleich großer Schnittfläche, mit Lindenbast zusammen. Hierbei führte ich zunächst nur wenige der Kombinationen aus, die unter den sechs Sorten möglich sind. In derselben Weise behandelte ich andere Kartoffeln, bei denen kein Auge entfernt worden war. Abweichend von Lindemuth und Figdor durchschnitt ich diese Knollen jedoch so, daß der Schnitt nie durch ein Auge hindurchging, da es mir nicht darauf ankam, aus den gepfropften Knollen „neue Sorten" zu züchten. Die Kartoffeln dieser ersten Versuchsreihe öffnete ich nach 12 bis 14 Tagen und fand folgendes: Hatte ich Stücke mit Augen zu- sammengebunden, so waren alle (15) zusammengewachsen, Stücke ohne Augen (9) dagegen fielen sogleich beim Lösen des Bastes aus- einander, waren also nicht zusammengewachsen. Diesen ersten Versuch wiederholte ich sofort in größerer Aus- dehnung, indem ich jetzt fast alle Kombinationen unter den sechs Sorten ausführte. So erhielt ich folgende kleine Tabelle: 1. Solanum tuberosum mit Augen verbunden mit Solanum tuberosum mit Augen 2. Solanum tuberosum ohne Augen verbunden mit Solanum tuberosum mit Augen 3. Solanum tuberosum ohne Augen verbunden mit Solanum tuberosum ohne Augen verwachsen 142 14 nicht verwachsen I 11 20 ^) cf. K. Goebel, Organograpliie der Pflauzeu. I, § 4, 4. 19 Aus dieser Tabelle ersieht mau, daß tatsächlich das Zusauimen- wachseu zweier Kartoifeln davon abhäugig zu sein scheint, ob die zusammengebundenen Knollenteile Augen haben oder nicht. Dies hatte auch schon der Vorversuch ergeben. Unter beiderseits mit xA.ugen versehenen Objekten befindet sich nur eins, bei dem die Verwachsung nicht eingetreten war. Diese nicht zusammengeheilte Kartoffel ist deswegen zu vernachlässigen, weil sich auf den Wundflächeu Fäulniserscheinungen bemerkbar machten, die wahrscheinlich das Verwachsen verhindert hatten. Vergleicht man 1 mit 3, so scheint es ganz evident zu sein, daß das Vorhandensein der Knospen für das Anwachsen bestimmend |ist. Von den 20 augenlosen Knollen ist auch nicht eine einzige verwachsen, obwohl sie denselben Bedingungen unterlagen, wie die unter 1 er- wähnten. Nur wenn man die Zahlen betrachtet, die bei der zweiten Serie angeführt sind, tauchen leise Zweifel auf. Man muß sich fragen: Wie ist es möglich, daß ein augenloses Stück verbunden mit einem solchen mit Knospe einmal anwächst, das andere Mal nicht? Die Erklärung, daß (bei wechselnden relativen Größenverhält- nissen der beiden Komponenten) das eine Mal, wenn beide Hälften zusammenwachsen, das augenlose Stück die Unterlage, die Knolle mit Auge das Pfropfreis bildet, und daß das Umgekehrte der Fall ist, wenn beide nicht verwachsen, scheint recht unwahrscheinlich zu sein, weil die verwachsenen Knollen ebenso zahlreich sind, wie die nicht verwachsenen und ein in Größenverhältnissen bestehender Unter- schied nicht zu beobachten war. Der Grund dieser Erscheinung wird später angegeben werden. Den besprochenen Versuch variierte ich in dreifacher Beziehung; Einmal legte ich zwischen zwei Knollenhälften noch eine Scheibe einer anderen Knolle. Hierbei ergab sich folgendes Resultat. 1. Sol. tub. mit Auge und Scheibe auf beiden Seiten angewachsen Scheibe einseitig an- gewachsen Scheibe überhaupt nicht angewachsen Scheibe ohne ; 5 Sol. tub. mit ; . 25 2 2. Sol. tub. Scheibe mit mit Auge und Sol. tub. mit s • • 8 3. Sol. tub. Scheibe ohne ohne Auge und Sol. tub. mit 5 . 4 5 4. Sol. tub. ohne Auge und Scheibe ohne 5 j Sol, tub. ohne i . 6 2* Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 2Ö Das Ergebnis ist bei diesem Versuch ein ähnliches wie bei dem vorigen. Während 2 und 4 auf einen Einfluß des Auges hinweisen, ist dies Verhältnis bei 3 wieder unbestimmt. In einer weiteren Versuchsreihe verpflanzte ich nur kleine Stücke der einen Knolle auf die andere. Fünf kleine Stücke mit Auge wuchsen ein, fünf ohne Knospe nicht. Schließlich setzte ich in ein augenloses Kartofifelstück ein fremdes Auge und verband das Ganze mit einer anderen Kartoffel. Von fünf Augen waren drei eingewachsen, die beiden Kartofifelhälften waren dagegen stets aneinandergeheilt. Fassen wir die Ergebnisse all dieser Versuche zusammen, so müssen wir sagen, daß sich der Einfluß des Auges bei der Ver- wachsung nicht eindeutig und einwandfrei nachweisen läßt. b) Die Versuche mit unter Wasser geschnittenen Kartoffeln. Wie ich schon früher gesagt habe, trat bei fast allen Kartoffeln an der Operationsfläche Kork auf, der die Entscheidung des Zu- sammengewachsenseins sehr erschwerte. Hierauf komme ich noch bei Besprechung der anatomischen Ergebnisse zurück. Da ich annahm, daß gerade das Auftreten desKorkes dieBildung der Papillen und damit die Verwachsung der Wuudfläcbe beschränkt habe, operierte ich die Kartoffeln von jetzt ab nur noch in physiologische Koch- salzlösung unter Luftabschluß, wodurch die Bildung des Wundperiderms verhindert und dementsprechend die der Papillen begünstigt wird. Das Resultat dieser Versuchsauordnung war beachtenswert. Die erste Versuchsreihe mit Kartoffeln, die ich operiert in phy- siologischer Kochsalzlösung liegen ließ, verfaulte, bevor eine ein- gehende Untersuchung angängig war. Die übrigen weiterhin in physiologischer Kochsalzlösung operierten Knollen behandelte ich so, wie es oben bei Besprechung der Kork- bildung angegeben worden ist. Es ergaben sich folgende Tabellen: I. Untersucht nach 7 Tagen. zusammen- gewaehsen nicht zusammen- gewachsen 1. Sol. tub. mit Augen und Sol. tub. mit Augen 8 2. = - ohne -,',',', ohne 5 2 3. - '- ohne ', i : i mit * 6 1 II. Untersucht nach 12 Tagen. 1. Sol. tub. mit Augen und Sol. tub. mit Augen 2. - = ohne * -,',-, ohne * 3. = ' ohne -- = s s mit « 9 6 4 1 21 III. Untersucht nach 16 Tagen. 1. Sol. tub. mit Augen und Sol. tub. mit Augen 12 2. = 5 ohne = 5 5 5 ohne = 12 3. ohne '- 5 5 5 mit * IV. Untersucht nach 22 Tagen. 8 1. Sol. tub. mit Augen und Sol. tub. mit Augen 16 2. » s ohne ' 5 5 5 ohne = 6 6. ohne * 5 5 5 mit -- Zusammenfassung. 9 1. Sol. tub mit Augen und Sol. tub. mit Augen 45 2. s s ohne = = s »ohne = 29 3 3. ' 5 ohne * » = ' mit -- 27 1 Was die zwei augenlosen, nicht verwachsenen Knollen in der Tabelle I. betrifft, so sind sie in einem zu frühen Stadium untersucht worden. Denn von den 12 knospenloseu Stücken in III. sind alle zusammengeheilt und ebenso bei IV. Dieselbe Erklärung trifft auch für die unter I, 3 und II, 2 erwähnten Kartoffeln zu. Daraus ergibt sich für die Zahlen in der Zusammenfassung, daß nur die links stehenden zu berücksichtigen, die rechts dagegen zu vernachlässigen sind. Und aus diesen Zahlen folgt wiederum, daß das endliche Zu- standekommen des Zusammenwachseus zweier Kartoffeln unabhängig ist von der Knospe, weil auch knospen-, augenlose Stücke zusammen- wachsen. Mit diesem Ergebnis ist freilich erklärt, warum die an der Luft operierten Knollen das in der ersten Tabelle unter 2. angeführte Ke- sultat zeitigen konnten. Die Unentschiedenheit in ihrem Verhalten deutete darauf hin, daß irgend welche Umstände das Zusammen- wachsen verhindert haben müßten. Im anatomischen Teil wird gezeigt werden, daß allein die Korkbildnng diesen Fehler verursacht hatte. Es sind demnach die Ergebnisse, die mit an der Luft operierten Knollen erzielt worden waren, für die weitere Betrachtung von keiner Bedeutung mehr. Weil Figdors Resultat nur auf Versuchen mit Knollen, die an der Luft geschnitten sind, beruht, so ist erwiesen, daß der von ihm bezüglich der Verwachsung der Kartoffeln aufgestellte Leitsatz, „bei der Kartoffelknolle haben wir eine Verwachsung mit darauf folgender Peridermbildung" i), als falsch zu verwerfen ist. Aus dem Vergleiche der Tabelle I und II mit III und IV geht ferner die wichtige Tatsache hervor, daß die augenlosen Stücke längere 1) a. a. 0. S. 199. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen 22 Zeit zum Verwachsen gebrauchen, als die mit Augen versehenen. Wenn dann noch während dieser Zeit die Luft ungehindert zu der Operationsfläche hinzutreten und die Ausbildung des Korkgewebes bewirken kann, bevor die Vereinigung der AVundflächen durch Papillen erfolgt ist, so ist es verständlich, warum keine an der Luft operierte augeulose Knolle zusammenwachsen konnte. Das Zusammenwachsen an sich ist nicht durch das Vorhandensein des Auges bedingt. Dies läßt sich noch auf einem andern Wege be- stätigen. Aus unter Wasser operierten Knollen mit Augen entfernte ich die Knospen nach verschiedener Zeit und verstrich die Wunde mit Baumwachs. Durch Vergleich mit andern Objekten stellte ich den jeweiligen augenblicklichen Verwachsungszustand der Knollen fest, deren Augen ich entfernen wollte. In der folgenden Tabelle ist die Kontrollkartofifel stets an dem Tage untersucht worden, an dem aus den Versuchsobjekten die Augen entfernt wurden. An- gewachsen nach KontroUkartoffel 3 Sei. tub. mit entfernten Augen 21 T. 3 Tage nacli der Operation nicht verwaclisen 4 = = 5 5 : 16 = 4 Tage nacli der Operation nicht verwachsen 6 = 5 5 5 14 = 5 Tage nach der Operation nicht verwachsen 2 5 S 5 5 15 = 6 Tage nach der Operation nicht verwachsen 4 - ' ' ' 5 = 11 Tage nach der Operation verwachsen Obwohl die ersten 15 Kartoffeln noch nicht verwachsen waren, als ich die Augen entfernte, hat das Fehlen der Knospen das Zu- sammenwachsen nicht verhindert, ein weiterer Beweis für die Richtig- keit obigen Satzes, c. Dauer der Verwachsung. Im vorliegenden Abschnitt ist darauf hingewiesen worden, daß die augenlosen Objekte längere Zeit zum Verwachsen gebrauchen als die mit Augen. Der Zeitunterschied beträgt 10 bis 16 Tage. Die Beschleunigung des Verwachsungsprozesses, die auf der Anwesenheit des Auges beruht, läßt sich auch bei den zuletzt geschilderten Ver- suchen nachweisen. Während in der letzten Keihe die Kontroll- kartoffeln, d. h. die Knollen mit Knospen, 11 Tage nach der Opera- tion schon verwachsen waren, konnte bei augenlosen Objekten der vorhergehenden Reihen eine Vereinigung der Schnittflächen erst wesentlich später festgestellt werden. 23 Weun nun auch das endliche Zusammenwachsen der gepfropften Knollen nicht durch das Vorhandensein des Auges bedingt ist, so ist doch unzweifelhaft, daß vorhandene Knospen das Anwachsen be- schleunigen. Alle bisherigen Versuche wurden im Zimmer bei einer mittleren Temperatur von + 18° C. ausgeführt. Daß die Neubildung von Zellen und damit das Verwachsen von der Temperatur abhängig ist, hat schon Figdor gezeigt. Seinen Versuch wiederholte ich. Die dazu bestimmten Knollen ließ ich in einer Zimmertemperatur von + ö*^ C. liegen, die Kontroll- kartoffeln bei ungefähr + 18° C. Als ich nach 24 Tagen den Versuch beendigte, ergab sich, daß keine der Knollen, die im kalten Zimmer gelegen hatten, Papillenbildung zeigte, die Koutrollkartoffeln dagegen vollständig verwachsen waren; damit sind die Angaben Figdor s bestätigt. Fassen wir alle bisher dargestellten Versuchsergebnisse zusammen, so folgt: Das endliche Zusammenwachsen zweier Kartoffeln ist zwar nicht durch das Vorhandensein der Knospe bedingt, es wird aber durch vor- handene Augen wesentlich beschleunigt; niedrige Temperatur vermag selbst bei Objekten mit Knospe das Verwachsen zu verhindern. d. Die Versuche mit Kartoffelzylindern. Fraglich ist jetzt noch, ob alle lebenden Gewebe gleichmäßig in den später darzustellenden Regenerationsvorgang eintreten, oder ob einzelne Partieen des Querschnittes dabei bevorzugt sind. Nach den Untersuchungen von Lindemuth, denen in dieser Be- ziehung auch Figdor gefolgt ist, soll die Papillenbildung und damit die Verwachsung stets von vorhandenem Cambium abhängig sein. Ein solches ist, wenn auch, wie die übrigen Zellen der Gewebe als Lagerstätte für die Baustoffe benützt und deshalb nicht auf den ersten Blick kenntlich, bei der Kartoffel an der Grenze von Holzkörper und Rinde vorhanden. Da für meine Untersuchungen die Frage nach dem Ausgangspunkt der Verwachsungen von großer Bedeutung war, habe ich zunächst die Lindemuth 'sehen Angaben nachgeprüft. Ich bin in der Weise vorgegangen, daß ich mit einem scharfen Korkbohrer aus großen Kartoffeln — es war besonders die Sorte Magnum bonum ~ 1,5 cm dicke Zyhnder ausgestoßen habe. Diese enthielten nur an ihrem oberen und unteren Ende Cambium, im übrigen waren sie allein von Xylem gebildet. Diese Zylinder ließ ich in der feuchten Kammer einige Tage an der Luft liegen, bis sie von einer kontinuierlichen Wundkorkschicht Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 24 überzogen waren, schnitt dieselben dann in verschiedener Länge durch und fügte sie wieder zusammen. Die Operation wurde aus den früher besprochenen Gründen unter Wasser vorgenommen. Gleichfalls unter Wasser wurde ein fest- schließender Kautschukriug über die Operationsstelle gelegt; da- durch wurde einerseits der Zutritt der Luft zu der Operationsstelle dauernd verhindert, andererseits wurden die Stücke im Zusammenhang gehalten. Wurden die Versuchsobjekte nun wieder an die Luft unter der Glasglocke gebracht, so zeigten sie nach ca. acht Tagen, soweit nicht Fäulnis eingetreten war, vollkommenste Verwachsung ihrer Schnitt- flächen, Hervorzuheben ist jedoch, daß diese nur dann ein- trat, wenn eine der Schnittflächen ein Gefäßbündel ge- troffen hatte. Die feinen, durch ihre Tracheiden kenntlichen Gefäßbündel ver- laufen bei der Kartoffel derart, daß mehrere büschelförmig von jedem Auge ausgehen und nach dem Zentrum der Knolle bis zu einem in einiger Entfernung im Innern des Cambiums liegenden Gefäßbündel- ring ausstrahlen. Diese Gefäßbündel sind die Stellen, von denen aus die Ver- wachsung der Schnittflächen beginnt, während das Cambium mit der Verwachsung nichts zu tun hat. Ich habe viele Zylinder aneinander- geheilt, deren Vereinigungsflächen keine Spur von Cambium enthielten. Daß die Gefäßbündel für das Eintreten der Verwachsung bestimmend sind, geht daraus hervor, daß ich niemals eine solche gefunden habe, wenn nicht wenigstens eine Schnittfläche ein Gefäßbündel enthielt. Damit ist die Unhaltbarkeit der Angaben Lindemuths, welchen auch Figdor folgt, bezüglich der bestimmenden Rolle, die das Cambium bei den Regeuerationsvorgängen der Kartoffel spielen soll, bewiesen. Ich weise darauf hin, daß Vöchting^) bei seinen Regeuerations- versuchen mit der Runkelrübe zu dem Ergebnisse gekommen war, daß die Papillenbildung und überhaupt das Zusammenwachsen getrennt gewesener Teile nur abhängig ist von dem Vorhandensein teilungs- fähigen Gewebes. Dies stimmt mit meinen später darzustellenden Regenerationsversuchen bei Tradescantia vollkommen überein, wo das ganze Grundgewebe die Fähigkeit der Papillenbildung und damit die der Verwachsung besitzt. Auch bei der Kartofl'el sind alle Parenchym- zellen an sich verwachsungsfähig. Der Anstoß zur Papillenbildung und damit zur Regeneration geht aber bei der Kartoffel stets von einem Gefäßbündel aus; ist ein solches im Schnitt nicht vorhanden, so ver- wachsen die an sich tcilungsfähiffcn Zellen des Grundgewebes nicht. 1) a. a. 0. S. 82. 25 2. Anatomisch -histologischer Teil. a. Die Papillen, ihre Entstehung und die Verwachsung der Operationsstelle. Die Art und Weise, in welcher die Vereinigung von Pfropfreis und Unterlage erfolgt, wurde von Vöchting zuerst bei der Runkel- rübe, Beta vulgaris, beobachtet. Die Übereinstimmung der bei der Kartoffel eintretenden Regenerationsverhältnisse mit jenen hat bereits "Figdor konstatiert. Betrachtet man die Operationsflächen von zwei verwachsenen Kartoffeln unter dem Mikroskop, so sieht man, daß die Verwachsung durch papillenartige Zellen bewirkt wird, die gegeneinander vor- gewachsen sind (Fig. 4). Die Papillen entstehen in der Weise, daß Papillenbildung an der Wundfläche von zwei verwachsenen Kartoffeln. H. Hohl- raum: r. Wandreste von durchschnittenen Zellen. (Vergr. 60.) einzelne der unverletzt gebliebenen Zellen, welche der Schnittfläche direkt anliegen, ihre Wände vorwölben. Dann tritt weitere Streckung und auch Teilung der vorgewölbten Zellen ein; sobald die Papillen sich berühren, beginnen sich ihre anfangs gerundeten Oberflächen in- folge des gegenseitigen Druckes abzuplatten und an der Berührungs- stelle zu verwachsen. Derartige herangewachsene Papillen bestehen gewöhnlich aus mehreren Zellen; sie schließen sich in ihrem Wachstum den vorhandenen Unebenheiten der Schnitte an und haben oft ver- bogene und sonderbare Gestalt. Das Ergebnis des Wachstums ist zunächst eine innige Verzahnung der neu entstandenen Papillengewebe an den Schnittflächen. Es ist bekannt, daß diese Verhältnisse auch schon von Hau- stein^) beobachtet und das Regenerationsgewebe als „Blastogen" ^) Hanstein, Beiträge zur allgemeinen Morphologie der Pflanzen. Bot. Abhandlungen, Bonn 1892, Bd. 4. Wehrverfahren gegen Verwundungen und Ver- stümmlungen, S. 136. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 26 bezeichnet worden sind-, der Hinweis Vöcbtings^) (er nennt die Papillen direkt „haarartige Bildungen") auf die Analogie mit Haaren liegt auf der Hand. In dem Gewebe, M-elcbes die Vereinigung zweier Wundränder bewirkt, haben wir eine genaue Analogie der Gewebe, welche die Fruchtfächer z. B. der Citrus-Arteu erfüllen. Aus dem Gesagten folgt, daß man nur dann von einer „Ver- wachsung" reden darf, wenn an den Operationsflächen von Reis und Unterlage Papillen vorhanden sind und sich diese nicht nur berühren, sondern auch dauernd verzahnen. Dagegen ist keine Verwachsung eingetreten, wenn die Papillen sich nicht berühren oder in jugend- lichem Stadium verkorkt oder überhaupt nicht vorhanden sind. Sämt- liche drei Fälle kommen bei Solanum tuberosum vor. Beginnen wir mit dem letzten Fall, so war schon früher darauf hingewiesen worden, daß an der Luft operierte Knollen auf den Wund- flächen Kork bilden. Sind mehrere der Wundfläche parallele Zell- wände verkorkt, was oft in wenigen Tagen erfolgt, so ist den darunter liegenden Zellen die Möglichkeit genommen, Papillen auszubilden und die Verwachsung einzuleiten. Das Korkgewebe bildet bald einen festen, panzerartigen Abschluß der inneren Zellen nach außen hin. Hierauf und auf den Umstand, daß die augenlosen Stücke etwas langsamer anwachsen als die mit Augen (vgl. Tabelle I bis IV der unter Wasser operierten Kartoffeln), ist es in letzter Linie zurück- zuführen, daß keine der an der Luft operierten Knollen ohne Knospe jener Tabelle verwachsen war. Geht dagegen die Peridermbilduug an der Schnittfläche nur langsam vor sich, so lassen sich zwei Fälle unterscheiden: Einmal können die unverletzten Zellen in Zellteilung eintreten und Papillen daraus hervorgehen, die bei fortschreitender Verkorkung der Wundfläche ebenfalls in den Bereich der Verkorkung hinein be- zogen werden können, bevor eine Verwachsung mit den Papillen der gegenüberliegenden Operationsfläche möglich war. Die Zellen unter ihnen verkorken fast immer. Andererseits können unverkorkte Papillen der einen Wundfläche mit solchen der andern verwachsen und Korkzellen einschließen. In diesem Fall erscheinen die Wände der Korkzellen sehr gefaltet und zusammengedrückt; diese Zellen selber sind inhaltsleer. Daß man es hier wirklich mit Kork zu tun hat, zeigt die Sudan-Reaktion, obwohl vor Anwendung dieses Reagenzes die betreffenden Zellwände die Korkbräunung nicht wahrnehmen ließen. Man wird wohl nicht fehl- gehen in der Annahme, daß die von Vöchting für die Runkelrübe 1) IL Vöchting, Untersiicliungcn zur experimentellen Anatoniio und Patho- logie des Pflanzenkürpers. Tübingen 1908, S. 90 u. f. 27 beschriebenen und abgebildeten Zellen i) auch solche Korkeinschltisse in lebendem Gewebe sind. Daß aber die Korkzellen allein um au der Wundfläche abge- storbenes Gewebe gebildet werden, was Vöchting behauptet 2), ist für Solanum tuberosum nicht zutrefl'end. Wie früher dargelegt worden ist, schließt der Kork das gesunde Gewebe von Luftblasen ab, die an den Operationsflächen haften bleiben. Niemals habe ich bei meinen Versuchsobjekten gesehen, daß bei Luft-Abschluß Gruppen nicht ver- wundeter Zellen an der Wundfläche zugrunde gegangen und durch Kork umschlossen waren. Am wichtigsten ist der Fall, in dem auf der Operationsfläche die Peridermbildung ganz unterbleibt und die Kartoffeln vollständig ver- wachsen. Er zeigt uns, daß bei der Kartoffelpfropfung Reis und Unterlage ganz verwachsen können, ohne daß das Verwachsungs- gewebe durch ein Periderm auf beiden Seiten von dem tiefer ge- legenen Gewebe getrennt wird, was Figdor'^) behauptet hatte. Träte die nachträgliche Korkbildung und Zerstörung des Verwachsungs- gewebes wirklich ein, so könnte man nur von einer Verkittung zwischen Reis und Unterlage reden. b. Ferneres Verhalten der bei der Operation verwundeten Zellen. Was zunächst das Verhalten der Wände der bei der Operation verwundeten Zellen betrifft, so ragen diese einige Zeit nach außen, legen sich jedoch über kurz oder lang den gesunden Zellen an, was schon Vöchting*) für die Runkelrübe, Strasburger^) für die Kar- toffel erwähnt. Eine Resorption der Zellreste, wie sie Figdor^) be- obachtet haben will, findet nicht statt. Die Vereinigung der Zell- reste mit den gesunden Zellen kann manchmal derart innig sein, daß von den Resten kaum eine Spur zu sehen ist. Oft gelingt es erst bei Anwendung sehr starker Vergrößerung sie dicht an den Wänden lebender Zellen aufzufinden. Einmal freilich konnte ich solch einen Rest auf einer Papille beobachten. Ob die von Vöchting^) an den gemeinschaftlichen Wänden zweier Papillen gesehenen unregelmäßigen Verdickungen nicht auch solche Wandreste sind? ») Vöchting, Transplantation a. a 0. S. 112. 2) Vöchting, Transplantation a. a.. 0. S. 115. 3) a. a. 0. S. 197. *) Vöchting, Transplantation a. a. 0. S. 118 u. Tafel IX, 6. ^) E. Strasburger, Das botanische Praktikum. Jena. 4. Aufl. S. 279. 8) a. a. 0. S. 18.5/186. '') Vöchting, Transplantation a. a. 0. S. 114, 115 u. Tafel VIII. Bruno Kabiis. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen, 28 Bezüglich der übrigen Zellreste wirft Vöchting^) zwar die Frage auf, ob sie nicht resorbiert werden könnten, geht jedoch nicht näher auf die Frage ein. Frank^) gibt an, daß bei jeder Verletzung die verletzten Zellen getötet werden. Aus meinen früheren Ergebnissen - es kommen hier besonders die unter Wasser ausgeführten Versuche in Betracht — geht hervor, daß auch der tote Inhalt der verletzten Zellen von der Kartoffel ge- wöhnlich aufgegel)en wird. Auf den Operationsflächen fanden sich fast stets Reste der durchschnittenen Zellen. Dagegen wird nach den Untersuchungen von Verworn^) und Jensen^) bei Protozoen das Protoplasma von durch Operation ver- letzten Zellen von den gesunden resorbiert, und es ist nicht einzusehen, weshalb ein gleiches Verhalten nicht auch in Geweben eintreten soll. Direkt nachweisbar ist es allerdings, wenn völlige Verwachsung ein- getreten ist, nicht. c. Diskussion des die Regenerationsvorgänge einleitenden Reizes. Die letzten Ursachen der Regeneration glaubt Billroth 5) darin gefunden zu haben, daß die zu resorbierende Substanz der verletzten Zellleiber „gleichsam als formativer Reiz auf das übrige gesunde Ge- webe wirkt" . Wenn diese Hypothese richtig wäre, müßten bei der Kartoffel alle Veredelungen gelingen, also auch die Zylinder zusammenwachsen, deren Operatiousflächen keine Gefäßbündel enthalten. Das trifft aber, wie wir früher gesehen haben, nicht zu. Die Zylinder sind nicht zu- sammengewachsen, obwohl auch ihr gesundes Gewebe Substanz der verletzten Zellen zu resorbieren gehabt hatte. Die Erklärung Bill- roths ist demnach zu verwerfen. Aus dem gleichen Grunde fällt auch die eine Hypothese Figdors, daß im Marke ein lückenloser Verband zwischen den beiden Knollen- hälften deswegen nicht hergestellt werden kann, weil die „einzelnen *) Vöchting, Transplantation a. a. 0. S. 120. 2) a. a. 0. S. 62. 8) M. Verworn, Die physiologische Bedeutung des Zellkerns. Pflügers Archiv 1891. Bd. 51 (angegeben nach 4). *) P. Jensen, Über individuelle Unterschiede zwischen Zellen der gleichen Art. Archiv für ges. Physiologie, Bd. fi2. Bonn 1895. '^) Billroth, Über die Einwirkungen lebender Pflanzen- und Tierzellen aufeinander. Eine biologische Studie. Wien 1890. — Da ich die Abhandlung nicht einsehen konnte, so berufe ich mich auf die Angaben Figdors, a. a. 0. S. 185. 29 Zellen eine verschieden große Menge von verletzten Zellen resor- bieren müssen". Die unter Wasser operierten Knollen bildeten auch im Marke Papillen aus, wie schon früher gesagt worden ist. Dagegen waren überhaupt keine Papillen sichtbar an den Wundflächen der aus dem Marke gebohrten Zylinder, soweit Gefäßbündel auf der Schnittfläche fehlten. Dieses verschiedene Verhalten der Markzellen wird durch die Figdorsche Erklärung nicht beseitigt. Auch Figdor genügte die Erklärung nicht, daß die Resorption der verletzten Zellen die einzige Ursache der Regeneration sei. Als weitere Ursache nahm er noch den gegenseitigen Druck der veredelten Objekte in Anspruch, jedoch dürfe dieser nicht allzu stark sein. Auch er gehört nicht zu den gesuchten Ursachen. Ich habe Knollen und Zylinder zusammenwachsen sehen, ohne daß ein Lindenbast einen Druck ausübte. Abweichend von den eben genannten Autoren nimmt Driesch an, „daß jeder Teil des Organismus einem gewissen Vermittler jeweils eine spezifische Sonderheit gewissermaßen übergibt, daß eben dieser Vermittler in seinem Wesen verändert wird, sobald ein Teil des Organismus entfernt oder außer Funktion gesetzt ist, und daß endlich eben diese spezifische Änderung des Vermittlers unser »Restitutions- reiz« ist" 1). Diese etwas komplizierte und in ihrem Ausdruck nicht völlig klare „Erklärung" müßte auch in unserem Falle zutreffen, da Driesch als „ , Restitution' alle Arten der Wiederherstellung der gestörten Organisation" bezeichnet, auch die durch Papillenbildung von der Wunde her. Selbst zugegeben, daß diese Erklärung für gewisse Fälle richtig sein kann, so trifft sie bei meinen Versuchen nicht zu. Denn wir haben gesehen, daß nur die Zylinder zusammenwachsen, bei denen mindestens eine Operationsfläche Gefäßbündel enthält. Dagegen unter- blieb die Verwachsung, sobald kein Gefäßbündel an der Schnittfläche vorhanden war. Daraus geht doch vielmehr hervor, daß das Vor- handensein der Gefäße an der Wundfläche die Regenerationsvorgänge beeinflußt. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß Ernährungs- bedingungen die Ursache der Regeneration sind. Auch Simon 2) hat die Ursachen der Regeneration studiert. Doch ist er zu keinem Resultat gekommen. ^) Hans Driesch, Der Restitutionsreiz. Vorträge und Aufsätze über Ent- wicklungsmechanik der Organismen, herausgegeben von Wilhelm Roux. Leipzig 1909. Heft VII. ') S. Simon, Experimentelle Untersuchungen über die Entstehung von Gefäßverbindungen. Berichte d. deutschen Botan. Gesellschaft. Bd. XXVI. 1908. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 30 Auch mir ist es nicht gehingeu, die letzte Ursache der Regene- )ii zu erkennen; die Einwirkung der Reize auf d ist unserer Kenntnis vor der Hand noch entzogen. ratiou zu erkennen; die Einwirkung der Reize auf die lebende Substanz b. Regenerationsvorgänge bei anderen unterirdischen Organen. Die sämtlichen bisher besprochenen Versuche wurden an der Kartoffel ausgeführt. Daß man bei Verwendung von anderen unter- irdischen Pflanzeuorganen entw'eder gleiche oder mindestens ähnliche Ergebnisse erhalten würde, dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit an- genommen werden. Bei den nun folgenden Versuchen wuirde besonders darauf geachtet, ob zwei knospenlose Orgaue zusammenwachsen oder nicht, und wo die Verwachsung zuerst stattfindet. 1. Experimenteller Teil. Was die Versuchsanordnung und die dazu verwendeten Pflanzeu- teile betrifft, so ist bezüglich dieser zu bemerken, daß die als Nähr- stoffbehälter fungierenden Bodenwurzeln von Dahlia variabilis L., die unterirdischen Sprosse der Aroidee Sauromatum guttatum Schott und von Dioscorea alata L. und endlich die Wurzeln von Boussingaultia baselloides H. B. K. benützt worden sind. Die Versuche wurden derart eingerichtet, daß immer ein unter- irdisches Organ, unter Wasser in zwei Teile quer durchschnitten, wieder zusammengebunden und mit Vaseline abgedichtet wurde. Manchen dieser operierten Organen ließ ich die Knospen, bei anderen dagegen entfernte ich sie. Gegenüber den Versuchen an der Kartoffel ist hier insofern ein Unterschied, als entweder nur die eine Hälfte der zusammengebundenen Teile eine Knospe führte oder überhaupt keine. Alle Objekte wurden, wie früher die Kartoffeln, auf ein Draht- netz über einen Teller gelegt, der stets mit Wasser angefüllt war, und mit einer Glasglocke bedeckt. Nach 14 Tagen untersuchte ich die ersten Stücke von Dahlia variabilis und Sauromatum. guttatum, beide mit Knospen. Alle waren zusammengewachsen. In den folgenden drei Tagen öffnete ich auch die andern Objekte. Eine Verwachsung konnte in folgenden Fällen mit Sicherheit festgestellt werden: Dahlia variabilis, Sauromatum gut- tatum, Boussingaultia baselloides, alle mit und auch ohne Knospe. Die Verwachsung war dagegen nicht eingetreten bei Dioscorea alata. Was den letztgenannten Fall betriff't, so kann man nur von einer Verklebung reden, da beide Hälften infolge reichlich ausgeschiedenen Pflanzenschleims fest aneinanderhafteten, jedoch keine Neubildung von Zellen stattgefunden hatte. Bei den anderen Objekten konnte eine Neubildung von Zellen stets w^ahrgenommeu werden. 31 2. Änatomisch-histologischer Teil. 1. Dahlia variabilis. Bevor ich meine Ergebnisse bespreche, will ich liehen Resultate Figdors anführen. die bezüg- Er sagt: „Im Gegensatz zu den eben erwähnten Rüben sehen wir hier^) beinahe überall eine »Ver- kittuug« auftreten, höchst selten eine Verwachsung. Selbst in letzterem Falle bildet sich zu beiden Seiten der neugebildeten Zellen schon nach kurzer Zeit ein Periderm aus, so daß die Bedeutung der Ver- wachsung ziemlich belanglos ist" 2). Und die Verkittung soll so vor sich gehen, daß die verletzten Zellen in eine gummiartige Kittschicht umgewandelt werden; besonders treffe dies bei den Zellulosemem- branen zu, die chemisch metamorphosiert werden, und die dann eine Modifikation des Wundgummi darstellen sollen. Wie bei der Kartoffel, weichen auch hier bei Dahlia variabilis meine Ergebnisse von denen Figdors ganz erheblich ab. So sah ich stets eine ganz innige Verwachsung auftreten, ganz gleich, ob ich die Knospe entfernt hatte oder nicht. Die Verwachsung ging so vor sich, daß von beiden Hälften her Papillen vorwuchsen und den kleinen Zwischenraum zwischen den Wundflächen ausfüllten. An manchen Stellen war die Verwachsung so weit vorgeschritten, daß es schwierig war, hier die Grenze zwischen den beiden Hälften zu ziehen. Aber eine Korkbildung nach der Ver- wachsung, wie sie Figdor gesehen haben will, war niemals zu be- obachten. Es könnte der Einwand gemacht werden , daß in dem durchscheinenden Lichte des Mikroskops Erhebungen und Vertiefungen auf der von Figdor be- schriebenen Kittsubstanz auf mich den Eindruck von Zellmembranen und Zellen gemacht hätten, aus denen ich dann wieder auf eine Verwachsung ge- schlossen habe. Doch dieser Einwand wird sofort hinfällig, weil sich fast stets die Wandreste der durchschnittenen Zellen nachweisen ließen, die von meinem Vorgänger gesehene Kittsub- stanz also nicht vorhanden war. Außer- dem konnte man eineÜberbrückuns; der 6m Fig. 5. Verwachsung bei Dahlia variabilis. durchschnittenen, infolge neuentstan- U. Unterlage; R. Reis. (Vergr. 60.) ') Gemeint ist Dahlia variabilis. 2) a. a. 0. S. 198. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 32 deneu Parenchyms getrennten GefäßbUndel durch neu gebildete Trache- iden und Tracheen entstehen, ja schon vollzogen sehen (Fig. 5). Es traten sogar an der Wundfläche einer Knolle, bei der ich, wie ich noch hervorheben will, alle Knospen entfernt hatte, in dem dort enstandenen Pareuchym Tracheiden auf, die sich direkt vor die durchtreunten Gefäße legten (Fig. 6); an einer anderen Stelle war die Trachee Fig. 6. Dahlia vaiiabilis. An der Wundfläche auftretende TracheVden. (Vergr. 60.) über das Verwachsungsgewebe hinweg verlängert. Jede Täuschung ist somit ausgeschlossen. Der Grund für die auffallende Abweichung in unseren Ergeb- nissen ist allein in der an der Wundfläche vermiedenen Korkbildung zu suchen, ebenso wie bei der Kartoffel. Wenn auch bei meinen Knollen, die unter Wasser operiert worden waren, leider infolge des nicht luftdichten Verschlusses die Korkbildung nicht immer ganz unter- blieben ist, so ist sie doch auf ein Minimum beschränkt. Das auf diese Weise erzielte Ergebnis ist daher einwandfreier als das von F i g d r. Bei den anderen Objekten kann ich mich kürzer fassen, da die anatomischen Ergebnisse zum großen Teil mit den früheren überein- stimmen. 2. Sauromatum guttatum. Bei den kleinen zwiebelähnlichen Knollen dieser Pflanze ist die Verwachsung nach 14 Tagen auf der ganzen Schnittfläche so voll- kommen, daß die Stelle zunächst nicht mehr herauszufinden war, wo der Schnitt gemacht worden war. Erst als ich die Schnitte, und zwar möglichst dünne, mit Kalilauge behandelte, um die massenhaft aufgespeicherte Stärke fortzubringen, gelang es mir, die eigentliche Verwachsungsstelle aufzufinden. Sie war daran kenntlich, daß das Verwachsungsgewebe relativ große Interzellularen besaß, größere als in dem übrigen Gewebe vorhanden waren. Auch waren in dem auf der Wundfläche entstandenen Parenchym an mehreren Stelleu Tracheiden sichtbar. 33 Bei einem Präparate fand sich in der Mitte der Schnittstelle etwas Kork, der aber nicht durch ein Meristem erzeugt worden war wie dies bei der Kartoftel der Fall war, sondern dadurch, daß die von Anfang an vorhandenen, nicht neu gebildeten parenchymatischen Zellen ihre Wände verkorkt hatten. Daraus, daß die Korkbildung nur einmal beobachtet wurde, und aus dem Aussehen dieses Objektes ließ sich folgern, daß auch dieses Mal das Vorhandensein einer Luft- blase die lokale Korkbildung verursacht hatte. Bemerkenswert ist noch, daß Sauromatum guttatum, wie alle Monokotyledonen, kein Cambium hat. Wenn sie trotzdem verwachsen ist, so folgt daraus, daß das Cambium nicht nötig ist zur Verwachsung, sondern nur das Vorhandensein von wachstumfähigen Zellen. 3. Boussingaultia baselloides. Ein weiteres Versuchsobjekt war Boussingaultia baselloides. Die Verhältnisse hier weichen fast gar nicht von den eben beschriebenen ab. Eine Wiederholung scheint daher überflüssig. 4. Dioscorea alata. Schließlich bleibt noch die Besprechung der Verkittung von Dioscorea alata übrig. Wie schon im experimentellen Teil dieses Ab- schnittes angedeutet worden ist, ließ sich hier keine Verwachsung im eigentlichen Sinne nachweisen. Die beiden Teile wurden durch reich- lichen Schleim zusammengehalten, aber das Kriterium der Verwachsung, die neugebildeten Zellen, fehlte vollständig. Die Wundfläche hatte sich in der Zeit von 16 Tagen garnicht verändert. Die Ränder der verletzten Zellen waren vollkommen erhalten und hatten sich an das gesunde Gewebe nicht angelegt. Ebenso war die Korkbildung an der Wuudfläche unterblieben, was für eine Verwachsung günstig gewesen wäre. Alle Objekte, die mit Knospe und auch die knospenlosen, waren turgeszent. Es bleibt eben nur die Annahme übrig, daß wir es hier mit einer Verklebung durch Pflanzenschleim zu tun haben, der aus den zahlreichen, bei der Operation durchschnittenen Schleim- röhren ausgeflossen war. Versuche, die mit Bulben von Coelogyne cristata angestellt wurden führten zu keinem befriedigenden Ergebnis. II. Regenerationsvorgänge bei oberirdischen Sprossen. a. Experimenteller Teil. Nach den Versuchen mit Pflanzenteilen, die sich unter der Erde befinden, studierte ich auch die Regenerationsvorgänge an ober- irdischen Sprossen in bezug auf die Frage, ob das Anwachsen der Propfreiser abhängig ist von der aufgepfropften Knospe oder nicht. Beiträge zur lüologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft I. 3 Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 34 Zu meinen Versuchen verwendete ich, um möglichst einwandfreie Resultate zu erzielen, die verschiedensten Pflanzen, nämlich: 1. Epiphyllum truucatum Haw. 2. Cereus bystrix Sweet. 3. Pilo- cereus sublatus. 4. Mammillaria meiacantha Engelm. 5. Opuntia robusta Wendt. 6. Opuntia amylea Tenor. 7. Opuntia imbricata D.C. 8. Bryophyllum crenatum. 9. Bryophyllum calyciuum Salisb. 10. Begonia ulmifolia Willd. 11. Begonia fucbsioides. 12. Fuchsia bybrida var. Gefüllte. 13. Fuchsia hybrida var. Göttingen. 14. Fuchsia hybrida var. Koralle. 15. Pelargonium zonale var. Meteor. 16. Pelargonium peltatum. 17. Callisia repens. 18. Tradescantia fluviatilis. 19. Philodendron erubescens. § 1. Pfropfversuche an Cacteen. Bei Epiphyllum truncatum schnitt ich das äußerste der blatt- artigen Glieder ab, spitzte es zu, so daß es in die keilförmige Öffnung des uäcbstvorhergehenden Gliedes paßte, und umwand die Veredelungs- stelle mit Werg und Bast. (Fig. 7.) Damit das Reis seine Stellung P'ig. 7 a und h. Pfropfung bei Epiphyllum truncatum. Fig. 8. Verwachsung bei Epiphyllum truncatum. behalte, waren auf den beiden Seiten zwei breite, jedoch ganz dünne Holzplättchen von 5 cm Länge über die Pfropfstelle gelegt. Einige der eingesetzten Stücke hatten ihre bestachelten Knospen, bei andern waren sie alle entfernt worden. Die Operation war am 26. November ausgeführt. Aber erst am 11. März zeigte das Wachstum der übrigen nicht operierten Pbyllocladien, daß die Zeit der Saftrube vorüber war. Als ich daraufhin den Verband öffnete, bot sich mir das in der Fig. 8 wiedergegebene Bild dar. Die Operatiousflächen der Unterlage und 35 des Reises hatten sich abgerundet und waren in ihrer Mitte ver- wachsen. Auffällig war der mächtige Wundgewebekörper, der hier gebildet worden war. Er maß an der breitesten Stelle fast 3 mm. Daraus konnte man schon schließen, daß hier eine Verwachsung statt- gefunden hatte. Als ich aber zur selben Zeit die knospenlosen Objekte öffnete, ergab sich, daß die eingesetzten Reiser von der Wundfläche her ab- zufaulen begannen, ohne daß sie verwachsen gewesen wären. Der Fäulnisprozeß machte sich jedoch nur auf dem Reise be- merkbar, nicht auf der Unterlage. Daraus, daß das Reis erst 3V2 Monate nach der Operation abzufaulen beginnt, und daß es allein das Reis ist, auf dem sich dieser Prozeß bemerkbar macht, muß man schließen, daß die Infektion nicht bei der Operation erfolgt ist, sondern daß das eingesetzte Objekt abstirbt, weil es ohne Knospe unfähig ist, mit der Unterlage zu verwachsen und so weiter zu leben. Vergleichen wir dieses Resultat mit dem bei Solanum tuberosum und den anderen unterirdischen Organen erhaltenen, so sehen wir ein ganz auffälliges Abweichen. Während sich früher ergab, daß die Knospen dort nicht zum Anwachsen des Reises unumgänglich nötig sind, muß nach diesem Versuch die Knospe vorhanden sein, wenn eine Verwachsung stattfinden soll. Weitere Versuche an anderem Material ergaben dasselbe Resultat. Auf Opuntia robusta als Unterlage setzte ich ein Cladodium von Opuntia amylea als Reis. Die hierbei ausgeführte Veredlungsart war die gerade Kopulation (Fig. 9); das Abfallen des Reises wurde durch Fig. 9. Gerade Kopulation bei Opuntia. Fig. 10. Verwachsung von Opuntia amylea auf Opuntia robusta. einen von oben hereingeführten Stachel verhindert. Leider stand mir nur ein Exemplar zur Verfügung, sodaß ich mich darauf beschränken 3* liruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 36 mußte, dem Reis die Knospen zu lassen, um die Verwachsungs- verhältnisse studieren zu können. Wie Fig. 10 andeutet, war auch Opuntia amylea vollkommen zu verwachsen im Begriif, als der Ver- such abgebrochen und das Objekt der histologischen Untersuchung geopfert wurde. Bei einem dritten Versuch wurde auf Opuntia imbricata ein Cereus hystrix gepfropft nach der in Fig. 7 b dargestellten Methode. Beide Teile behielten auch dieses Mal ihre Knospen. Wie innig hier die Verwachsung nach nicht allzu langer Zeit vorgeschritten war, ließ sich daran erkennen, daß Cereus hystrix, das Reis, zwei Triebe ent- wickelt hatte, die IV2 cm bzw. 1 cm lang waren. Auch hier bestätigte die anatomisch-histologische Untersuchung die schon durch das Aus- sehen der Objekte gewonnene Vermutung, daß Verwachsung ein- getreten war. Da der Cereus hystrix seiner langen, gut sichtbaren Stacheln wegen mir ein besonders gutes Objekt zu sein schien, an dem ich die Regenerationsvorgänge bei Entfernung aller Knospen studieren könnte, so entfernte ich alle Knospen, schnitt die Pflanze unter den letzten entfernten Dornen horizontal durch, drückte das knospenlose Reis auf die Unterlage und umgab die Wundränder mit Baumwachs, womit auch alle durch Entfernung der Stacheln entstandenen Wunden ab- geschlossen wurden. Hierdurch sollte die abnorme Wasserabgabe des Reises aus der gesetzten Wunde verhindert werden. Trotzdem verlor es bald seine Turgeszenz und begann schon nach einer Woche ein- zuschrumpfen. Nach drei Wochen war die Schrumpfung bereits so weit vorgeschritten, wie es die Photographie zeigt (Fig. 11)-, nach weiteren 3 Wochen wäre es vielleicht ganz vertrocknet gewesen. Dieses Endstadium wartete ich jedoch nicht ab, sondern unterwarf gleich nach dem Photographieren die Objekte der Untersuchung. Sie ergab, wie später darzustellen sein wird, daß eine Verwachsung des Reises mit der Unterlage nicht stattgehabt hatte. Und es gehörten doch Reis und Unterlage vorher zu einer einzigen Pflanze, sie paßten auch mit ihren Geweben genau aufeinander, daher kann nur das Fehlen sämtlicher Knospen das Zusammenwachsen verhindert haben. Schließlich setzte ich auf Mammillaria meiacantha einen Pilocereus sublatus, der gleichfalls anwuchs. Aus den angeführten Versuchen ergibt sich, daß Cacteen nur dann verwachsen, wenn der aufgesetzte Teil Knospen, Triebe hat, daß dagegen diese unterbleibt, sobald die Knospen entfernt sind. Da ich auch ein Zusammenwachsen feststellen konnte, wenn das knospeutragende Reis mit horizontaler Schnittfläche auf die Unterlage gesetzt wurde, so folgt, daß der Erfolg der Operation nicht abhängig ist von dem Winkel, den die Schnittflächen mit der Horizontalen bilden. 37 Ohmauni) behauptete uämlich, daß die Operation um so weniger erfolgreich sei, je kleiner der Winkel zwischen Schnittfläche und der Horizontalen sei. Dieser Winkel hat meiner Meinung nach für das Fig. 11. Pfropfversuch mit Cereus hystrix (rechts); Ergebnis des Pfropfversuches an einer Fuchsie (links). V = Verediungsstelle. Sonstige Erklärung im Text (Photogr. Hugo Groß). Zustandekommen der Verwachsung gar keine Bedeutung, zum min- desten nicht die ihm von Oh mann zuerkannte. Dies wird weiter unten nochmals besprochen werden. § 2. Weitere Propfversuche an Dikotyledonen und Monokotyledonen. Gleichzeitig führte ich Pfropfversuche an anderen Gewächshaus- pflanzen aus. *) Martin Ohmana, Über die Art und das Zustandekommen der Ver- wachsung zweier Pfropfsymbionten. Zentralblatt für Bakteriologie, II. Ab- teilung, XXI. Band. Jena 1908. No. 7/8, 10/12. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen überRegenerationsvorgänge bei Pflanzen. 38 Unterlage Reis Knospe .ange- mit ohne wachsen Bryophj'Uum crenatum . Bryophyllum calycinum . . . — 3 ' calycinum . ■ crenatum . . . — 3 " " • • - crenatum . 6 6 s ' t . , - calycinum . . . 5 — 5 * * . . * calycinum . . . — 6 Fuchsia hvbrida var. Gefüllte Fuchsia hybrida var. Göttingen 2 2 i i t i i ■' ■' Göttingen — 3 S S S i .- Coralle . 2 — s ? s -' Gefüllte . 4 31) s t i i -' Gefüllte . 4 Begonia ulmifolia .... Begonia fuchsioides .... 3 - - .... " ^ • • • • 2 2 - fuchsioides . . . - - .... — 1 Pelargonium zonale var. Meteor Pel. zonale var. Meteor . . 2 — 2 5 ',',', '- peltatum 4 — 4 S i -, i '- peltatum 4 S 5 S S ' zonale var. Meteor . . 3 Callisia repens Callisia repens 3 5 3 Tradescantia fluviatilis . . . 2 2 Tradescantia fluviatilis . . Tradescantia fluviatilis . . . 4 5 4 Callisia repens 2 2 Philodendrou erubescens . . Philodendron erubescens . . 1 1 Hierzu will ich bemerken, daß die Mehrzahl der Pflanzen nach Art der Kopulation, nur wenige nach der Art der Triangulation (Fig. 7 b) veredelt worden sind. Nur einige Veredlungen sollen noch genauer besprochen werden. 1. Dikotyledonen. Interessant ist eine Operation, die ich an einer Fuchsie ausführte. Am Hauptstamm entsprangen auf gleicher Höhe zwei Seitenäste von gleicher Länge, ungefähr 14 cm. Jeden Zweig schnitt ich 6 cm vom Ursprung schräg ab (Kopulation), setzte ihn au dieselbe Stelle und dichtete diese bei beiden mit Baumwachs ab. Von dem einen Reis entfernte ich alle Knospen, nur ein halbiertes ausgewachsenes Blatt ließ ich ihm, damit die Transpiration nicht allzu groß war; dem andern Reis dagegen ließ ich alle Blätter und Knospen. Und schließ- lich schnitt ich auch den Hauptstamm 2 cm über dem Ursprung der beiden Seitenäste ab, damit alle Nahrung nur in diese hineingehen *) Ein Reis wurde umgebrochen. 39 sollte. Welches Bild die so behandelte Pflanze gewährte, ist in Fig. 12 schematisch dargestellt worden. Daß beide Reiser unter gleichen äußeren Bedingungen gehalten wurden, sei besonders hervorgehoben. Nach Ablauf von 14 Tagen hatte sich das Aussehen des Objektes wesentlich verändert. Das knospenlose Reis war beträchtlich ge- schrumpft (4 cm) und schon vollständig abgestorben, das andere da- gegen hatte sich üppig weiter entwickelt, was ja auch in der Photographie deutlich erkennbar ist. [Zum Zwecke der Photo- graphie (Fig. 11) wurden beide Äste an der Ursprungsstelle ab- geschnitten, der mit dem knos- penden Reis aber noch weiter verkürzt. Daher ist bei dem einen Zweig die Veredlungsstelle tiefer als bei den andern.] Worauf beruht die ungleiche Entwicklung der beiden Reiser? Der Einwand, daß der eine Zweig durch seine tiefere Stellung am Hauptstamm dem anderen Nähr- stoffe entzogen haben könnte, ist hinfällig, weil beide Zweige am Hauptstamm auf gleicher Höhe entsprangen, also auch beiden in gleicher Weise die Nahrung zufließen könnte. Nun wirken aber die Vegetationspunkte als Anziehungszentren für Baustoffe. Daraus folgt, daß das knospenlose Reis eingegangen ist, weil es keine Baustoffe her- anziehen konnte. Für das Zustandekommen der Verwachsung ergibt sich hieraus auch bei diesem Objekt, daß sie abhängig, und zwar allein abhängig ist von der gleichzeitig mit dem Reis aufgepfropften Knospe. a. Einfluß junger Blätter auf die Regenerationsvorgänge. Ich habe vorher erwähnt, daß ich dem knospenlosen Reis ein ausgewachsenes Blatt ließ. Das hat seinen Grund in folgendem: Bei Pelargonium zonale var. Meteor und Bryophyllum calycinum führte ich an mehreren Pflanzen Kopulationsversuche aus, entfernte alle Vegetationspunkte an den Reisern, ließ ihnen aber mehrere nicht ausgewachsene Blätter. Nach kurzer Zeit ergab sich, daß sämtliche Reiser angewachsen waren, während die Veredlungen bei Kontroll- pflanzen, denen ich alles Laub genommen hatte, eingegangen waren Aus vorstehendem Versuch folgt, daß junge noch im Wachstum be- griffene Blätter auch alsAttraktionszentreu wirken, gleich wie die Knospen. Fig. 12. Pfropfversuch an einer Fuchsie (Schematisch). Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 40 b. Verhalten umgekehrt eingesetzter Stengelstücke. Bei Bryophyllum calycinum und Pelargonium zonale var. Meteor (den besten Versuchsobjekten, die ich kennen lernte) führte ich noch folgende Modifikation der früheren Versuche aus: Den Stamm jeder Pflanze schnitt ich in drei Teile, die Unterlage, die im Topf blieb, das mittlere Stück und das Reis. Das mittlere Stück setzte ich ein- mal in seiner natürlichen Orientierung zwischen Reis und Unterlage, das andere Mal dagegen umgekehrt. Dieser Versuch wurde ausgeführt sowohl für Reis mit Knospe als auch ohne Knospe. Das Endergebnis war, daß das mittlere Stück eingewachsen war, sobald das Reis eine Knospe hatte, daß es aber zugrunde ging, wenn das Reis knospenlos war. Ob der mittlere Teil in seiner ursprünglichen Lage oder in umgekehrter eingesetzt war, schien für die Verwachsung ganz gleich- gültig zu sein. Es handelte sich auch hier nur um das Vorhandensein der Knospe. Wenn auch die hier mitgeteilten Versuche für die Richtigkeit des Satzes sprechen, daß das Verwachsen von Reis und Unterlage allein abhängig ist von der aufgepfropften Knospe, so möchte ich ihn doch noch durch einige andere Tatsachen erhärten. 2. Monokotyledonen. Um die Wichtigkeit der Knospe beim Anwachsen von Pfropf- reisern auch bei Monokotyledonen zu studieren, führte ich die schon in der Tabelle aufgeführten Versuche an Callisia repens, Tradescantia fluviatilis und Philodendron erubescens aus. Bei allen Objekten fand eine Verwachsung nur dann statt, wenn das Reis eine Knospe hatte. Bemerkenswert ist aber, daß eine Verwachsung zwischen Callisia und Tradescantia immer längere Zeit beanspruchte, als wenn Reis und Unterlage derselben Pflanze angehörte. Doch ist diese Erscheinung ganz nebensächlich für unsere Untersuchung. Für uns ist es wichtig, die Tatsache feststellen zu können: auch bei Monokotyledonen kommt Verwachsung ohne Vorhandensein eines Cambiums zustande; sie ist abhängig von der aufgepfropften Knospe. Die Photographie von Philodendron erubescens (Fig. 18), die 20 Tage nach der Operation angefertigt worden ist, macht durch die Turgeszens von Reis und Unterlage wahrscheinlich, daß beide ver- wachsen sind. Der anatomische Befund hat dies auch bewiesen. § 3. Versuche mit unter Wasser ausgeführter Operation. Schließlich möchte ich noch einen Versuch mit unbestimmtem Ergebnis erwähnen. Da bei fast allen vorher besprochenen Versuchen der die Verwachsung einleitende Callus eine die Wundfläche über- ziehende braune Schicht durchbrechen mußte, operierte ich Bryo- 41 phyllum, Pelargonium und Begonia auch unter Wasser. Leider ließen sich die Pflanzen diese Behandhing nicht gefallen, sondern begannen schon nach vier Tagen zu welken und gingen schließlich ganz ein. Diesen Versuch wiederholte ich zweimal, immer mit dem gleichen Ergebnis. Fig.! 13. Pfropfversuch an Philodendron eiubescens. (Photogr. Hugo Groß.) § 4. Zusammenfassung. Fassen wir das Ganze nochmals zusammen, so ergibt sich, daß die Verwachsung von Reis und Unterlage beeinflußt wird von der Knospe des Reises. Dies ist bestätigt durch Versuche an Dikotyle- donen: Cacteen, Bryophyllum, Fuchsia, Begonia, Pelargonium, ferner an Monokotyledonen: Callisia, Tradescantia, Philodendron. Die Verwachsung bei Monokotyledonen ist lange Zeit hindurch angezweifelt worden. Erst Daniel hat nachgewiesen, daß auch bei diesen Pflanzen eine Verwachsung möglich ist. Doch ist er zu der Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 42 Meinung gekommen, daß sie von verschiedenen Faktoren abhängig sei. Er sagt nämlich: „En resume, la reussite de la greffe anglaise simple^) de la Vanille et du Philodeudron sur eux-memes montre que la greflfe des Monocotyledones, meme depourvues de couches genera- trices, ne doit plus etre consideree comme impossible. Cette reussite fait voir aussi que la reprise depend de l'etendue des surfaces en contact, du procede de greffage et de la nature des plautes que Ton veut associer^)." Was zunächst die „couches generatrices" betrifft, so muß die Beobachtung Daniels auf Täuschung beruhen. Es können nämlich knospenlose Reiser so mit der Unterlage verklebt sein, daß man bei oberflächlicher Betrachtung glaubt, eine Verwachsung konstatieren zu müssen. Erst die genaue mikroskopische Untersuchung zeigt dann, daß es nur eine Verklebung ist. Auf die Größe der Wundflächen kommt es ebensowenig an. Der Winkel zwischen der Horizontalen und der Schnittgeraden — von ihr hängt doch auch die Größe der Wundflächen ab — kann beliebig groß oder klein sein, wie meine Versuche an Tradescantia und vor- her an Cacteen beweisen. Nur scheint bei kleinem Winkel die Ver- wachsung etwas langsamer vor sich zu gehen. Wichtig ist für uns, daß sie bei kleinem Winkel nicht unterbleibt. Es ist danach die Größe der Wundfläche nebensächlich. Es kommt hauptsächlich auf die Knospe an, sie allein ist bei oberirdischen Organen das Agens bei der Verwachsung. Nebenbei möchte ich noch bemerken, daß gerade die Trades- cantia-Sprosse dazu neigen, an ihren Knoten Wurzeln auszubilden. Die Wurzeln müssen natürlich sofort entfernt werden, weil sie sonst das Studium der Verhältnisse an der Kopulationsstelle dadurch un- möglich machen, daß das Reis keine Verwachsung mit der Unterlage einzugehen braucht, da es sich selber ernähren kann. b. Anatomische Untersuchung der Pfropfstellen. § 1. Bräunung der Wundflächen und Verhalten der durchschnittenen Zellen. Betrachtet man Schnitte durch nicht verwachsene Veredlungs- stellen oder durch solche, bei denen eine Verwachsung eben erst ein- getreten ist, so fällt, ähnlich wie bei Solanum tuberosum und den anderen vorher besprochenen Objekten, auch hier die Bräunung der Wundfläche auf. ^) d. h. Kopulation. ^ Lucien Daniel, GrefFe de quelques MonocotyK'dones sur elles-memes. Comptes rendus des seances de l'Academie des sciences. T. C. XXIX. Paris 1899, II, S, 656. 43 Die braune Farbe findet sich einmal in den Zellresten der durch- schnittenen Zellen, dann aber auch in der ersten bis dritten Schicht der unter der Wündfläche liegenden Zellen. Letztere verlieren nämlich bald nach der Operation ihr lebendes Protoplasma und weisen dann die braune Färbung der Zellwände auf. Dieser Tatbestand ist schon von Schieid en^) gefunden, später von Mohl2) und Strasburger 3) bestätigt worden. Ersterer machte bereits auf die Erscheinung aufmerksam, daß sich die Bräunung nur auf die „sekundären Verdickungsschichten der Zellmembranen be- schränkt, was sich besonders an Spiralgefäßen beobachten läßt", daß dagegen die primäre Zellmembran ungebräunt bleibe. Die Ursache der Bräunung ist, wie bei der Kartoffel, die Ein- wirkung der Luft auf die durch die Operation freigelegten Zellen. Daß wir es nicht mit Kork zu tun haben, lehrt die Behandlung von Schnitten mit Sudan-Glyzerin, wobei die Korkreaktion, Rotfärbung der Membranen, ausbleibt. Was das Verhalten der bei der Operation verwundeten Zellen betrifft, so verweise ich auf die bezüglichen Ausführungen bei der Kartoffel, da die Verhältnisse hier mit jenen genau übereinstimmen. § 2. Pfropfstellen von Dikotyledonen. 1 . Phyllocladien von Epiphyllum truncatum. Bei den isolateral gebauten Phyllocladien von Epiphyllum trun- catum geht die Verwachsung derart vor sich, daß die Mesophyllzellen sich strecken, „voluminöse Hypertrophien bilden", wie Küster^) sagt, in Zellteilung eintreten und so an der Wundfläche einen callusartigen Wulst erzeugen. Dies gilt jedoch nur für das Reis. Die Wundfläche der Unterlage ändert sich zunächst gar nicht, erst wenn der Callus des Reises die braune Schicht, die ihn überzieht, gesprengt und seine Zellen sich mit denen der Unterlage an irgend einer Stelle vereinigt haben, beginnt auch in dieser die vorher nur geringe Zellteilung lebhafter zu werden, und auf der ganzen Wundfläche tritt Verwachsung ein. Sobald die erste Vereinigung von Reis und Unterlage stattgefunden hat, treten im Wundgewebe die von Vöchting^) für die Runkelrübe beschriebenen und später von Simon*') noch eingehender studierten Tracheiden auf (Fig. 14). ») a. a, 0. S. 353 u. f. 2) H. V. Mohl, Über den Vernarbungsprozeß bei der Pflanze, Botanische Zeitung, 7. Jahrgang, 1849, S. 641 u. f. 8) a. a. Ü. *) a. a. 0. S, 94. ^) Vöchting, Transplantation a. a. 0. S. 116. «) a. a. 0. S. 364 u. f. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 44 Dies gilt auch, und damit vervollständige ich die Ergebnisse der genannten Autoren, für das Mesophyll der Flachsprosse von Epiphyllum truncatum. Auf einen Querschnitt, der, lebend erhalten, anfangs nur ein- zelne Tracheiden im Wundgewebe zeigte, sind innerhalb von zwei Monaten noch mehr Tracheiden gebildet worden, deren Querwände zum großen Teile schon re- sorbiert sind. Es sind auf diese Art Ge- ^ *iS X f\ fäßtracheiden entstanden, die sich an die Fig. 14. Enden der durchschnittenen Gefäße an- Auftreten von Tracheiden im lehnen Und SO die Unterbrochene Wasser- Wundgewebe von Epiphyllum igjt^,jj zwischen Unterlage und Reis truncatum. • i i n Wieder herstellen. 2. Pflanzen mit unverholzter Innenzone. Bei der Kopulation von Pflanzen mit unverholzter Innenzone sieht mau nach der Operation zunächst die Bräunung der Wundflächen auf- treten. Unter der braunen Zone beginnt bei einem Reis mit Knospe bald die Ausbildung des Wundcallus, und zwar nicht allein am Cam- bium, sondern auf der ganzen Wundfläche. Dieser wird rasch größer und durchbricht die die völlige Vereinigung von Unterlage und Reis hin- dernde braune Schicht. Eine Resorption dieser Schicht, was Mäule') behauptet, konnte ich niemals beobachten. Inzwischen hat auf dem apikalen Ende der Unterlage eine Callusbildung begonnen. Jedoch ist hier das Wundgewebe viel geringer als beim Reis. Aus den Verwachsungsstadien geht hervor, daß die erste Ver- einigung der Pfröpflinge allein vom Reis ausgeht, daß die Unterlage nur dadurch eine Vereinigung sicherstellt, daß sie nachher auf ihrer Wundfläche eine verhältnismäßig dünne Schicht von Callus ausbildet (Fig. 15). Diesen Tatbestand konnte ich außer an vielen anderen Objekten auch an der Verwachsung von Cereus hystrix auf Opuntia imbricata feststellen. Die beigefügte Darstellung des Querschnittes durch die Vereinigungsstelle (Fig. IG) läßt erkennen, daß der erste Anstoß dazu vom Reis, in unserem Falle also von Cereus hystrix ausgegangen ist. Sein Callus hat die braune, die eigene Wundoberfläche bedeckende Schicht gesprengt, sich durch die Unterlage gleichsam hindurch- gezwängt und den Anschluß mit dem wachstumfähigen Gewebe der Unterlage hergestellt. ') iVläule, Der Fasei'veriauf im Wundholz. Hibliotheca Botanica 1805, Heft 23. 45 Die Stelle, wo die erste Bildung des Wimdgewebes erfolgt, ist sowohl beim Reis als auch bei der Unterlage das teilungsfähige Parenchymgewebe des Holzteils und auch das Cambium. Oft aber bedeckte den Holzteil schon eine dicke Callusschicht, während das Cambium noch keine Zellteilungen aufwies. u Fig. 15. Beginn der Verwachsung* bei Cereus hystrix, R I: Jüngeres Stadium des Reiscallus, R II: älteres Stadium. (Vergr. ungefähr 30.) Fig. 16. Erklärung im Text. Dies konnte ich an vielen Veredlungen beobachten. Aus der großen Anzahl will ich nur einen besonders typischen Fall heraus- greifen. Bruno Kabus. NeueUntersuchungen über Regenerat onsvorgänge bei Pflanzen. 46 Bei Pelargonium zonale ließen sich folgende Stadien feststellen (Fig. 17, I-V): \i. KV y. Fig. 17, I— V. Erlilärung im Text. U = Unterlage; R = Reis. Die Figuren stellen Horizontal- schnitte durch schräge Kopulationen dar. 1. Weder Unterlage noch Reis, zeigen Veränderungen an der Operationsfläche, ausgenommen die Bräunung dieser. 2. Die Operationsfläche der Unterlage wird von einem Wund- gewebe bedeckt, das sich, im Querschnitt betrachtet, von Cambium zu Cambium über den Holzkörper hinweg erstreckt. Beim Reis da- gegen ist nur am Mark Callus nachzuweisen, der aber den der Unter- lage um das Doppelte an Länge übertrifft. 47 3. Während der Callus der Unterlage sich fast über die ganze Operationsfläcbe erstreckt, aber nur schwaches Wachstum zeigt, be- rührt der des Reises bereits jenen. Erst jetzt ist auf Seiten des Reises eine Beteiligung des Cambiums an der Callusbildung bemerkbar. 4. Der Callus von Reis und Unterlage ist verwachsen. 5. Im Wundgewebe setzt die Bildung von Tracheiden ein. Daraus geht hervor, daß bei Kopulationen, die an Pflanzen mit noch teilungsfähigem Markgewebe ausgeführt werden, in erster Linie dieses die Verwachsung bewirkt, und daß das Cambium erst später daran teilnimmt. Aber wie wir im experimentellen Teil gesehen haben, findet keine Verwachsung statt, wenn dem Reis die Knospe fehlt. Es ist also für das Zustandekommen einer Verwachsung das Vorhandensein einer Knospe am Reis von ebenso großer Bedeutung wie das von wachstum- fähigem Gewebe am Reis und Unterlage. 3. Pflanzen mit verholztem Zentralzylinder. Wachstumfähiges Gewebe ist bei krautigen Pflanzen sowohl Mark als auch Cambium und Rinde. Bei den Holzpflanzen dagegen ist das Cambium wachstumfähig, das Holz nicht. Wenn nun Ohmann^), sich besonders auf die Angaben von Herse^) stützend, behauptet, daß die Callusbildung in erster Linie vom Cambium aus erfolgt, so ist dies cum grano salis zu verstehen. Seine Untersuchungen beziehen sich nämlich vorwiegend auf die Ver- wachsung an holzigen Orgauen, weniger auf die an krautigen. Für jene treffen seine Angaben zu, sie sind aber nicht als eine allgemeine, sich auf die Verwachsung bei allen Pflanzen beziehende Regel anzu- sehen. Eine solche ist allein die eben zitierte von Vöchting zuerst gefundene These. 4. Verwachsung bei Objekten mit Knospe. Wir haben gesehen, daß die ganze Wundfläche gebräunt ist. Diese wird von dem Callus des Reises zuerst durchbrochen und damit die primäre Vereinigung von Reis und Unterlage bewirkt. Die Calluswucherung geht weiterhin auf der ganzen Schnittfläche nicht immer gleichmäßig vor sich ; es sind einige Stellen ohne er- kennbaren Grund bevorzugt, so daß an mehreren Punkten die ge- bräunte Schicht durchbrochen und au der Verwachsungsfläche fest- gehalten wird. Diesen Vorgang konnte man besonders gut bei allen ») a. a. 0. S. 1 u. 2. 2) Herse, Über den Verwachsungsprozeß bei der Veredlung der Obstbäume. Geisenheiuier Mitteilungen über Gartenbau 1907. Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 48 Cactaceen (Fig. 18 u. 19) und auch bei Pelargonium zonale var. Meteor beobachten (Fig. 20). Bei den Cacteen, vor allem bei Epiphyllum truucatum, hatte ich Gelegenheit, noch eine zweite Art des sekundären Verwachsungs- vorganges zu studieren. Hier wurde die braune Schicht vom Reise aus zuerst durchbrochen, dann von der Mitte aus nach beiden Seiten mehr und mehr herausgedrängt, bis sie nach vollendeter Verwachsung Fig. 18 u. 19. Durchschnitt durch die Yerwachsungszone von Pilocereus sublatus auf Mammillaria mciacantha. einfach seitlich abgestoßen wurde, ohne daß ein liest von ihr übrig bheb. Nur an den voluminösen Zellen und den bedeutend größeren Interzellularen, schließlich an dem plötzlichen Aufhören der Gefäße konnte man die genaue Grenze zwischen Mesophyll und dem Wund- gewebe feststellen. 5. Verhalten von Objekten ohne Knospe. Alle bisherigen Ergebnisse bezogen sich auf Pflanzen mit Knospen. Bei ihnen wurde eine Verwachsung vom Reis aus eingeleitet. Anders lagen die Verhältnisse, sobald ich vom Reis alle Knospen entfernt 49 hatte. Auf der Wundfläche der Unterlage und auch auf der des Reises wurde Callus ausgebildet, freilich nur in ganz beschränktem Maße. Beim Reise hörte bald die Bildung von Wundgewebe vollständig auf, und innerhalb kurzer Zeit war durch einen Verwesungsprozeß, der, vom Marke des Reises ausgehend, auf die übrigen Gewebe übergriff, das ganze Reis vernichtet. Oft wurde auch die Unterlage infiziert, die dann jedoch nur bis zum uächsttieferen, unter der Veredlungs- stelle liegenden luteruodium abstarb. Fig. 20. Durchschnitt durch die Verwachsungszone von Pelargonium zonale var, Meteor, Daraus folgt, daß allein die Knospe die zur Verwachsung nötige kräftige Callusbildung bewirkt und damit die endgültige Vereinigung von Reis und Unterlage sicherstellt. 6. Verhalten der Objekte mit eingesetztem Mittelstück. Ebenso gering, wie bei den Objekten ohne Knospe, war die Callusbildung auf den Mittelstücken, die sowohl bei Pelargonium zonale var. Meteor als auch bei Bryphyllum calycinum zwischen Reis und Unterlage eingeschaltet wurden. Erst wenn das Reis mit Knospe an dem Mittelstück angewachsen war, vereinigte sich dessen Callus mit dem der Unterlage. Hatte das Reis aber keine Knospe, dann fand keine Vereinigung der drei Teile statt, sondern sie verhielten sich so, wie es oben für die knospenlosen Objekte geschildert worden ist. Dadurch ist der bestimmende Einfluß der Knospe bei der Ver- wachsung von Reis, Mittelstück und Unterlage bewiesen. Beiträge zur Uiologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft I. 4 Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 50 § 3. Pfropfstelleu von Monokotyledonen. Von den eben geschilderten Verwacbsuugsverhältnissen bei Diko- tyledonen weichen die der Monokotyledonen nur wenig ab (Fig. 21). Die Wundoberfläche bräunt sich; darunter wird häufig, jedoch nicht immer ein Meristem ausgebildet, das die Vereinigung von Reis und Unterlage bewirkt (Fig. 22). Fig. 21. Pfropfstelle von Callisia. Fig. 22. Verwachsung von Callisia auf Tradescantia. Es können aber auch, und dies ist der weit häufigere Fall, ein- zelne der unter der braunen Schicht liegenden Zellen so ihr Volumen 51 vergrößern 1), daß die gebräunte Schicht schließlich gesprengt und die Vereinigung von Reis und Unterlage hergestellt wird (Fig. 23). Das Vorherstehende bezieht sich nur auf Veredlungen, wo das Reis mit Knospe versehen war. Fehlte diese, so war weder die Bildung eines Meristems noch die Streckung der Zelle wahrzunehmen. Fig. 23. Erklärung im Text. Daraus ergibt sich, daß auch bei Monokotyledonen eine Ver- wachsung 1. nicht unmöglich ist, weil ihr Grundgewebe teilungsfähig und wachstumsfähig ist; 2. abhängt von der aufgepfropften Knospe. Fassen wir das Ergebnis der Untersuchung noch einmal zu- sammen, so ist hervorzuheben: I. 1. Bei der Kartoffel ist die Korkbildung an den Wundflächen eine Folge des Luftzutritts, im Speziellen des in der Luft enthaltenen Sauerstoffs. 2. a. Der an der Schnittfläche gebildete Zucker wird teils ab- geleitet, teils zum Aufbau des Wundperiderms verwendet, b. Die Einwirkung der Luft allein gibt den Anstoß zur Ver- zuckerung der Stärke. 3. Durch Berührung mit der Luft tritt die Bräunung in den durch- schnittenen Zellen auf. 1) Ähnliches berichtet auch E. Küster a. a. 0. S. 94 u. f. und S. 157. 4* Bruno Kabus. Neue Untersuchungen über Regenerationsvorgänge bei Pflanzen. 52 4. Das Zusammeuwachsen zweier Kartoffeln ist zwar nicht durch das Vorhandensein der Knospe bedingt, es wird aber durch vorhandene Augen wesentlich beschleunigt. 5. Niedrige Temperatur vermag selbst bei Objekten mit Knospen das Zusammenwachsen zu verhindern. 6. Die Gefäßbündel sind für das Eintreten einer Verwachsung bei Solanum tuberosum bestimmend. II. 7. Auch bei Dahlia variabilis, Sauromatum guttatum und Bous- singaultia baselloides ist die Verwachsung unabhängig von der Knospe. 8. Bei oberirdischen Organen dagegen ist das Vorhandensein einer Knospe am Pfropfreis durchaus notwendig zur Ver- wachsung. 9. Junge, noch im "Wachstum begriffene Blätter können an Stelle von Vegetationspunkten das Anwachsen des Pfropfreises be- wirken; 8. und 9. können wir zusammenfassen: Der bestimmende Einfluß embryonaler Gewebe auf das An- wachsen der Reiser bei oberirdischen Stammorganen ist un- verkennbar. 10. Der erste Anstoß zur Vereinigung der Pfröpflinge geht bei oberirdischen Organen vom Reis aus. 1 1 . Bei Monokotyledonen ist die Verwachsung a) möglich, soweit ihr Grundgewebe teilungsfähig ist; b) abhängig von dem Vorhandensein eines Vegetationspunktes am Pfropfreis. über die im Pflanzengewebe nach Verletzungen auftretende Wundwärme. Von Harry Tiessen. (Mit Tafel I, H.) Ä. Einführung. In den „Verhandlungen der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig" befindet sich im Jahre 1896 IV. Bd. S. 384—89 ein kurzer Bericht W. Pfeffers über Untersuchungen von H. M. Richards aus dem botanischen Institute zu Leipzig, welche sich mit der Steigerung der Atmung und mit der Wärme- produktion nach Verletzung von Pflanzengeweben beschäftigen. Die Originalarbeiten selbst sind in den „Annais of Botany" erschienen: 1896 „The respiration of Wouuded Plants" ; 1897: „The Evolution of Heat by Wounded Plauts." In der ersten Arbeit stützt Richards durch zahlreiche Experimente die bereits von Boehm 1887 und Stich 1891 konstatierte Tatsache, daß nach Verletzung von Pflanzen die Kohlensäureabgabe, folglich» wie er schlechthin annimmt, die Atmung wesentlich gesteigert wird. In der zweiten Arbeit weist er nach, daß Verletzungen im Pflanzen- gewebe mit erhöhter Lebenstätigkeit eine Temperaturzunahme her- vorrufen. Die Arbeit begnügt sich mit einer Feststellung des Effektes und erklärt ihn lediglich aus erhöhter Atmung. Da es möglich ist, diese Versuche unter größeren Vorsichtsmaß- regeln und beim Fortschritt der Hilfsmittel mit einer verfeinerten Apparatur auszuführen, beauftragte mich Herr Professor Dr. Mez, über diese Erscheinung zu arbeiten. Für das liebenswürdige und fördernde Interesse, das Herr Pro- fessor Dr. C. Mez meiner Arbeit stets entgegenbrachte, bin ich ihm zu großem Danke verpflichtet. Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanxengewebe. 54 B. I. Die Erscheinung der Wundwärme. a) Versuchsanordnung und Resultate von Richards. Im Jahre 1887 ist zum erstenmale von Boehm^) der Nachweis geliefert worden, daß Verletzungen von Pflanzen eine erhöhte Atmung tuY Folge haben, und daß dieselbe lediglich durch den Wundreiz und nicht etwa durch erleichterte Sauerstotfzufuhr bedingt wird. Später ist diese Frage von Stich 2) und in der vorher genannten Arbeit von Richards untersucht, welche beide die Richtigkeit der Boehmschen Versuche und ihrer Deutung bestätigen. Alle drei Autoren sind sich darüber einig, daß durch Verletzungen die Pflanze in einen Zustand erhöhter Lebenstätigkeit versetzt wird. Auf die Möglichkeit, daß mit der Steigerung der Lebensfunktionen auch die Wärmeproduktion, und zwar vorwiegend in der Nähe der Verletzungsstelle, zunimmt, hat zum erstenmale Pfeffer 3) in seinen „Studien zur Energetik der Pflanzen" hingewiesen. Dieser Gedanke liegt der Ri chardsschen Arbeit (97) zugrunde, in welcher er tatsächlich eine Wärmeentwicklung im Pflanzengewebe nach Verletzungen feststellt. Es gelingt ihm dies auf zwei Wegen. Die eine Methode, die in roher Weise den Effekt veranschaulicht, besteht darin, daß er zwei Glasglocken, die mit einer gegen äußere Einflüsse schützenden Baum- wollschicht umgeben sind, mit Kartoffeln (5— 600gr) anfüllt; nachdem Temperaturgleichheit eingetreten ist, werden die Kartoffeln in der einen Glasglocke in 2 bis 6 Stücke zerschnitten. Die sukzessiven Ablesungen der Thermometer beider Glocken ergeben dann eine Tem- peraturerhöhung in dem Gefäß mit den verletzten Kartoffeln. Für Absorption der produzierten Kohlensäure durch Kalilauge war ebenso gesorgt wie für Zufuhr frischen Sauerstoffes. Es ist klar, daß diese Versuchsanordnung, mit welcher auch nur die geringere Anzahl von Experimenten ausgeführt wurde, keinen Anspruch auf präzise Re- sultate erheben kann. Immerhin konnte Richards die Temperatur- zunahrae in Kurven aufzeichnen, und es ergab sich, daß ihr Maximum, welches bei den verschiedenen Objekten zwischen P und 3,5^ C. schwankt, nach zirka 24 Stunden eintritt. Danach fällt die Kurve in 2 bis 3 Tagen bis zur Nullage ab. Die Höhe der produzierten Wärme (1 — 3®) ist bei Verwendung von 20 bis 30 Objekten zu gleicher Zeit nicht auffallend. Die zweite Möglichkeit zur Demonstration des Temperaturanstiegs nach Verletzungen ist durch die Verwendung von Thermonadeln ge- ') Bot. Zeitung 1887 S. 68f5, Bot. Zentralblatt I8S2 Bd. 2 S. 900 ff. 2) Flora 1891. ») Abhandl. der Kgl. Sachs. Ges. der VViss. Leipzigi Bd. XVIII S. 201, Fußnote 2. 55 geben. Die Vorzüge dieser Methode bestehen darin, daß es möglich ist, an einzelnen Objekten subtile Temperaturveränderungen nach- zuweisen. Noch bedeutender ist der bei Anwendung dieser Methode sich ergebende Vorteil, daß das untersuchte Objekt, für sich allein beobachtet, all den Fehlerquellen entzogen ist, die mit der Anhäufung von zersetzlicher Masse gegeben sind. Insbesondere sei darauf hin- gewiesen, daß bei solcher Anhäufung mit lebhafter Kohlensäure- und Wärmeproduktion verbundene, durch Mikroorganismen hervorgerufene Zersetzungserscheinungen möglich und keineswegs selten sind. Daß das elektrische Meßverfahren bereits 1838 zum erstenmale von A. van Beck und C. A. Bergsma^) und später öfters zu ähnlichen Zwecken eingeseh lagen wurde, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Richards benutzte für seine Untersuchungen Thermonadeln der Ver- bindung: Eisen — Neusilber, deren zusammengelötete Spitzen in löflfel- artiger Form zu einer Breite von 6 mm ausgeklopft wurden, da sich spitze Thermoelemente leicht aus dem Gewebe befreiten. Die freien Enden der Thermonadeln waren durch Klemmschrauben mit den Kupferdrähten des Galvanometers verbunden. Das verwendete Strom- meßinstrument war ein Nadelgalvanometer mit Spiegel und Fernrohr- ablesung. Die Untersuchungen an den Objekten selbst wurden in einer wasserdampfgesättigten Atmosphäre ausgeführt, doch ist in der Arbeit nichts Näheres über die Größe oder die Beschaffenheit des gegen die Umgebung abgeschlossenen Untersuchungsraumes gesagt. In die Objekte hinein wurde sodann ein Schnitt gemacht und „in die Basis des so entstandeneu Schnittspaltes die Thermonadel eingeführt". Mit diesen Hilfsmitteln erhielt Richards Temperaturkurven, die nach etwa 24 Stunden ihr Maximum aufwiesen und im Verlauf von zwei Tagen abfielen. Auf eine eingehende kritische Besprechung der vorherbeschrie- benen Methode und ihrer Einzelheiten kommt Verfasser nach Angabe seiner eigenen Versuchsanordnung und der mit ihr erzielten Resultate später zurück. b) Eigene Methode; die mit ihr ausgeführten Versuche und deren Ergebnis. Elektrische Apparatur. Sämtliche Versuche über Wundwärme wurden in dem mit nur einer isolierten Tür versehenen, sonst von massiven Mauern umgebenen Dunkelraum des botanischen Instituts zu Königsberg i. Fr. ausgeführt. Dieser Raum, dessen Größe (1,40 • 3,35 • 4,0 ra) und Einrichtung in ^) Observations therrao - electriques sur reievation de la temper. d. fleurs. Utrecht. Harry Tiessen. Über Wiindwärme im Pflanzengewebe. 56 jeder Hinsicht für die Experimente gentigte, wurde gewählt, um die Untersuchungen in einer Umgebung auszuführen, deren Temperatur möglichst konstant blieb. In der Tat änderte sich die Temperatur in dem maximalen Falle eines Experimentes von 50 Stunden Dauer um 0,8° (fallend), eine Änderung, die wegen der noch besonders au- gebrachten starken Wärmeisolation der Apparatur belanglos war. Auch die Lage des Dunkelraums in dem Flügel des Instituts, welcher verhältnismäßig wenig begangene Herbarräume enthält, begünstigte die Versuche insofern, als das Galvanometer nur selten schwachen Erschütterungen ausgesetzt war. Schließlich war dies der einzige Kaum, der vor Insolation und schwankender Lichtintensität absolut geschützt war. o.) Galvanometer. Als Strom meßinstrument wurde ein Drehspulgalvanometer von Siemens und Halske benutzt, das auf einer in die Wand eingelasseneu Konsole stand. Da diese Galvanometer gegen störende magnetische Einflüsse praktisch völlig unempfindlich sind, können Nullpunkts- verlagernngen nur eintreten, wenn der Aufhängefaden einer zu starken Torsion ausgesetzt oder das Galvanometer vorwiegend in einer Aus- schlagsrichtung beansprucht wird. Das geschah bei den vorliegenden Messungen nicht, da die Skala nur in sehr geringer Ausdehnung be- spielt wurde. Um die Empfindlichkeit zu vergrößern, wurde für die Dauer der Untersuchungen der innere Widerstand ausgeschaltet. Dem Galvanometer gegenüber in einer Entfernung von 1 Meter stand auf einer zweiten Konsole der Apparat, welcher die Skala und den beleuchteten Spalt trug, dessen Bild durch eine Linse auf dem Galvanometerspiegel entworfen und von dort zur Skala reflektiert wurde. Vom Galvanometer führten über Isolierkuöpfe zwei Kupfer- drähte zu einem Hebelkontakt, der sich aber für meine Versuche als unbrauchbar erwies, da die Öffnungs- und Schließungsströme einen Ausschlag bis zu 5 Skt (Skalenteilen) hervorriefen. Da man ferner an den Kontaktstellen der Kupferdrähte mit den Messingklemmen des Galvanometers eine thermoempfindliche Verbindung hat, und schon die Annäherung der warmen Hand an eine dieser Kontaktstellen in dem geschlossenen Kreise, Kontakt — Galvanometer, einen nicht un- beträchtlichen Thermostrom hervorruft, mußte das Galvanometer gegen Wärraeeinflüsse geschützt werden. Es geschah dies dadurch, daß das ganze Galvanometer mit einer dicken Watteschicht umwickelt und dann mit einer Kiste überstülpt wurde, welche nur ein größeres Loch für das Lichtbündel und zwei kleinere für die Zulcitungsdrähte aufwies. 57 ß) Der Hg-Kontakt und die Thermonadeln. Da sich ein Metallhebelkontakt als unbrauchbar erwiesen hatte, andererseits beim Eintauchen der amalgamierten Kupferdrahtenden in reines Hg sich ein kaum meßbarer Ausschlag von nicht ganz 0,25 Skt zeigte, erschien die Anwendung eines Quecksilberkontaktes am geeignetsten. Da aber auch die Verbindung von Hg mit amal- gamierten Drahtenden thermoempfindlich ist, mußte das Quecksilber möglichst vor Temperaturänderungen geschützt werden. Es wurden daher zwei Gefäße folgender Anordnung hergestellt : Q/(oicLdL I ig/ftA ^%0^ Zwischen zwei Glasgefäßen A und B befindet sich als wärme- isolierende Schicht Paraffin und in dem innersten Glasgefäß Queck- silber. Das Glasgefäß B ist außerdem mit einem Kork verschlossen, der zwei Löcher für die zugeführten Drahtenden enthält. Es wurde darauf die Eichung der Thermonadel Kupfer-Konstantan vorgenommen, die ich zu den Vorversuchen gebrauchen wollte. Da sich aber ihre Empfindlichkeit nur auf 0,0097*^ pro Skt herausstellte, — das ist etwa Vioo^ — schien es angebrachter, eine Nadel von größerer Empfindlichkeit zu benutzen. Ich stellte mir dalier eine Thermonadel aus Eisen und Konstantandraht zusammen , eine Ver- bindung, welche den größten thermoelektrischen Effekt aufweist. Harry Tiessen. Über Wundwärine im Pflanzengewebe, 58 1 VS !*5> S e/fvv(.(hu aoteX J I l<^Q/) Vergrößerte Thernionadel. Die Lötstellen, an welchen der 0,5 mm dicke Konstantandraht um den sehr wenig stärkeren Eisendraht herumgeführt war, wurden mit einer dünnen Schicht von Mastixfirnis überzogen, die öfters er- neuert wurde. In dieser schraubeuzieherartigen Verbindung saßen die Nadeln im Pflanzengewebe fest darin, ohne sich zu lockern oder gar herauszugleiten. Zur genügenden Isolierung wurde, wie es die Abbildung zeigt, der Eisendraht durch Glasröhrchen geführt, deren offene Enden mit einem breiten King aus Siegellack umgeben und verschlossen waren. Der starke Siegellacküberzug schützte die Drähte vor einer Berührung mit den warmen Händen. Darauf wurde eine Eichung dieser bedeutend empfindlicheren Nadel vorgenommen, die aber nach einer größeren Keihe von Beobachtungen zu unregelmäßigen Resultaten und einer diskontinuierlichen Empfindlichkeitskurve fühlten. 59 Die Ursache konnte einmal in ganz geringen Temperaturdiffe- renzen liegen; denn in der Eichimgsschaltung: Nadel — Hg -Kontakt — Galvanometer hat man es praktisch mit drei thermoeffektiven Metall- verbindungen zu tun : 1) am Galvanometer Messing- /' TI^-— -— -ZT^^ klemmen - Kupfer \\ hlOri ^'^■ 2) an beiden Hg- Kontakten: 1 | HH 3, H^-^" IL 2H5J,W^ am Thermoelement selbst. ^'^^^^ Sobald irgend eine dieser Verbindungen gegen eine andere auch nur um Zehntelgrade in der Temperatur verschoben ist, zeigt das Galvanometer durch störende Ausschläge diese Unstimmigkeit au. Am nächsten lag daher die Möglichkeit, daß in der Verwendung Zweier Hg -Kontakte in getrennten Gefäßen ein Temperatur- fehler liegen könnte. Es mußte daher der Quecksilberschalter in einem einzigen Gefäß untergebracht werden, was in folgender Weise geschah. Zwei U- Röhren waren, wie es die folgenden Figuren zeigen, parallel miteinander verschmolzen, ohne untereinander in Kommuni- kation zu stehen. Sie waren mit Hg gefüllt und wurden als Kontakt gebraucht, wie die Skizze es erläutert. cH^: x2 — 12579 a Ix n^n = = 22236 1-^579 - l,ö; a_ - 1,8 ^^J ^n Aus den korrigierten Empfindlichkeitsmessungen für die Thermo- nadel Eisen-Konstantan ergibt sich ebenso wie aus den unkorrigierten: E = 0,0055" C pro Skalenteil oder 1 Skt = 55» = 1" C lOüOü 182 Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 64 Scbließlicb möge hier noch dia Schaltskizze folgen, die für die Experimente unentbehrlich ist: I. a ly Hc^^^JU Skala ['•■■[■',,|.-"^|M.|l...|....| Lötstelle a kälter als b. Lötstelle a wärmer als b. II. Hqc^cnJcW^ Skala |m..|„'.|-.(.-"4)m..|.„,|...,|„..| Lötstelle a wärmer als b. Lötstelle a kälter als b. Eine zweite Tbermonadel, die im Verlaufe der Untersuchung er- forderlich wurde, stellte ich ebenfalls aus Eisen-Konstantan her. Die Eichung, welche in derselben Weise vorgenommen wurde, wie es vorher beschrieben ist, ergab eine Empfindlichkeit E = 0,00547", so daß auch diese zweite Nadel die Empfindlichkeit E = 0,0055 C. pro Skt besitzt. o) Einrichtung der Versuchsglasglocke. Für die Untersuchungen selbst ist eine mit Wasserdampf gesättigte Atmosphäre unbedingt notwendig. Es müssen die Versuche daher in einem abgegrenzten Ivunm vorgeuummen werden, dessen Lull man 65 auf den praktisch erreichbaren Grad von Sättigung mit Wasserdampf bringen kann. Zu diesem Zwecke wurde folgender Apparat nach Angabe des Verfassers aus Glas angefertigt: Querschnitt durch die Versuchs-Glasglocke, ^^lo der natürlichen Größe. Auf einer angeschliffenen Glasplatte R ruht eine fünffach tubu- lierte Glasglocke G. Von diesen Tuben dienen die beiden oberen (Ti T2) zur Einführung von Thermometern. Die seitlichen Tuben (Tg T^) enthalten in zwei Glasröhren die Ableituugsdrähte der Thermo- nadel, während der fünfte Tubus, welcher in der Figur außerhalb der Zeichnungsebene auf der Vorderseite der Glasglocke liegt, größer als die übrigen ist und zur Einführung des zum Schneiden dienenden Mikrotommessers M dient. Dieser Tubus ist hinsichtlich seiner Lage zum Untersuchungsobjekt in der Figur durch den Kreis T5 dar- gestellt. Innerhalb der Glocke, auf der Glasscheibe R, befindet sich eine Schale S, welche das zur Verdunstung bestimmte Wasser enthält. Bedeckt wird diese Schale von einer mit 70 Löchern versehenen Glas- Beiträge zur Biologie der POanzen, Bd. XI. Heft I. 5 Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 66 platte P. auf welcher die Veisucbsobjekte liegen. Es kann also durch die große Anzahl der Löcher eine unbehinderte Verdunstung stattfinden. Bei den ersten Versuchen stellte es sich heraus, daß es nötig war, für eine schnellere Sättigung der Luft mit "Wasserdampf zu sorgen. Es wurde daher die Glasglocke mit feuchtem Fließpapier ausgekleidet, später aber aus praktischen Gründen ein Wattehelm konstruiert. Zwischen zwei großmaschige Drahtgitter D^ und D., war eine zirka 1,5 cm starke Watteschicht gelegt, die mit Wasser getränkt wurde. Dieser Wattehelm führte bis auf die Breite des Tubus T5 um das ganze innere Lumen der Glocke. Für einen luftdichten Abschluß der Glocke gegen die äußere Umgebung war hinlänglich gesorgt. Die Tuben 1 bis 4 waren mit Gummistopfen verschlossen und über den Tubus 5, wie es folgende Figur zeigt, eine Gummihaube in Gestalt eines großen Fingerlings übergezogen, in welcher der Stiel des Operationsmessers lag. (Xl Der Glockenrand, welcher auf die Platte R aufsetzt, wurde mit Exsiccatorfett eingerieben. Nur an den beiden Stellen E, wo die Glasröhre mit dem Draht der Thermonadel die Gummistopfen der beiden Tuben T5 und T^ durchsetzt, blieben die Glasröhren bei einigen Versuchen unverschlossen, um für die nötige Sauerstoffzufuhr zu sorgen. Über die offenen Enden der 3 mm im Durchmesser starken Glasröhren war angefeuchtete Watte gelegt, um die event. einströmende Luft schon mit Feuchtigkeit zu beladen. b< e) Orientierende Versuche. (Xo. 1 — 5. 7, 8.) Die ersten Versuche mußten bei den empfindlichen Hilfsmitteln lediglich dazu dienen, Fehlerquellen, die außerhalb der Apparatur liegen, aufzudecken, um die Bedingungen zu präzisieren, unter welchen der reine Wundwärmeeffekt durch die Xadeln registriert wird. Selbstverständlich müssen die Versuche in einer mit "Wasserdampf gesättigten Atmosphäre vorgenommen werden; denn sonst würde durch den infolge der Ver- letzung austretenden Zellsaft ein Verdunstungs- Wärmeverlust hervor- gerufen, welcher den gesuchten Wärmeeffekt verschleiern würde. Das Volumen der zu den Experimenten benutzten Glasglocke beträgt über der Glasplatte P 6840 cm^, wovon gegen 800 cm^ für den Wattehelm abgehen. Die restierenden 6000 cm^ müssen nach den Untersuchungen von Winkelmann über Gasdiffusion durch- einander im Verlauf weniger Stunden mit Wasserdampf gesättigt sein. Nun standen sämtliche Versuchsanordnungeu vor dem Schneiden fertig geschaltet und abgedichtet 15—44 Stunden, um Temperatur- ausgleich und Xullage zu erzielen. In dieser Zeit ist natürlich auch eine Sättigung mit Wasserdampf erreicht, was sich schon äußerlich dadurch bemerkbar machte, daß die Glocke innen stark beschlagen und mit Wassertropfen behaftet war. Schwankungen des Sättigungsgrades — also Fehlerquellen — können nur bei größeren Temperaturdiflerenzen im Innern der Glocke auftreten. Sie betrugen in der Tat 0.06^ bis 0,47°, im Falle eines 50stüudigen Versuchs 0,8° fallend — , rufen also keinen wesentlichen Fehler hervor; denn es wird sofort beim Sinken des Sättigungs- koeffizienten aus dem in der Schale vorhandenen Wasser wieder der Bedarf an Wasserdampf zur Sättigung bezogen. Die weiteren Fehler- quellen förderten die ersten Versuche zutage. Versuch I (Kartoffel) dauerte 16 Stunden nach dem Schnitt und ergab eine Kurve, die sich durch einen unregelmäßigen Gang und zwei kurze nacheinander auftretende maximaleErhebungen auszeichnete. Während des ganzen Versuchs brannte sowohl die Gasflamme wie die Petroleumlampe, welche den Spalt beleuchtete; auch war der Beobachter fast ständig im Versuchsraum anwesend. Das mußte natürlich eine Temperaturerhöhung im ganzen Raum zur Folge haben, die von den Thermometern im Zimmer und im Glockeninnern zu 2.5 <^ registriert wurden. Daß eine solche Temperaturerhöhung Unregel- mäßigkeiten im Kurvengang hervorruft, geht schon daraus hervor, daß das in Watte verpackte Galvanometer nicht so schnell den Tem- peraturäuderungen folgt, wie die Glasglocke und der Hg -Kontakt. Ferner bestätigten Versuch II — V diese Fehlerquelle. Im Versuch II (Kartoffel) brannte nur am Anfang und am Schluß des 33 stündigen Experimentes die Gasflamme. Die Kurve zeigt daher a» Harry Tiessen. Über Wimdwärme im Pflanzengewebe. 68 zwischen der 2. und 30. Stunde einen ziemlieh gleichmäßigen und ruhigen Gang, während zu Beginn und Schluß ganz erhebliche Un- regelmäßigkeiten auftraten. Das wies auf eine zweite und bei weitem größere Fehlerquelle hin. Bedeutend mehr nämlich als die Temperaturerhöhung des Baumes an sich ruft die Bestrahlung des Versuchsobjektes mit intensivem Licht starke Unregelmäßigkeiten im Kurvengang hervor, da die Thermo- nadeln die vom Gaslicht herrührenden Wärmestrahlen äußerst schnell registrieren. Die Nadel im geschnittenen Objekt tut dies in viel höherem Maße als die im ungeschnittenen; denn erstere bedeckt auf der einen Seite nur ein Zeilschichtenkomplex von 3 — 8 mm Dicke, während die zweite allseitig von Gewebe umgeben ist. Will man also den reinen Wundwärmeeffekt durch die Nadeln messen, so ist es nötig, die Versuche in einem absolut dunklen Raum aus- zuführen. Jedes Licht — insonderheit eine schwankende Licht- intensität, wie es bei Versuchen in diffusem Tageslicht der Fall wäre — würden die Messungen illusorisch machen. Andererseits liegt in dem völligen Mangel an Licht keine Fehlerquelle. Hatten die ersten Versuche gezeigt, daß die Gasflamme nicht benutzt werden darf, so erwiesen die weiteren (III — V), daß auch die im Beleuchtungsapparat brennende Petroleumlampe zu entfernen nötig war. Daher wurde an ihrer Stelle eine größere elektrische Taschenlampe benutzt, die nur im Augenblick der Ablesung Spalt und Skala beleuchtete. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch die längere Anwesenheit des Beobachters im Dunkelraum nicht ohne Ein- fluß auf die Apparatur bleibt, was ebenfalls nachgewiesen werden konnte. Nachdem durch die ersten Versuche die Bedingungen für m. E. ein- wandsfreie Experimente gegeben waren, konnte mit den systematischen Versuchen über Wund wärme begonnen werden. Als Versuchsobjekte dienten: Knollen von Solanum tuberosum, Früchte von Pirus malus und Wurzeln von Daucus Carota, Raphanus sativus und Brassica rapa. C) Versuchsausführung. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei hier der Gang eines Experimentes angegeben. Es wurden zwei Exemplare eines Ver- suchsobjektes ausgewählt und zwei bis drei Tage zur Annahme gleicher Temperatur im Dunkelraum liegen gelassen. Nachdem die Schale S zu */5 ihres Volumens mit Wasser von zirka 25® C. gefüllt und der Wattehelm mit Wasser derselben Temperatur durchtränkt war, wurde mittels kleiner Holzstäbchen das Versuchsobjekt auf der durchlöcherten Glasplatte P befestigt, während das Vergleichsobjekt lose auf derselben lag. Die Befestigung des ersteren diente lediglich dazu, dem Objekt 69 im Augenblick des Schneidens eine feste Stütze zu gewähren. Über die Anordnung wurde von einer zweiten Person vorsichtig die Glas- glocke mit dem Wattehelm gestülpt, während der Verfasser selbst die beiden Nadeln zirka 1 cm tief in die Objekte einführte. Hierauf wurde in den großen Tubus (Tg) das Operationsmesser gelegt und derselbe mit einer Gummihaube überzogen. Nachdem der Nullpunkt der Skala eingestellt und der Glockenrand H mit Exsiccatorfett eingeschmiert war, wurden die freien Enden der Thermonadelu in den Hg-Kontakt eingeführt. Darauf wurde die ganze Anordnung in den einzelnen Fällen 15—44 Stunden ruhig stehen gelassen, so daß ein gänzlicher Temperaturausgleich und eine genügende Verdunstung stattfinden konnte. Die Nullage war in den meisten Fällen schon nach zwölf Stunden eingetreten, doch blieb die Anordnung stets länger stehen, um die Konstanz der Galvanometerstellung zu beobachten. Nachdem die Temperaturen im Innern der Glocke und im Zimmer abgelesen waren, wurde — beim Lichte der elektrischen Taschenlampe — ein Schnitt in variierender Nähe (2— 8 mm) der Nadel geführt, und zwar so, daß ein Stück des Objektes glatt abgeschnitten wurde. Unmittelbar danach wurde die erste Ablesung, nach einer Minute die folgende, nach drei Minuten die dritte, nach fünf Minuten die vierte und weiter bis zur Überschreitung des Maximums alle fünf Minuten Ablesungen gemacht. Nach dem Maximum wurde alle 10 — 20 Minuten abgelesen und bei Dauerversuchen während des äußerst langsamen Abfallens alle 30 — 60 Minuten. War bei den Dauerversuchen wieder die Nul- lage eingetreten, so wurde noch einige Stunden gewartet, ob die Nullage konstant blieb, und dann erst der Versuch auseinander- genommen, um die Entfernung der Schnittflächen von der Nadel, die Größe der Schnittflächen und die Tiefe des Einstiches zu bestimmen. Bei längeren Versuchen wurden alle 6 — 8 Stunden die Temperaturen kontrolliert und am Schlüsse die Versuchsobjekte mit Hilfe der Sudan- reaktion einer Prüfung auf Korkbildung unterzogen. rj Variierende Ruhelage. Mit Versuch VI sollte die Reihe der Experimente über die Dauer und Größe der Wundwärme beginnen. Nachdem zuvor die gesamte Leitung geprüft und in Ordnung gefunden war, wurde der Versuch VI mit zwei Karotten angesetzt. Am nächsten Morgen stand das Gal- vanometer auf — 5,8 und diese konstante Lage behielt es während des ganzen Tages und des folgenden Vormittages bei. Da diese Ab- weichung von der Nulllage nach wiederholten Versuchen nicht auf Fehler der Anlage zurückzuführnn war, lag bei der sehr hohen Em- pfindlichkeit der Thermoelemente (1 Skt = 0,0055*^!) die Vermutung nahe, diesen Temperaturunterschied in individuellen Differenzen der Harry Tiessen. Über Wundwarme im Pflanzengewebe. 70 Versuchsobjekte zu suchen. Zur Feststellung derartiger Differenzen, welche bei gleichen äußeren Bedingungen in verschiedenen inneren Zuständen zu suchen wären, wurden einmal Versuche mit zwei ver- schiedenen Objekten ausgeführt. Sodann wurden einzelne Objekte wie Kartoffeln und Äpfel halbiert und nach Neubildung einer Wund- korkschicht (2 — 3 Tage) beide Hälften als getrennte Objekte behandelt. Während bei den verschiedenen Objekten niemals absolute Nulllage eintrat und sich die Abweichungen von derselben zwischen 0,3 und 3,8 auf beiden Seiten bewegten (in zwei extremen Fällen 5,8 [VI] 6,6 [XXj), zeigte sich bei den halbierten Objekten stets die erwartete Nullage. Diese Erscheinung ist, soweit Verfasser unterrichtet ist, von ihm in der vorliegenden Arbeit zum erstenmal beobachtet. Richards, dessen Nadel nur ^/^^ der hier angewandten Empfindlichkeit besaß, kannte diese Tatsache nicht, was aus seinen Worten hervorgeht: „die unter denselben Bedingungen gehaltenen Pflanzen variierten niemals in irgend einem bemerkbaren Maße an Temperatur in dem un- verletzten Zustand." Dagegen hat Richards eine Temperaturdifferenz zwischen lebenden und toten Objekten konstatiert, welche durch die höhere Temperatur des lebenden Objektes hervorgerufen wurde. Es folgt die Tabelle der hierüber angestellten Untersuchungen. 1. Zwei verschiedene Objekte. Objekt Galvanometer 2 Kartoffeln (vorjährig) — 2,8 2 Kartoffehi (diesjährig) +1,0 2 Äpfel (vorjährig) — ],1 2 junge diesjährige Rettige — 3,6 2 Karotten (vorjährig) +1)0 2. Hälften eines und desselben Objektes Objekt Galvanometer 2 Hälften einer vorjähr. Kartoffel 0,0 2 Hälften einer diesjähr. Kartoffel 0,0 2 Hälften einer diesjähr. Kartoffel 0,0 2 Hälften eines diesjähr. australischen Apfels . . 0,0 Die so ermittelten Resultate weisen also auf vorhandene innere Differenzen unter gleichen äußeren Bedingungen hin. Eine eingehende Untersuchung dieses Gegenstandes ist in der vorliegenden Arbeit nicht beabsichtigt. Doch würde eine solche, da sich die Beobachtungs- methode leicht verfeinern läßt, vielleicht interessante Aufschlüsse hin- sichtlich der Abhängigkeit dieser Erscheinung von den einzelnen Lebens- äußerungen der Pflanze zutage fördern. 71 9) Versuche über Größe und Dauer der Wundwärme an lebenden Objekten i). Versuch VI. Zwei Karotten. Nach 44 stündiger Beobachtung der konstanten Ruhelage — 5,8 wird auf der einen Seite der Nadel ein Schnitt in 5 mm Entfernung geführt. In den ersten 10 Minuten erfolgt ein rascher Anstieg bis zu 4,3 SKT, nach weiteren 10 Minuten bis 4,5; darauf für 30 Minuten ein Rückgang auf 4,0, sodann erneutes Steigen bis zum Maximum von 4,6. Während der nächsten 12 Stunden bleibt die Kurve auf einer durchschnittlichen Höhe von 4,5 bis 4,0, um während der fol- genden 38 Stunden bei minimalen sekundären Schwankungen äußerst langsam bis auf 1,8 Skt abzufallen. Nach 50 Stunden wurde der Versuch abgebrochen, da sich eine zweite maximale Erbebung weder am Ende des ersten noch am Beginn oder im Verlaufe des zweiten Tages einstellte. Die mikroskopische Untersuchung mit Sudanglyzerin ergab eine beginnende Verkorkung am oberen Drittel des Einstich- randes. Während der 50 Stunden der Versuchsdauer geht die Tem- peratur in der Glocke um 0,8" herunter. Das verursacht, da es sich um fallende Temperatur handelt, keine Schwankung im Sättigungs- grad der Luft mit Wasserdampf. Res. Entf.: 5 mm, Tf.: 10 mm, Max.: 4,62). Versuch VII und VIII waren Nullpunktsuntersuchungen. Versuch IX. Zwei Hälften einer diesjährigen Maltakartoffel. Nachdem die Nullage eingetreten und deren Konstanz durch acht Stunden beobachtet war, wurde auf beiden Seiten der Nadel in einer Entfernung von je 5,5 mm geschnitten. Nach 30 Minuten ist eine Höhe der Kurve bei 6,2 erreicht, die sich nach einem kurzen Nieder- gang auf 6,0 zum Maximum von 7,9 erhebt, das nach 75 Minuten eintritt. Darauf erfolgt ein mit der Zeit nahezu proportionaler Abfall in IP/i Stunden bis zur Nullage. Keine Korkbildung. Die Tem- peratur in der Glocke unterlag während des Versuchs einer belang- losen Schwankung von 0,06°. Res. Entf.: je 5,5 mm, Tf.: 9 mm, Max.: 7,9. Versuch X, XI. XII sind Kontrollversuche, die ausgeführt wurden, ohne daß der Sättigungsgrad der Luft mit Wasserdampf erreicht war. Die Kurven gehen nach einer kurzen Erhebung, die wohl auf ') Die Kurven siehe im Anhang. 2) Entf. = Entfernung der Nadel von der Schnittfläche, Tf. = Tiefe des Einstichs. Max. =: Maximum. Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 72 mechanische Reibungswärme beim Schneiden zurückzuführen ist, alle infolge der auftretenden Verdunstungskälte unter den Nullpunkt herunter. Versuch XIII. Zwei diesjährige Maltakartoffeln. Die konstante Ruhelage tritt bei — 0,3 ein. Zwanzig Stunden nach Ansetzung des Versuchs wurde in einer Entfernung von 5 mm nur auf der einen Seite der Nadel ein Schnitt ausgeführt. Nach einer sofortigen Erhebung auf zwei Skt tritt nach 45 Minuten das — nicht hohe — Maximum bei 3,5 ein, auf das ein langsamer Abfall folgt. Der Versuch wird nach 3^/* Stunden abgebrochen, da eine Dauerbeobachtung nicht beabsichtigt war. Keine Temperatur- schwankung. Res. Entf.: 5 mm, Tf.: 7 mm, Max.: 3,5. Versuch XIV. Zwei Hälften eines diesjährigen australischen Apfels. Da es sich um Hälften eines Objektes handelt, trat die erwartete Nullage ein. Vierzehn Stunden nach Ansetzung wurde auf beiden Seiten der Nadel in einer Entfernung von 3 und 4 mm geschnitten. Die Kurve steigt wieder sofort an und erreicht nach 20 Minuten ihr Maximum bei 10,0. Sodann folgt ein Abfall in drei Stunden bis zu 4 Skt. Diese Lage bleibt acht Stunden lang annähernd konstant. In weiteren 36 Stunden erfolgt ein allmähliger, der Zeit ziemlich proportionaler, am Schlüsse etwas schnellerer Abfall zur Nullage. Während der 47 stündigen Dauer des Versuchs tritt eine Gesamt- temperaturscliwankung im Innern der Glocke von 0,2 ^ ein, die be- langlos ist. Eine zweite maximale P^rhebung hat also nicht statt- gefunden. Die Kurve zeichnet sich durch einen sehr gleichmäßigen Gang aus. Res. Entf.: 3 und 4 mm, Tf.: 9 mm, Max.: 10,0. Versuch XV. Zwei vorjährige Kartoffeln. Die Ruhelage tritt bei 1,3 ein. Achtzehn Stunden nach Ansetzung des Versuchs wurde in einer Entfernung von 6 mm ein Schnitt geführt. Der augenblickliche Anstieg bis zu zwei Skt ist ebenso wie das nach 30 Minuten eintretende Maximum (2,3) gering, was wohl auf die Entfernung des Schnittes von der Nadel zurückzuführen sein dürfte. Um an einer Kurve die Höhendifterenz bei verschieden entfernten Schnitten demonstrieren zu können, wurde, sobald nach dem ersten Schnitt eine annähernd konstante Lage eingetreten war, auf der anderen Seite der Nadel in nur 2 mm Entfernung ein zweiter Schnitt geführt, der ein sofortiges hohes Aufsteigen zur Folge hatte. Genau 73 30 Minuten nach dem zweiten Schnitte tritt das Maximum der Kurve bei 7,7 ein. Die Kurve nimmt dann den typisch abfallenden Verlauf an, und der Versuch wurde, da keine Dauerbeobachtung beabsichtigt war, nach 4V2 Stunden abgebrochen. Res. Entf.: 6 u. 2 mm, Tf.: 1 cm, Max. 2,3 u. 7,7 mm. Versuch XVI — XIX. Diese Versuche entsprechen im allgemeinen der Theorie aller vorhergehenden, zeigen jedoch in Einzelheiten einige Abweichungen, die auf ein technisches Mißlingen in der Aus- führung des Schnittes zurückzuführen sind. Versuch XVI mit einer Karotte zeigt, da das große Objekt durch den Tubus schwer zu schneiden war und ein sehr starker Druck ausgeübt wurde, eine Überhöhung des Aufstiegs, die auf Druckwärme zurückzuführen ist. Bei Versuch XVII fiel die Nadel aus dem Objekt heraus, da zu nahe an der Nadel geschnitten war. Die Kurve zeigte bis dahin aber einen normalen Verlauf. In Versuch XVIII zerbrach eine Thermonadel und bei Versuch XIX war nicht genügende Feuchtigkeit vorhanden. Versuch XX. Zwei junge diesjährige Rettige. Die Ruhelage trat bei — 6,6 ein. Nach 18 Stunden werden wie bei Versuch XV zwei Schnitte in verschiedener Entfernung ausgeführt. Der erste Schnitt in 3 mm Abstand bewirkt einen schnellen, die mechanische Reibungswärme darstellenden Anstieg bis zu sechs Skt und einen ebenso schleunigen Abfall bis zu einem Betrage, von welchem an sich die langsam aufsteigende Wundwärme bemerkbar macht. Nach- dem das Maximum bei 3,8 erreicht ist, erfolgt ein neuer Schnitt auf der anderen Seite, aber in 6 mm Entfernung. Bei dem größeren Abstand dieser Verletzung fehlt der schnelle augenblickliche Anstieg. Nach 5V2 Stunden wird der Versuch abgebrochen, da die Kurve den typischen Verlaut zeigt und eine Dauerbeobachtung erst später be- absichtigt war. Res. Entf.: 3 u. 6 mm, Tf.: 8 mm, Max. 3,8 u. 5,5. Versuch XXI. Zwei junge diesjährige Rettige. Mit demselben Material, wie im vorhergehenden Experiment war ein Dauerversuch beabsichtigt. Ruhelage bei —3,6. Nach 42 Stunden werden auf beiden Seiten der Nadel in einer Entfernung von je 7 mm Schnitte geführt. In 15 Minuten erfolgt der Anstieg bis zum Maximum von 6,7, in den beiden nächsten Stunden ein schnellerer, in weiteren 10 Stunden ein langsamer Abfall bis zur Nulllage. Korkbildung war Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 74 nicht eingetreten. Die Temperatuiscbwankung unter der Glocke betrug 0,30. Res. Entf.: je 7 mm, Tf.: 10 mm, Max.: 6,7. Versuch XXII mit Kartoffeln zeigt trotz zweiseitigen Schnittes nur einen langsamen und wenig hoh^n Anstieg. Da irgend etwas in Unordnung zu sein schien, wurde der Versuch nach 3V2 Stunden aus- einandergenommen, und es stellte sich in der Tat heraus, daß in die Einschnittstellen der Thermonadeln Exsiccatorfett gekommen war. Das Gewebe war gänzlich geschwärzt und die Empfindlichkeit der Nadeln durch das sie umgebende Fett stark herabgesetzt. Versuch XXIII. Zwei australische Äpfel. Die Ruhelage trat bei — 3,8 ein. 42 Stunden nach Ansetzen des Versuchs wurde auf beiden Seiten geschnitten. Bei diesem Versuche wurden zum erstenmal sofort nach dem Schneiden die Schnittflächen mit einem Wattebausch, der an einem Holzstäbchen befestigt war, ab- gewischt, um die erste nach dem Schnit aus den Zellen austretende Flüssigkeit hiuwegzunehmen. Der schnelle Kurvenanstieg erfolgt in derselben charakteristischen Weise wie bei dem ersten Apfelversuch (XIV). Die Größe der Schnittflächen, die Nähe derselben an der Nadel — vielleicht auch das erste Abtrocknen, was aber zu bezweifeln ist — bedingen das hohe Maximum, das bei 16,0 in 25 Minuten erreicht wird. Von dort ab fällt die Kurve in 2V2 Stunden bis auf 7,4 zurück, um allmählich in den konstanten Teil überzugehen. Res. Entf.: 3 u. 4,5 mm, Tf.: 10 mm, Max.: 16,0. Versuch XXIV. Zwei Mairüben (Brassica rapa). Die Ruhelage trat bei — 2,0 ein. Nach 28 Stunden wurde auf beiden Seiten geschnitten. In 20 Minuten erfolgt dann der Anstieg bis zum Maximum von 6,3; in den nächsten r/2 Stunden ein schneller Abfall bis auf 2,2. In den folgenden 24 Stunden geht die Kurve nach einer minimalen sekundären Erhebung, die keinesfalls als zweites Maximum gedeutet werden kann, in die Nullage über. Korkbildung war nicht eingetreten. Die Temperaturschwankung während des ganzen Versuchs betrug nur 0,15". Res. Entf.: 4 u. 6 mm, Tf.: 12 mm, Max.: 6,3. Bemerkung zu Versuch XXIV: Das Objekt dieses Versuches steht verwandtschaftlich den Objekten der Versuche XX und XXI sehr nahe. In der Tat zeigen diese drei Kurven eine große Ähnlich- keit untereinander, indem besonders der rasche Abfall vom Maximum bis zu einer bestimmten Höhe charakteristisch ist. 75 Versuch XXV. Zwei vorjährige Kartoffeln. Die konstaute Ruhelage trat bei -f 1,8 ein. Zwanzig Stunden nach Ansetzung des Versuches wird ein Schnitt in zirka 1 mm Ent- fernung geführt. Die Kurve erhebt sich sofort und erreicht nach einer Stunde das Maximum von 12,5 SKT. (Bei der Nähe des Schnittes an der Nadel nicht weiter auffällig.) Danach fällt die Kurve vier Stunden lang zuerst rascher bis auf sechs Skt ab, um in weiteren 42 Stunden nach einem sehr langsamen, der Zeit annähernd propor- tionalen Rückgang die Nullage zu erreichen. Während der zwei- tägigen Dauer des Experimentes beträgt die Temperaturschwankung im Glockeninnern nur 0,1 *>. Die Untersuchung mit Sudanglyzerin ergab eine Verkorkung in der oberen Hälfte des Einstichs. Res. Entf.: zirka 1 mm, Tf.: 10 mm, Max.: 12,5. Versuch XXVI. Zwei junge diesjährige Karotten. Ruhelage bei -f- 2,7. 36 Stunden nach Ansetzen des Versuches wird auf beiden Seiten geschnitten, und zwar ziemlich nahe in 2,5 und 3,5 mm Entfernung. Die Kurve steigt sogleich an und erreicht mit 15 Minuten ihr Maximum bei 6,1. Sie geht dann in 15 Minuten auf 3,9 zurück, um von hier an 36 Stunden hindurch ganz allmählich abzufallen. Da sich weder am Ende des ersten, noch im Verlauf des zweiten Tages eine zweite Erhebung bemerkbar macht, wird der Versuch nach 37 Stunden abgebrochen. Die Kurve zeigt einen über- einstimmenden Gang mit derjenigen des ersten Karottenversuches (VI). Daß in dieser Kurve nach erreichtem Maximum ein Rückgang eintritt, erklärt sich ohne weiteres aus der Nähe der Verwundungen an der Nadel. In Versuch VI war nur ein Schnitt in 5 mm Entfernung geführt. Die Temperaturschwankung betrug während des ganzen Versuches 0,7 ». Res. Entf.: 2,5 u. 3,5 mm, Tf.: 10 mm, Max.: 6,1. Versuch XXVII. Kontrollversuch an zwei Kartoffeln. Um an ein und demselben Versuche gleichzeitig die Fehlerquellen durch zu geringen Feuchtigkeitsgehalt der Luft nachzuweisen und die auftretende Verdunstungskälte zu demonstrieren, wurde folgendes Ex- periment angestellt: Auf der Glasplatte P wurden an freier Luft, also ohne Glocke, zwei Kartoffeln befestigt, die Nadeln hereingesteckt und die Leitung geschlossen, (Schaltskizze I S. 64.) Nach einiger Zeit war eine Ruhelage eingetreten, aber es war keine konstante Ruhelage wie bei den vorhergehenden Versuchen; denn da die schützende Glocke die Anordnung nicht bedeckte, waren die Schwankungen größere und von kürzerer Periode; es ist dies eine Kontrollwirkung, die auf den ungehindert an die Thermoleitung her- Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 76 antretenden äußeren Einflüssen (Luftströmung, Temperaturänderuug) basiert. Es wurde nun die zwischen -\- 3 und — 2 langsam schwan- kende Ruhelage beobachtet und beim Durchgang durch die Nullage (+ 0) Schnitt I ausgeführt. Infolge der mechanischen Reibungswärme tritt eine sofortige Erhebung auf — 6 ein. Der Zellsaft beginnt aus der Wunde auszutreten und infolgedessen macht sich Verdunstungskälte bemerkbar. Daher der rasche Niedergang des Galvanometers auf die „kalte Seite" bis -{- li. Hierauf wird die Schnittfläche mit Watte abgetrocknet. Die Wundwärme breitet sich infolgedessen wieder aus, und das Galvanometer geht auf — 2. Allmählich tritt neuer Zellsaft aus der Wunde aus. Die Verdunstungskälte zeigt sich beim Nieder- gang des Galvanometers auf -f 14. Nach abermaligem Abwischen erscheint die Wundwärme wieder bei — 1,4. Darauf wird beim Passieren der Nullage Schnitt II ausgeführt. Der sofortige Anstieg auf— 4,5 ist reine Reibungswärme. Daß nun aber auf beiden Seiten Zellsaft aus den Wunden austritt, erkennt man an dem tiefen, Ver- dunstungskälte andeutenden Stande des Galvanometers bei + 30. Nach Abwischen beider Schnittflächen breitet sich die Wundwärme wieder aus, da das Galvanometer auf — 7 geht. Es wiederholt sich dasselbe Spiel wie nach Schnitt I, nur — bei zwei Wunden — in vergrößertem Maßstabe. Schließlich wird die Watte nicht mehr zur Aufnahme des Zellsaftes benutzt. Daher zeigt das Galvanometer nach 7 Minuten bei -j- 95 Skt eine Verdunstungskälte von über V2 ^ C. an. i) Theorie der Versuche über Höhe und Dauer der Wundwärme. Ohne zunächst auf die Natur der Wuudwärme einzugehen — das bildet ein später gesondert zu behandelndes Kapitel — ergeben die Versuche klare Beziehungen zwischen Verwundung und Kurvengang. Es liegt in der Natur pathologischer Erscheinungen, daß mit der zunehmenden Größe verletzender Einwirkungen auf einen Organismus die Reaktion desselben wächst. Daß diese Erscheinung annähernd proportional mit der Verwundung zunimmt, wäre anzunehmen, und die Versuche beweisen in der Tat einen gesetzmäßigen Zusammen- hang zwischen Verletzung und Reaktion. Die durch eine Verwundung hervorgerufene erhöhte Lebenstätigkeit wird selbstverständlich am größten in dem verletzten Zelleukomplex sein und von dort aus all- mählich abnehmen. Darauf hat auch Richards in seiner Abhandlung hingewiesen, und da er bei der Kartoffel eine begrenzte Region für die Wundreizempfänglichkeit konstatierte, während er sie bei der Zwiebel über das ganze 01)jekt ausgebreitet fand, sind hier nähere Untersuchungen über die Grenze der Wundreizempfänglichkeit nicht ausgeführt. Auch ohne nähere Prüfung dieses Gegenstandes ist es 77 klar, daß verschiedenartige Objekte aus Gründen diflferenter histo- logischer Zusammensetzung verschieden auf Verletzungen reagieren. Diese Annahme wird durch die Versuche bewiesen. Trägt man nämlich — wie in der folgenden graphischen Dar- stellung — als Abszissen die Entfernungen der Thermonadel von der Zunehmende Entfernung der Nadel von der Schnittfläche. verletzten Fläche, als Ordinaten die zugehörigen Maxima auf, so er- geben sich für die verschiedenen Objekte schwach gekrümmte Kurven, die sämtlich eine mit der Entfernung von der Wunde gesetzmäßig ab- nehmende Empfindlichkeit für den Wundreiz darstellen. Die Grenze derselben ist für die verschiedenen Objekte verschieden. Sie wird bei Kartoffeln und Äpfeln eher erreicht als bei Karotten, Rettigen und Mairüben. Harry Tiessen. Über Wuudwärme im Pflanzengcwebc. 78 Die Erklärung dieser Erscheinung ist relativ einfach. Bei Kar- toffeln und Äpfeln handelt es sich um ein parenchymatisches, mit wenig Interzellularräuraen versehenes Gewebe, dessen Zellen mit Nähr- und Reservestoffen vollgepfropft sind. Diese bedingen, da es sich um schlechte Wärmeleiter handelt, eine lokale Anhäufung der Wund wärme, die sich in einem höheren Maximum und einer längeren Dauer zu er- kennen gibt. Bei Karotten, Mairüben und Rettigen dagegen, welche die Funktion einer Wurzel verrichten, sind die Zellen vorwiegend mit_ Zellsaft er- füllt. Es findet daher eine schnellere und weitere Ableitung der durch die Verletzung hervorgerufenen Wärme statt, da dieselbe durch Strömung der Flüssigkeit und durch Leitung (innere Strahlung) verbreitet wird. Das Maximum ist daher niedriger, die Enipfiudlichkeitsregion größer. Daß ferner die Reaktion auf Wunden mit der Größe derselben zu- nimmt, ist ohne weiteres klar und läßt sich ebenfalls graphisch durch gerade Linien darstellen, die vom Nullpunkt der Verletzung propor- tional mit dem Grade derselben ansteigen. Die absolute Größe der Wundwärme ist sehr gering, aber sie erscheint nicht unnatürlich, wenn man bedenkt, daß alle nur mög- lichen Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden, um störende Einflüsse zu vermeiden. Aus der folgenden Tabelle sind die Werte am bequemsten er- sichtlich: Objekt Kartoffeln (vorjähr.) s (vorjähr.) = (diesjähr.) Apfel . Äpfel . Karotten Karotten Objekt Maxim. in Skt 12,5 7,7 7,9 3,5 5,4 10,0 16,0 4,7 6,1 Maxim, in Skt Rettig Rettig 6,0 6,7 Rettig 5,5 Mairübe 6,3 0,070 0,040 0,040 0,020 0,030 0,060 0,080 0,030 0,030 0» c. 0,030 0,040 0,030 0,030 Mittlere Höhe der Wundwärme 0.041 ** C. Der absolute Betrag der Wundwärme schwankt zwischen V12 und VsqO C. Er ist größer bei Apfel und Kartoffel als bei Rettigen, Ka- rotten usw. Die Gründe für diese Erscheinung sind kurz vorher aus- einandergesetzt worden. 79 Diesjährige Kartoffeln zeigen einen geringeren Temperaturanstieg als vorjährige, was wohl mit dem verschiedenen Ruhezustand beider zusammenhängen mag. c) Vergleich beider Methoden. Die so erlangten Resultate erfordern einen Vergleich mit denen, die Richards auf thermo-elektrischem Wege erhielt. Übereinstimmend mit Richards fand Verfasser 1. die Tatsache, daß nach Verletzungen eine Temperaturerhöhung im verwundeten Objekt eintritt; 2. daß die Dauer derselben, welche bei verschiedenen Objekten variiert, sich auf mehrere Tage erstrecken kann. Demgegenüber stehen aber verschiedene Differenzen, deren größte sich auf die maximale Erhebung der Kurve bezieht. 1. Richards findet den Eintritt des Maximums durchschnittlich 24 Stunden nach der Verletzung. Eine Ausnahme davon machen Zwiebeln und Gurken, deren Maxima schon nach 8 resp. 6 Stunden eintreten. In der vorliegenden Arbeit dagegen ist in sämtlichen Ex- perimenten das Maximum stets V* bis 2V2 Stunden nach der Ver- wundung eingetreten, und es konnte in keinem Versuch um die Zeit des von Richards konstatierten Maximums auch nur die leiseste Tendenz zu einem erneuten Anstieg nachgewiesen werden. Wie gegensätzlich die Beobachtungen in beiden Arbeiten hin- sichtlich des Anfangs der Kurven sind, geht am besten daraus hervor, daß Richards unmittelbar nach dem Einstich der Nadel niemals eine Temperaturdifferenz zwischen dem verletzten und dem unverletzten Objekt feststellt, sondern erst nach zwei Stunden ein geringes An- steigen bemerkt, zu einer Zeit, in welcher die Maxima der vorliegenden Arbeit bereits überschritten sind. Darauf wird später zurückzu- kommen sein. 2. Eine weitere Differenz beider Arbeiten bezieht sich auf die absolute Größe der Wundwärme. Die maximalen Erhebungen bei Richards schwanken zwischen 0,140 und 0,380 bei einem Durchschnittswert von 0,26« C. (V*« C), diejenigen der vorliegenden Versuche bewegen sich zwischen 0,02 ^ und 0,080 bei einem Mittelwert von 0,04 (V25O C). Diese Abweichung von den Richards sehen Versuchen finden ihre Erklärung, wenn man die Methoden beider Arbeiten vergleicht. Richards gebraucht als Strommeßinstrument ein Nadelgalvanometer. Die Empfindlichkeit dieser Galvanometer gegen äußere magnetische und elektrische Felder (bewegte Eisenmassen, störende elektrische Ströme) ist speziell bei subtilen Messungen unliebsam bekannt. Die Einwirkung des erdmagnetischen Feldes in Form periodischer Ab- Harry Tiessen. Über WundAvärme im Pflanzeugewebe. 80 lenkuugeu der Nadel nach Osten und Westen kann durch Beobachtung dieser Veränderungen aus den Ausschlägen eliminiert werden. Rode- wald ^), welcher mit einem derartigen Galvanometer äußerst präzise Messungen vornahm , gibt die große Reihe der zu beobachtenden Vorsichtsmaßregeln an. Richards, der diese Abhandlungen kannte, findet, daß bei seiner eigenen Arbeit „die äußerste Akkuratesse von Rodewalds quantitativen Untersuchungen nicht so notwendig ist" („the extreme accuracy of Rodewalds quantitative research was not so necessary"). Wenn man bedenkt, daß die Ausschläge bei Richards gegentiber denen von Rodewald nur klein sind, die Fehler bei kleinen Ausschlägen das wahre Resultat also bedeutend mehr verschleiern werden als bei großen, so wird man bezweifeln müssen, daß die Aus- schläge fehlerfrei sind und in ihnen vielmehr nur eine Proportionalität mit der Wund wärme zu suchen haben. Bei einem Drehspulgalvanometer dagegen, wie es in der vor- liegenden Arbeit verwendet wurde, fallen sämtliche außerhalb der Versuchsanordnung liegende Fehlerquellen bei genügender Isolation gegen Temperaturveränderungen weg. Es erübrigt nunmehr, auf die möglichen Fehler innerhalb der Anordnung von Richards zurückzu- kommen. Die Verbindung der Drähte vom Galvanometer mit denen vom Thermoelement ist bei Richards durch Klemmschrauben (!) (bindings-screws) hergestellt. Einmal können durch den Druck der Schrauben auf die Drähte Störungen hervorgerufen werden; ob zweitens die Isolation mit Kork allein gegen Temperaturveränderungen schützt, muß nach den Beobachtungen in dieser Arbeit in Zweifel gezogen werden. Was die Bedingungen anbelangt, unter denen die Versuche aus- geführt werden, so hält Richards konstante Temperatur und Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit für notwendig und hinreichend. Erstere ist vollkommen erfüllt, über letztere aber nichts Näheres gesagt. Man muß annehmen, obwohl in der Arbeit selbst nichts darüber mitgeteilt ist, daß Richards die Versuchsobjekte unter einer Glasglocke oder ähnlichen Einrichtungen gehalten hat, um überhaupt in einem Raum mit dampfgesättigter Atmosphäre operieren zu können. Es ist bei der großen Schwierigkeit, einen abgeschlossenen Raum (z. B. die Glasglocke in vorliegender Arbeit) einwandfrei mit Wasserdampf zu sättigen, verwunderlich, daß Richards nirgends die Konstanz des Sättigungsgrades betont. Wenn er nämlich nach Schnittführung und Einstecken der Nadel die Glocke über die Anordnung deckt, so ist die Luft in derselben keinesfalls mit Wasserdampf gesättigt, da sie ja unmittelbar vorher mit der Luft des ganzen Raumes in Verbindung ') Rodewald, Pringsh. Jahrbücher 87, 88, 89. 81 stand, vielmehr wird die Sättigung erst allmählicii erfolgen. Mit dem genannten Momente beginnt Richards aber die für die Kurve geltende erste Beobachtung und behauptet dabei, daß unmittelbar nach Ver- letzung und Einführung der Nadel kein Ausschlag des Galvanometers erfolgt. (It was never found that there was any difference between the cut surfaces and the uninjured potatoe immediately after injury; it was not until the second Observation was made usually sorae two hours after wounding! . . .) Dies ist bei der Empfindlichkeit der thermo- elektrischen Methode absolut unverständlich, weun man bedenkt, daß beim Schneiden und Einführen der Nadel die warmen Hände mit der ganzen Apparatur in Berührung kommen, daß der warme aus- geatmete Luftstrom des Experimentators die Anordnung notwendiger- weise treffen muß, daß beim Schneiden mechanische Reibungswärme entsteht und daß vor allen Dingen das eingeführte Thermoelement sich bei der Durchdringung des Gewebes durch Reibung erwärmt. Den Beginn der Beobachtungen in eine Zeit zu verlegen, wo so viel irritierende Nebenwirkungen auftreten, kann der Darstellung reiner Wundwärmewirkung nur hinderlich sein. Das ist in vorliegender Arbeit dadurch gänzlich vermieden, daß zwischen Einführung der Nadel und Schnitt stets 15 bis 44 Stunden vergingen, um einen vollständigen Temperaturausgleich herbeizuführen, und daß es möglich war, ohne im geringsten an der fix und fertig geschlossenen Anordnung etwas zu rühren, die Objekte unter der Glasglocke in bereits dampfgesättigter Atmosphäre zu schneiden. Nur auf diesem Wege kann man die Wirkung der Wundwärme isolieren. Über den Einfluß des Lichtes auf die Experimente äußert sich Richards gar nicht. Wenn man auch annehmen kann, daß Inso- lation nicht stattgefunden hat, können doch nach den Erfahrungen über Wirkung künstlicher Belichtung in dieser Arbeit störende Ein- flüsse derselben in den Richardsschen Resultaten nicht von der Hand gewiesen werden. Daß die Höhe der Richardsschen Werte für die Wund wärme das normale Maß bei weitem überschreitet, scheint aus folgendem Experiment (12a) hervorzugehen. Richards schneidet, preßt die Schnittflächen zusammen und bedeckt sie mit Ton (clay). Wie ge- wöhnlich stellt er unmittelbar nach der Verletzung keine Ablenkung der Galvanometernadel fest. Nach 24 Stunden entfernt er den Ton und macht dann Bestimmungen der vorhandenen Wundwärme. Diese fallen niedrig aus (0,07 bis 0,12), worin Richards die Folge einer zeitweise fehlenden Sauerstoffzufuhr sieht. Betrachtet man dagegen die Wundwärme als eine Reizerscheinung, die — wie später zu be- weisen ist — bis zu einem gewissen Grade unabhängig von Sauer- stoff ist, so kann man aus dem Versuch etwas anderes herauslesen. Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft I. 6 Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 82 Die in diesem Versuch bedeckten Schnittflächen sind nicht in dem Maße äußeren, den Gesamteffekt steigernden Einflüssen ausgesetzt, wie die „offen klaffenden" (open gapes) Schnittflächen in allen anderen Experimenten. Daher ist die Temperatur niedriger, der reinen Wund- wärme näher kommend, und der Schluß, daß die gemessene Tem- peratur in den anderen Experimenten zu hoch ist, erscheint ge- rechtfertigt. Schließlich sei noch bemerkt, daß die Beobachtungen bei Richards (alle 3 bis 4 Stunden, nachts überhaupt nicht) in viel zu großen Pausen erfolgt sind, so daß ihm Einzelheiten der Erscheinung gänzlich verloren gehen mußten. Aus alledem ist ersichtlich, daß man die unterscheidenden Mo- mente beider Arbeiten auf die verschiedeneu Arbeitsmethoden zurück- zuführen hat. Beim Fortschritt der Hilfsmittel und von ver- änderten Gesichtspunkten aus dürfte in der vorliegenden Arbeit die präzisere Methode die korrektionsfähigen Fehler auf ein zurzeit nicht erkennbares Minimum herab- gedrückt haben. Die Reduktion der absoluten Größe der "Wundwärme erklärt sich leicht daraus. Während es in den bis hier vorliegenden Untersuchungen darauf ankam, die Erscheinung der Wundwärme in ihren einzelnen Phasen zu beobachten, muß sich der nächste Abschnitt mit der Frage be- schäftigen : Welcher Art sind die Vorgänge im pflanzlichen Organismus, die nach traumatischen Eingriffen ein An- steigen der Temperatur im Zellverband hervorrufen? B. II. Die Natur der Wundwärme. a) Richards Erklärung als reine Atmungswärme anfechtbar, da auch seine Atmungsversuche nicht einwandsfrei sind. Richards hat zur Beantwortung dieser Frage so gut wie gar- nichts getan. Am Schluß seiner Arbeit führt er in allgemein ge- haltenen Sätzen aus, daß die beobachtete Erscheinung ein Wundfieber sei, das man auf erhöhte Lebenstätigkeit des geschädigten Organismus zurückführen müsse, ähnlich wie höhere Tiere auf Verwundungen reagieren. Wenn ein spezieller Grund für die Temperaturerhöhung gesucht werden solle, so ließe sich dieselbe lediglich als eine Folge erhöhter Atmung darstellen, da der Kurvenverlauf beider Erscheinungen (erhöhte Atmung und Temperaturerhöhung nach Verletzungen) große Ähnlichkeiten aufweise. 83 Dem muß gegenübergestellt werden, daß der Eintritt der Max im a in beiden Kurven nur für die Kartoffel an- nähernd koinzidiert; in allen anderen Fällen tritt das Atmung smaximum erst bedeutend später ein (bei Zwiebeln z. B. Atmungsraaximum nach 72 Standen, Wärmemaximura nach 24 Stunden). Auch in der Dauer unterscheiden sich beide Kurven, indem die Temperaturkurven kürzer als die Atmungskurven sind. Aus naheliegenden Gründen hat Verfasser die Arbeit von Richards aus dem Jahre 1896 (The respiration of Wounded Plauts) genauer studiert und gefunden, daß sich in einzelnen Punkten gegen die ex- perimentelle Anordnung Einwände erheben lassen. Es würde hier nicht näher auf eine kritische Betrachtung der Untersuchung ein- gegangen werden, wenn nicht die Verbindung derselben mit Fragen vorliegender Arbeit so innig wäre, und wenn nicht gerade aus neuerer Zeit eine Abhandlung über dasselbe Thema vorläge, welche die Frage der Atmungssteigerung nach Verletzungen durch Richards als nicht völlig gelöst ansieht. N. A. Maximow^) betont in seinem Aufsatz: „Über den Einfluß der Verletzungen auf die Respirationsquotienten", daß schon die Re- spirationsquotienten der unverletzten Organe bei Richards zu niedrig seien, und fährt an anderer Stelle fort: „Noch größere Zweifel werden aber in uns wach, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die geringen Mengen von CO., richten, mit denen Richards manipuliert hat." Maximow will die niedrigen Quotienten bei Richards darauf zurück- führen, daß die Kartoffel wie alle fleischigen Organe befähigt ist, große Mengen von COj anzusammeln und diese in einem abgeschlossenen Raum in der ersten Zeit zurückzuhalten. Verfolgt man aber auf- merksam die Versuchsmethode Richards, so kann man die niedrigen Werte leichter auf Fehlerquellen der Anordnung zurückführen. Bekanntlich ist Wasser befähigt, bei ca. 20 " C. (der von Richards benutzten Temperatur) 90% seines Eigengewichtes an COg zu ab- sorbieren. Ferner absorbiert Kautschuk nach den Arbeiten von E. Pflüger^) außer anderen Gasen auch CO.,. Auf der anderen Seite kann Kautschuck aber auch durch Oxydationsvorgänge zur Bildung von CO2 Veranlassung geben, besonders bei Berührung mit alkalischen Flüssigkeiten 3). Bedenkt man nun, daß Richards bei seinen Untersuchungen die Objekte, sowohl geschnittene wie ungeschnittene, stets vor dem 1) Maximow, Ber. d. Deutschen Bot. Ges. 1903, S. 252-59. 2) E. Pflüger, Zeitschr. f. analyt. Chemie, S. 18, 302. 3) Literatur über diese Vorgänge bei Bloch mann, Über den COggehalt der atmosphärischen Luft. Ann. d. Chemie 237. Bd. 6* Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 84 einzelnen Experiment gewaschen und „nur oberflächlich" (only somewhat) getrocknet hat, und daß „die Versuchspflanzen während des Experimentes reichlich mit Feuchtigkeit versorgt wurden, ohne daß eine „beträchtliche Menge" von Wasser in dem Behälter zurückblieb, so ist es nicht zu bezweifeln, daß ein Teil der geringen Menge von CO2, um die es sich ja handelt (mg!), von dem vorhandenen Wasser absorbiert und für die Analyse verloren gegangen ist. Ferner ist der Behälter (receiver of plants) bei Richards mit einem Kautschuk- stopfen verschlossen und besitzt im Innern zwecks Mischung der Luft einen ausdehnbaren Kautschukballon. Nach den obigen Ausführungen kann diese Verschlußart nicht dazu dienen, fehlerfreie Resultate zu erzielen. Es kam im Vorstehenden wesentlich darauf an, zu zeigen, daß die Resultate über Atmungssteigerung nach Verletzungen bei den ver- schiedenen Autoren (Boehm 1887, Stich 1891, Richards 1896, Smirnoff 1903, Maximow 1903) viel Divergierendes enthalten, und daß die Richardsschen Beobachtungen keineswegs einwandfrei sind. Daher hat auch sein Bestreben, die Temperaturerhöhung nach Verletzung nur auf erhöhte Atmung zurückzuführen, wenig für sich. b) Versuche mit abgetöteten Objekten in dampfgesättigter Luft und Kohlensäure. Nachdem in der vorliegenden Arbeit die Versuche mit lebenden Objekten untereinander übereinstimmende und befriedigende Resultate ergeben hatten, wurden in den nunmehr folgenden Experimenten zu Vergleichszwecken tote Organe benutzt. Das Abtöten der verwendeten Objekte (Kartofi'el, Apfel, Karotte, Rettig, Mairübe) geschah auf dreierlei Weise, durch Hitze, Kälte und Chloroform. Im ersten Fall wurden die Objekte entweder im Thermo- staten bei -f 120*^ oder in Wasser von -{-90*^ ein bis anderthalb Stunden gelassen, im zweiten Fall wurden sie 12 bis 18 Stunden einer durch Kälteraischung erzeugten Temperatur von — 15° bis — 18° ausgesetzt uud im dritten Fall 36 bis 54 Stunden durch ca. 50 cm^ Chloroform getötet, wobei zum erleichterten Eindringen der Chloroform- dämpfe in das Gewebe ein Stück der Epidermis weggenommen war. Im übrigen wurden die Objekte in gleicher Weise wie die lebenden behandelt, und es mag hervorgehoben werden, daß die Anordnung mit toten Orgauen ebenfalls 14 bis 20 Stunden vor der Verletzung zum völligen Temperaturausgleich fertig geschlossen stand. Man erwartete von diesen Experimenten gar keine oder nur im Anfang eine sehr kurze Reaktion auf die Verletzung, und es war daher umso überraschender, daß sich Kurven zwischen drei und acht- stündiger Dauer ergaben. Da es einerseits feststand, daß diese Organe 85 getötet, d. h. sämtlicher Funktionen, die an lebendes Gewebe geknüpft sind, beraubt waren und es andererseits ausgeschlossen war, daß diese langen Kurven etwa aus rein mechanischer Reibungs- oder Druck- wärme während des Schneidens herrühren konnten, wurden die Ver- suche mit abgetötetem Material weiter fortgesetzt. Um die Abhängig- keit dieser „toten Kurven" (so mögen sie der Kürze halber gegenüber den Kurven der lebenden Objekte genannt werden) von vorhandenem Sauerstoff zu untersuchen, stellte man dieselben Versuche in sauerstoff- freier Atmosphäre an und wählte zu diesem Zwecke reine Kohlen- säure. Von einer Wasserstoffatmosphäre wurde wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit dieses Gases Abstand genommen. Die Versuchsanordnung für eine CO, -Atmosphäre war folgende: Die Kohlensäure aus der Bombe ging, um sie genügend mit Feuchtigkeit zu beladen, zuerst durch eine Wolffsche Flasche mit Kaliumpermanganat, darauf durch einen feuchten Bimssteinturm zu zwei weiteren Wolffschen Flaschen mit Wasser und aus diesem durch den Tubus I der Versuchsglasglocke hinunter in das Wasser der Schale S, von wo aus die CO2 das Glockeninnere ausfüllte. Bei den Experimenten selbst wurde zuerst die Glocke mit den Versuchsobjekten in derselben Weise hergerichtet wie in den lebenden Versuchen. Darauf wurde durch den Tubus I ein langes Glasrohr ein- geführt, das durch ein Loch in der Platte P ins Wasser der Schale S führte. Nachdem der Schlauch über das Rohr gezogen war, wurde 3 — 4 Stunden lang ein Kohlensäurestrom unter 1 — 2 Atmosphären Druck hindurchgetrieben. Durch Paraffiuieren aller Stellen, an denen CO2 hätte entweichen können, war für eine genügende Abdichtung gesorgt. Danach wurde der Quetschhahn Q geschlossen und die ganze Versuchsanordnung bis zum anderen Morgen stehen gelassen. Aus den ersten Versuchen erwies sich durch Auftreten von Ver- dunstungskälte an der Schnittoberfläche, daß die Feuchtigkeit der Kohlensäure nicht den gewünschten Grad besaß (Versuch No. 37). Dem Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pfianzengewebe. 86 konnte nur dadurch abgeholfen werden, daß man die durch Ver- letzung hervorgerufene Schnitt- oberfläche nicht mit der CO2- Atmosphäre in direkte Berührung brachte. Das geschah dadurch (s. nebenstehende Figur), daß der verletzende Schnitt nur zu ^li in das Objekt hineingeführt und das Messer dann heraus- gezogen wurde. So legten sich dann die Teile A und B des Ob- jektes unter dem Druck der stützenden Stäbchen St zusammen, und die Schnittflächen waren vor Verdunstung geschützt. Der Effekt blieb derselbe. Das geht aus dem Vergleich mit den Kurven der toten Objekte in wasserdampfgesättigter Atmosphäre hervor, wo stets ein Stück des Objektes glatt abgeschnitten wurde (vgl. die Kurven im Anhang). Es wurden mit toten Objekten im ganzen 14 Versuche ausgeführt, von denen jedoch vier nicht verwertet werden konnten. Bei zwei Versuchen in feuchter Luft waren Säuregäruugen aufgetreten, was sich durch den hohen Stand des Galvanometers (36 Skt) und durch intensiv sauren Geruch bemerkbar machte; das lag daran, daß die betreffenden Organe nach der Abtötung 2 — 3 Tage gelegen hatten. Daher wurde bei den nächsten Versuchen darauf gesehen, daß die Objekte sofort benutzt wurden. Zwei weitere Versuche unter Kohlen- säure mußten wegen der schon besprochenen Verdunstungskälte aus- geschlossen werden. Auf die Tatsache, daß auch in diesen Experi- menten vor dem Schneiden keine Nullage, sondern eine von Fall zu Fall variierende konstante Ruhelage eintrat, wird bei der Theorie der Erscheinungen zurückgekommen werden. Über die erhaltenen Resultate mit toten Objekten mag die fol- gende Tabelle eine Übersicht geben. (Alles Nähere siehe aus den Protokollen im Anhang.) a) Versuche in wasserdampfgesättigter Atmosphäre. Ver- suchs- No. Tote Objekte Art der Abtötung Höhe d. Max. Dauer der Kurve Absolute Größe der Wärme 34. Kartoffel + 90» 3,7 nach 5 Std. abgebr. 0,02 29. Kartoffel — 180 2,4 3 Std. 0,01 28. Mairübe + 120» 4,0 6 Std. 30 Min. 0,02 30. Kartoffel Chloroform 8,9 4V2 Std. 0,05 32. Kartoffel Cliloroform 4,0 7 Std. 0,02 87 Ver- suchs- No. 38. 37. b) Versuch in feuchter Kohlensäure. Tote Objekte Kartoffel Kartoffel 40. 41. Kartoffel Apfel 42. Karotten Art der Abtötung + 90° Chloroform — 15° Chloroform + 90° Höhe Dauer der d. Max. Kurve 6,3 8Std. 10 Min. 3 nicht beobachtet, da Demonstr. vers. f. Ver- dunstungskälte in CO2 3,7 7 Std. 4,0 nach 5V2 Std. abgebr. 5,0 4 Std. Absolute Größe der Wärme 0,04 0,02 0,02 0,02 0,03 Vergleicht mau die „toten" Kurven mit den „lebenden", so ergibt sich folgendes : Im Prinzip unterscheiden sich beide Kurvengänge nicht; denn bald nach der Verletzung tritt in beiden Fällen das Maximum auf, von dem ein bald schnellerer, bald langsamerer Abfall bis zur Xull- lage erfolgt. In den Einzelheiten treten Abweichungen auf. Die „lebenden" Kurven haben ein durchschnittlich zweimal so hohes Maximum und eine sechs bis zehnmal so lange Dauer wie die „toten" Kurven. Das deutet zunächst darauf hin, daß man in der Wund- wärme (lebender Organe) nicht eine einzelne, gesteigerte, wärme- produzierende Funktion zu sehen hat, sondern einen Erscheinungs- komplex, dessen einzelne Glieder, jedes für sich, zum Zustandekommen des resultierenden Effektes beitragen. c) Theorie dieser Versuche. Um den vorhandenen Tatsachen eine genügende theoretische Er. klärung geben zu können, ist es nötig, Arbeiten aus der neuesten Zeit zu berücksichtigen, welche sich mit posttraumatischeu und post- mortalen Vorgängen im Stofifwechselgebiete befassen. Auf Grund der Pfef ferschen i) Annahme, daß man normale und intramolekulare Atmung auf einheitliche primäre Ursachen zurück- führen muß, liegt nach Jost^) die Möglichkeit vor, in der Atmung zwei Prozesse zu sehen, die nicht notwendig miteinander verknüpft zu sein brauchen: Spaltung und Oxydation. Danach müßte bei der Atmung zunächst unabhängig von Sauerstoff eine Zerspaltung orga- nischer Substanz einsetzen, die Kohlensäure und einen weiteroxydablen Körper liefert. Dieser letztere würde dann bei Gegenwart von Sauer- stoff oxydiert werden. Diese Auffassung wird durch zahlreiche neuere Arbeiten über das Auftreten von Enzymen bei der Atmung gestützt, 1) Pfeffer, Unters. Tübingen 1885. I, 636. 2) Jost, Pflan/.enphysiologie. 1908. 236. Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 88 Arbeiten, welche nachweisen wollen, daß der in Rede stehende Lebens- prozeß nicht an das Protoplasma unmittelbar, sondern an aus diesem gebildete Enzyme geknüpft ist. Infolge von Verletzungen tritt nun nachgewiesenermaßen eine ge- steigerte COg-Abgabe ein. Palladin^) unterscheidet in seiner Arbeit „Über den verschiedenen Ursprung der während der Atmung der Pflanzen ausgeschiedenen Kohlensäure", drei Arten produzierter COg: 1. Nucleokohlensäure, d. h. COg, welche zum Teil durch im Preß- saft unlösliche, mit dem Protoplasma verbundene Enzyme hervor- gerufen wird; 2. Reizkohlensäure, d. h. COg, die scheinbar unmittelbar unter der Reizwirkung vom Plasma gebildet wird, und 3. Oxydasekohlensäure, durch Oxydase oder Katalase hervor- gerufen. Die Menge der erstgenannten Kohlensäure hängt von der Menge der Nucleoproteide ab. Diese letzteren nehmen aber nach Kovchoff^) infolge traumatischer Eingriffe stark zu auf Grund einer gesteigerten enzymatiscben Tätigkeit. Das liefert zunächst den Beweis, daß Verletzungen stimulierend auf die Tätigkeit der Enzyme einwirken. Es braucht nicht weiter hervorgehoben zu werden, daß Hand in Hand damit eine, wenn auch nur geringe, Steigerung der Temperatur einhergehen wird. Daß bei diesen Prozessen Enzyme eine Hauptrolle spielen, die unabhängig von lebendem Protoplasma auf Bildung von COg aus organischer Substanz hinarbeiten, ist von T. Krasnosselsky 3) nachgewiesen. Sie fand einmal, daß mit der Verletzung die Bildung von Atmungs- enzymen wuchs, zweitens, daß erfrorene, also abgetötete Zwiebeln, auf Grund enzymatischer Wirkung mindestens ebensoviel CO2 pro- duzierten, wie lebende, und drittens, daß diese postmortale Tätigkeit in sauerstofffreier Atmosphäre, nämlich in Wasserstoff, unverringert fortdauerte. Zu im Prinzip identischen Resultaten ist auch Gräfe*) in seiner Abhandlung „Studien über Atmung und tote Oxydation" gekommen. Bei seinen Versuchen mit Eupatoriumblättern in frischem und ab- getötetem (+110^, — IG^', Aceton-Äther) Zustand fand er, daß sich in der Zelle auch nach dem Aufhören der plasmatischen Atmuugs- tätigkeit Oxydatiousvorgänge abspielten, die von Wiesner als „tote Oxydation" bezeichnet wurden. 1) Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. XXIII. 1905. S. 240 ff. 2) Kovchoff, Revue gen. de Botanique S. 459. Ber. d. Deutsch. Ges. XXI 1903. S. 165. 3) T. Krasnosselsky, Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. XXIII. 1905. S. 142. *) Gräfe, Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wiss. Wien 1905. S. 1S3 ff. 89 Alle diese Punkte müssen berücksichtigt werden, um die im zweiten Teil dieser Arbeit erhaltenen Resultate zu rechtfertigen. Die Ergebnisse der Krasnosselskyscheu Arbeit und die „toten Kurven" bestätigen einander. Es kann nunmehr keinem Zweifel unterliegen, daß die „toten Kurven" diejenige Wärmeproduktion darstellen, welche unter dem Einfluß der Verletzungen einer gesteigerten enzymatischen Tätigkeit zuzuschreiben ist. An dieser Stelle mag auch gesagt werden, daß es nicht weiter wunderbar erscheint, wenn die toten Organe bei den Versuchen vor dem Schneiden keine Nullage, sondern eine kon- stante Ruhelage aufwiesen; die hohe Empfindlichkeit der Thermonadel zeigt eben einen individuellen variierenden Zustand der toten Oxy- dation an, die dann unter der Einwirkung der Verletzung gesteigert wird. Zusammenfassend kann über die Natur der Wundwärme demnach folgendes gesagt werden: Aus dem Vergleich der lebenden mit den toten Kurven ergibt sich, daß die nach Verletzungen auftretende Wärmeproduktion min- destens zwei, wenn nicht mehr Quellen entspringt. Einmal wird durch den traumatischen Reiz das Protoplasma in einen Zustand höherer Lebenstätigkeit versetzt. Dadurch wird die Enzymbildung eine be- schleunigte, ihre Wirkung eine vergrößerte. Im unmittelbaren Ge- folge davon wird eine Temperatursteigerung in dem die Wunde um- gebenden Zellkomplex entstehen. Zweitens wird durch den trauma- tischen Eingriff der Prozeß der auf nicht enzymatischem Wege vor sich gehenden COg-Abspaltung eine Steigerung erfahren, mit der eben- falls eine Temperaturerhöhung Hand in Hand geht. Drittens dürfte man eine praktisch nicht isolierbare Quelle, wenigstens anfänglich, in der Wärme zu suchen haben, die unmittelbar bei der Verletzung durch Reibung und Druck der einzelnen Zellen aneinander entsteht. (Siehe besonders Versuch XX im Anfang.) Ferner kann man nicht von der Hand weisen, daß bei der Energie rein stofflicher Umsetzungen und Neubildungen (Zerfall?) die nach Verletzungen stattfinden, eben- falls Wärme frei werden kann. Die Richardssche Erklärung der Wundwärme kann demnach nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Größe und Länge der lebenden Kurven gegenüber den toten geht klarerweise daraus hervor, daß, wie schon vorhin erwähnt, im lebenden Objekt die Tätigkeit der Enzyme eine bedeutend größere und intensivere ist, als im toten, und daß dem lebenden Objekt allein, wie die Fähigkeit der fortgesetzten Euzymbildung, so auch diejenige einer COg-Produktion auf nicht enzymatischen Wege gegeben ist. Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 90 C. Die Ergebnisse der Arbeit sind folgende: 1. Im Pflanzengewebe tritt nach Verletzungen ein Tem- peraturanstieg ein. 2. Diese Temperaturerhöhung, die mit der Größe der Ver- wundung zunimmt, ist unmittelbar an der Wunde am größten und fällt mit der Entfernung von der Wunde ab. 3. Die Dauer der Erscheinung schwanl^t zwischen V2 und 3 Tagen; ihr absoluter Wert zwischen 0,02 und 0,08° bei einem Mittelwert von 0,04^ (V25O C). 4. Das Maximum der Wundwärme tritt durchschnittlich eine Stunde nach der Verletzung ein (extreme Werte: 15 Minuten, 3 Stunden). 5. Die Einzelheiten der Erscheinung der Wundwärme variieren typisch bei den verschiedenen Klassen der Versuchsobjekte. 6. Die nach Verletzungen produzierte Wärme ist nicht einheitlicher, sondern zusammengesetzter Natur. 7. und 8. Mehr außerhalb der Arbeit stehend wurde ge- funden, daß zwei lebende Objekte gleicher Art unter absolut gleichen Bedingungen nicht gleiche Tempera- turen annehmen, sondern daß sich individuelle Ab- weichungen zeigen. Hälften ein und desselben Objektes nehmen dagegen stets dieselbe Temperatur an (s. Tabelle Seite 70). D. Anhang. Protokolle, 2 Kurventafeln. Es folgen die Protokolle der in der Arbeit als beweiskräftig an- gesehenen Experimente. Alle anderen, bei denen es sich, wie aus dem Text hervorgeht, um Versuche orientierender Natur handelt, sind nicht aufgeführt. Bei den Protokollen der Versuche, die sich über mehrere Tage erstrecken, sind wegen des großen Zahlenmaterials die Beobachtungen, welche sich auf den konstant abfallenden Teil der Kurve beziehen, nicht sämtlich wiedergegeben worden, wenn z. B. sechs halbstündige Ablesungen hintereinander dieselbe Zahl ergeben. Es steht dann die betreffende Ablesung nur ein einziges Mal im Protokoll. Dasselbe bezieht sich auf die Kurvenpunkta. 91 Versuch No. 6. Objekt: Karotte. Datum: 6. 7. 8. 9. April Angesetzt: 4. April 6^ p. Dauer: 50 Stunden Ruhelage: — 5,8 Sclinitt: 6. April 2^5 p, m, Entfernung der Nadel von der Schnitttläche : 5 mm Tiefe des Einstichs: 10 mm Verwundung: mittelgroß Bemerkungen: Verkorkung beginnt. m. Temperatur im Glockeuinnern 10,30» 10,00° 10,18" 9,71" 9,50" 9,50" Zimmer- temperatur 11,0« 10,6" 10,8" 10,4" 10,4" 10,2" Ablesung Schnitt 7. Apr. 1,45 7. 6,15 7. 12,45 8. I,ä0 8. 9,45 a. m. a. m. p. m. a. m. p. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt Zeit Skt 6. 2,55 4,3 7. a. m. 8. a. m. 3,05 4,5 12,15 3,9 12,45 2,8 15 4,0 45 3,9 1,45 2,8 35 4,0 1,45 3,9 2,45 2,7 55 4,1 2,45 3,8 8,45 2,5 4,15 4,3 3,45 3,8 9,45 2,4 35 4,5 4,45 3,8 11,45 2,5 55 4,5 5,45 3,7 2,45 2,3 5,55 4,6 6,15 3,6 4,45 1,8 7,55 8,55 9,15 4,5 4,2 4,2 7,- 8,- 10,- 3,5 3,6 3,6 Abbruch des Versuchs. 55 4,2 11,- 3,7 10,15 4,1 p. m. 11,15 4,1 12,45 3,6 45 4,0 1,45 2,45 3,15 3,45 4,15 . 4,45 5,45 7,45 9,45 10,45 3,5 3,5 3,5 3,4 3,2 3,0 3,2 3,2 3,2 3,1 11,45 3,0 Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 92 Versuch No. 9. Objekt: Zwei Hälften einer diesjährigen Maltakartoffel. Datum: 25. 26. 27. April Angesetzt: 25. April 6 Uhr p. m. Dauer: 13 Stunden Ruhelage: +0! Schnitt: 26. April 3,30 ^ p. m. Entfernung der Nadel von der Schnittfläche: 5,5 mm Tiefe des Einstichs: 9 mm Verwundung: mittel bis groß. Temperatur im Glockeninnern 14,95« 14,89» 14,90° Zimmer- temperatur 15,5» 15,5» 15,50 Ablesung Schnitt 26. 9V2 p. m. 27. 4*^ a. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt 26. 3,35 1 8,40 4,0 40 2,5 9,10 3,9 45 3,9 30 3,4 50 4,9 50 3,3 56 5,8 10,30 3,2 4 — 6,2 11,- 2,9 10 6,0 30 2,6 20 6,2 12,- 2,2 30 7,0 40 7,6 27. 30 2,0 50 7,9 1,- 1,7 5- 7,9 30 1,4 20 7,8 2,- 1,2 40 7,1 30 1,0 50 6,8 3,— 0,8 6,- 6,5 30 0,4 10 6,2 4,- 0,2 20 5,9 30 0,0 30 5,7 50 5,4 7- 5,2 20 4,8 30 4,7 50 4,5 «- 4,3 20 4,1 93 Versuch 15 und 15 1). Objekt: Diesjährige und vorjährige Kartoffel. No. 13. Datum: 4. 5. Mai Dauer: 3 Stunden Angesetzt: 4. Mai abends Ruhelage: — 0,3 Schnitt: 5. 3,25 ^^ p. m. Entfernung der Nadel: 5 mm Tiefe des Einstichs: 7 mm Verwundung: mittel bis klein. No. 15. 9. 10. Mai 4V2 Stunden 8. Mai 3.30'^ p. m. + 1,3 9. Mai 9,151^ u. 10,45»^ 6 mm u. 2 mm 10 mm groß. No. 13. No. 15. Temperatur im Glockeninnern 14,32° 15,350 15,40" Zimmer- temperatur 15,00 16,0 16,00 Ablesung Schnitt 1. Schnitt 2. Schnitt Marki( jrte Kurvenpunkte. No. 13. No. 15. No. 15. Zeit i Skt 1 Zeit Skt Zeit Skt 3,25 26 2,0 30 1,9 35 2,1 40 2,6 45 2,8 50 3,0 55 3,2 4- 3,3 10 3,5 25 3,5 40 3,5 55 3,3 5,10 8,2 45 3,1 6,20 3,0 7- 3,0 abgeb rochen 9,15 16 2,0 20 1,8 25 2,0 30 2,1 37 2,2 45 2,3 55 2,3 10,15 2,1 30 2,0 45 2,0 2. Sei initt 10,46 6,5 50 5,0 55 5,6 11- 6,5 5 7,1 10 7,5 15 7,7 20 7,5 25 7,2 11,30 7,0 40 6,4 55 5,5 12,05 5,1 20 4,5 45 4,0 1,- 4,0 15 3,9 30 3,9 45 3,9 abgebrc )chen *) Versuch 14 siehe folgendes Protokoll. HaiTy Tiessen. Über Wundwärmc im Pflanzengewcbc. 94 Versuch No. 14. Objekt: Zwei Hälften eines diesjährigen australischen Apfels. Datum: 6. 7. 8. Mai Angesetzt: 5. Mai 7, SO'' p. m. Dauer: 47 V2 Stunden Schnitt: Ruhelaffe : + ! ^o 6. Mai 9,20»» a. m. Entfernung der Nadel: 3 mm u. 4 mm Tiefe d. Einstichs: 9 mm Verwundung: groß. Temperatur im Glockeninnern Zimmer- temperatur Ablesung 14,750 I 14,790 I 14,950 14,950 I 14,900 15,40 I 15,40 6. Schnitt 15,40 15,40 p. m. I p. m. a. m. 15,40 2,301» ! 3^5oh I 9^ioh 8,50»» a. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit i Siit Zeit 1 Skt 6. 9,20 2,- 4,0 21 5,2 20 4,0 25 6,0 40 4,0 30 8,5 3,- 4,0 35 9,7 30 4,1 40 10.0 4,— 4,0 45 9^9 50 3,8 50 9,5 5,50 3,7 55 9,0 6,20 3,8 10,— 8,5 50 3,8 10 7,7 7,50 3,8 20 6,8 8,50 3,9 30 6,3 7. 40 5,8 50 5,5 a. m. 8,20 2,0 11,— 5,2 P- m. 2,50 1,8 7 20 5,0 P- ra. 8,35 2,0 40 4,7 8. 12- 20 4,4 4,2 a. m. 8,35 ±0 40 4,2 1,- 4,2 95 Versuch No. 20 und No. 21. Objekt: In beiden Versuchen junge diesjährige Rettige. No. 20. Datum: 27. Mai Dauer: 5V2 Stunden Angesetzt: 26. Mai mittags Ruhelage: — 6,6 Schnitt: 27. Mai 9^ a. m. Entfernung der Nadel: 3 mm u. 6 mm Tiefe des Einstichs: 8 mm Verwundung: mittelgroß No. 21. 29. Mai IP/4 Stunden 27. Mai 3h p. m. 3,6 29. Mai 9'' a. m. .je 7 mm 10 mm mittel No. 20. No. 21. Teinperalur im Glockeninnern 15,40 16,30 16,60 Zimmer- temperatur 15,70 17,00 17,30 Ablesung Schnitt 29. Schnitt 29. 8^ p. m. Markierte Kurvenpunkte. No. 20. No. 21, Zeit Siit Zeit Skt 9- — 9- 1 6,0 1 2,5 5 2,3 2 1,8 10 2,2 5 3,2 15 2,6 10 5,6 20 2,8 15 6,7 30 3,2 20 6,5 40 3,7 25 6,2 50 3,8 35 5,7 10,- 3,8 40 4,6 2. Seh nitt 50 3,8 10,05 3,9 10,- 3,0 10 4,5 10 2,4 15 5,1 30 1,7 25 5,5 50 1,3 30 5,4 11- 1,2 40 5,2 30 1,1 11- 4,2 1,30 1,1 15 3,8 2,30 1,1 30 3,3 3,30 1,1 12,~ 3,1 5,35 0,7 2,20 1,9 7,05 0,1 abgebrc eben 8,45 0,0 Harry Tiessen. Über Wundwäruie im Pflanzengewebe. 96 Datum : Dauer : Versuch No. 23. Objekt: Australische Äpfel. 5. Juni Angesetzt: 3. Juni 4 Stunden Ruhelage: — 3,8 Schnitt: 9,30^ a. m. Entfernung der Nadel: 3 mm u. Tiefe des Einstichs: 10 mm Verwundung: recht groß. 3'^ p. m. 4, 5 mm Temperatur im Glockeninnern : 18,0" Zimmertemperatur : 18,2". Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt 9,30 31 1,5 33 2,0 35 5,2 40 11,1 45 14,5 50 15,7 55 16,0 10,- 10 20 15,8 14,5 13,0 30 11,8 45 10,3 n- 9,5 15 30 12- 8,8 8,3 7,4 30 7,0 1- 6,9 30 6,9 abgebr ochcn. 97 Versuch No. 24. Objekt: Mairüben (Brassica rapa). Datum: 7. 8. Juni Angesetzt: 6. Juni 10V2'^ a. m. Dauer: 26 Stunden 40 Minuten Ruhelage: — 2,0 Schnitt: 7. Juni 2,20 '^ p. m. Entfernung der Nadel: 4 mm und 6 mm Tiefe des Einstichs: 12 mm Verwundung: recht groß Temperatur im Glockeninnern Zimmer- temperatur Ablesung 19,1» 20,0 Schnitt 19,250 20,0° 8. 9^^ a. m. 19,25« 20,00 8. 5'^ p. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt 7. 2,20 25 4,0 30 5,2 35 6,0 40 6,3 45 6,3 50 6,2 3- 5,9 10 5,2 20 4,3 30 3,8 40 3,2 50 2,7 4- 2,2 10 1,9 6,15 1,6 7- 2,0 8. a. m. 8,20 3,0 11,20 2,3 12,20 1,9 2,20 1,1 ^- 0,0 Beitrage zur Biologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft I. HaiTy Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 98 Versuch No. 25. Objekt: Vorjährige Kartoffel. Datum: 9. 10. 11. Juni Angesetzt: 8 Juni abends Dauer: 47 Stunden Ruhelage: -\- 1,8 Schnitt: 9. Juni 9,45'^ a. m. Entfernung der Nadel: 1 mm (?) Tiefe des Einstichs: 10 mm Verwundung: groß. Temperatur im i i aO Gloekeninuern 1 ij* 11,40 11^50 12, 1» Zimmer- 12.0" 12.2" temperatur 9. 10. Ablesung j Schnitt 5V2 p. ra. 8,30*^ I i a. m. 11,4" 12,1" 10. 5^ p. m. 11,4" 12,1" 11. 8,45h a. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt ' Zeit Skt 9. 9,45 50 4,0 10. a. m 7- 9- 3,6 3,2 10- 6,9 12,- 3,0 5 6,7 p. m 6,- 2,0 10 7,0 9,15 1,2 15 20 7,6 8,4 11. 25 40 45 50 10,4 11,9 12,5 12,5 a. m 8,10 8,45 0,2 0,0 11- 12,3 30 10,6 12- 9,0 30 1- 7,6 6,7 3- 6,0 4- 5,9 5- 6- 5,8 5,6 8,45 5,0 10- 4,8 99 Versuch No. 26. Objekt: Junge diesjährige Karotten. Datum: 26. 27. Juni Angesetzt: 24. Juni abends Dauer: 36 Stunden 20 Minuten Ruhelage: + 2?7 Schnitt: 26. Juni 9,10^ a. m. Entfernung der Nadel: 2,5 mm und 3,5 mm Tiefe des Einstichs: 10 mm klein bis mittel Verwundung Temperatur im Glockcniiiiieni Zimmer- temperatur Ablesung 19,82« 20,450 20,50 Schnitt 20,90 27. früh 20,50« 21,30 27. 9,30^ p. m. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt 26. 9,10 11 2,0 15 3,7 20 5,7 25 6,1- 30 5,5 35 4,6 40 3,9 10,10 3,8 11,10 3,7 12,10 3,5 2,30 3,0 6,30 3,2 27. a. m. 8,35 2,2 p. m. 2,30 1,4 1,1 1,0 abgebrochen 6,30 9,30 7* Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. ICD Versuch No. 27. Kontrollversuch an Kartoffeln. Die Objekte liegen ohne die schützende Glasglocke auf der Platte P an freier Luft. Datum: 13. Juni Dauer: 35 Minuten Ruhelage: schwankt langsam zwischen +2,2 und -3. Beim Durchgang durch wird Schnitt: um 4^ p. m geschnitten. Zimmertemperatur: 20,5^. Entfernung der Nadel: je 3,5 mm Tiefe des Einstichs: 1 1 mm Verwundung: groß. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt [,- I 1. Schnitt 4,01 -6,0 2 3 4 5 + 0,0 + 3,0 + 9,0 + 14,0 Schnittflächen mit Watte abgewischt 6 -1,0 7 — 2,0 7,5 8 9 10 + 0,0 + 4,0 + lOjO + 14,0 Scliiiittflächen wieder mit Watte abgewischt 11 12 + 7,0 -1,4 13 + 4,13 +0 2. Schnitt -4,5 + 0,0 4,13,2 5 ! 14 j +8,0 15 +30,0 Schnittflächen abgewischt und zwischen Watte gelegt 16,5 17 18 5 ± 0,0 -7,0 - 2,5 + 0,0 4- 36 26 Watte erneut 27 28 + « — 7,6 Watte endgültig entfernt 4,35 'M +95 abgebrochen. 101 Versuch No. 28. Objekt: Diesjährige Rettige im Thermostaten bei +120° abgetötet in wasserdampfgesättigter Atmosphäre. Datum: 16. Jimi Angesetzt: 15. Juni mittags Dauer: 6 Stunden 20 Minuten Ruhelage: — 1,8 Schnitt: 16. Juni 10,40 ^ a. m. Temperatur im Glockeninnern ; Zimmertemperatur: 15,21° 16,85« Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt 10,40 11,30 2,6 45 3,1 12,10 2,0 46 2,8 1- 1,8 48 3,2 2,30 1,2 55 4,0 3,20 0,7 11- 3,8 4- 0,5 5 3,5 5- + 0,0 15 3,1 Versuch No. 29. Objekt: Vorjährige Kartoffeln bei — 18° abgetötet in wasserdampf- gesättigter Atmosphäre. Datum: 18. Juni. Angesetzt: 17. Juni nachmittags Dauer: 3 Stunden Ruhelage: + 3,8 Schnitt: 18. Juni 9,15^ a. m. Temperatur im Glockeninnern: 16,3° Zimmertemperatur: 15,20° Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt Zeit Skt 9,15 1. Schnitt 9,45 2. Schnitt nach: 1 Min. 0.5 nach : 1 Min. 1,9 nach: 2 Std. 0,4 2 . 0> 3 s 2,1 30 Min. 0,0 3 = 0,9 5 5 2,4 7,5 = 1,6 10 ; 2,4 Dauer: 2 Std. 30 Min. 12 = 1,8 15 - 2,4 + 30 -' Dauer: 3 Std. 15 = 20 . 1,7 ],5 20 30 ^ 2,2 2,1 30 . 1,5 50 ; 1,4 1 Stunde 1,2 20 Min. 0,7 40 '- 0,6 Harry Tiessen. Über Wundwärme im Pflanzengewebe. 102 Versuch No. 30. Objekt: Durch CHCI3 abgetötete Kartoffeln in dampfgesättigter Atmosphäre. Datum: 21. Juni Angesetzt: 19. Juni abends Dauer: 4V2 Stunden Ruhelage: -f ^,^ Schnitt: 21. Juni 9,16*^ a. m. Temperatur im Glockeninnern : 16,2° Zimmertemperatur: 15,2°. Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt - 9,16 Schnitt nach: 25 Min. 8,7 nach : 1 Min. 0,4 30 = 8,3 2 i 0,7 40 * 7,0 3 5 1,3 50 -- 5,3 5 5 2,5 1 Stunde 4,2 7 * 4,2 20 Min. 2,9 8 S 5,1 50 = 1,6 10 * 6,4 2 Stunden 1,2 15 ; 8,6 3 0,6 17 « 8,7 4 0,2 20 i 8,9 4,30 = 0,0 22 i 8,8 Versuch No. 32. Objekt: Durch CHCl;, abgetötete Kartoffeln in dampfgesättigter Atmosphäre. Datum: 24. Juni Angesetzt: 23. Juni 9,30^ a. m. Dauer: 7 Stunden Ruhelage: + 1,3 Schnitt: 24. Juni 9,10^ a. ra. Temperatur im Glockeninnern: 17,63° Zimmertemperatur: ? Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt 9,10 Schnitt nach : 30 Min. 3,4 nach: 1 Min. 1,8 40 = 3,2 2 s 2,2 50 : 3,1 4 s 3,0 1 Stunde 3,0 5 ; 3,3 2 = 2,5 7 s 3,8 3V2 * 1,9 8 ; 4,0 5 1,5 9 = 4,0 7 = 0,0 10 ; 3,8 15 ; 3,2 25 ' 3, 103 Versuch No. 34. Objekt: In Wasser von 90^ abgetötete Kartoffeln in wasserdampf- gesättigter Atmosphäre. Datum: 30. Juni Angesetzt: 29. Juni p. m. 4 Uhr Dauer: nach 5 Stundeu abgebrochen Nullage: — 1,2 Schnitt: 30. Juni 9,30^ a. m. Temperatur im Glockeninnern : 20,0° Zimmertemperatur: 20,5° Markierte Kurvenpunkte. Zeit Skt Zeit Skt 9,30 Schnitt 10,- 3,6 31 2,0 10 3,7 32 2,3 25 3,4 35 2,8 11- 2,7 40 3,0 12- 2,5 45 3,2 2,30 1,9 50 3,4 abgebrochen. 55 3,5 Versuch No. 37. Objekt: Durch CHCI3 abgetötete vorjährige Kartoffeln in reiner CO2. Datum: 7. Juli Dauer: nicht beobachtet, da Demonstrations versuch Angesetzt: inlclusive dreistündigen COaStroms 6. Juli 12 Uhr. Ruhelage: -\- 2 Schnitt: 7. Juli 9^^ a. m. Temperatur: 20,0°. Markierte Kurvenpunkte. Bemerkung: Der wahrscheinliche Kurvenverlauf ist in der Tabelle durch eine punktierte Linie angedeutet. Zeit Skt Zeit Skt . 9,- — Schnitt 10,1 + 2 2,0 5 — 1,6 5 2,0 10 2,5 10 2,3 20 3,0 15 2,7 30 2,4 20 2,7 45 0,7 25 2,4 11- + 0,4 35 1,3 45 0,2 10,- + 1,3 Die austretende Flüssigkeit wird durch Watte weg- genommen. TäC * "^' t 1. vit«^ " tir IM -uDt.. -TtIL .£sc ^ä:- A — ä. J-L- ca_ — «s la^ 3-' 3« -TJ U. s.— 3- lam^sg^ 11- Je ■MrT ^ 3 £ ar_^' = Ix. :a. =tT 4# «JR Erklärung zu den beiden Kurventafeln. Aus Gründen technischer Schwierigkeiten bei der Reproduktion mußte davon Abstand genommen werden, alle Kurven in entsprechender Länge der Arbeit beizufügen. Da nun die für die Arbeit charakteristischen Vorgänge sich in den ersten Stunden der Experimente einstellten, schien es geboten, wenigstens die Anfänge einer Anzahl von Kurven (9, 15, 21, 23, 25, 26) zu repro- duzieren. Die betreffenden Kurven in der Tafel I, welche die einzelnen Versuchsnummern tragen, sind abgebrochen, sobald dieselben in einen stationären Zustand übergehen. Durch Kurve 27 wird der Kontrollversuch (s. S. 100) repräsentiert. Um über Dauer und Verlauf eines ganzen Experimentes eine An- schauung geben zu können, ist in der Tafel I unten der Abszissenmaßstab des in seiner ganzen Länge dargestellten Versuchs 25 auf Vs des für die übrigen Kurven angewendeten Maßstabes verkleinert. Dadurch, daß der Ordinatenmaßstab aus Gründen besserer Übersichtlichkeit unverändert ge- blieben ist, sieht der Kurvenabfall steiler aus, als es der Wirklichkeit ent- spricht. Der Anfang derselben Kurve ist in der Tafel links oben dargestellt, so daß man aus dem Vergleich bei den Reproduktionen entnehmen kann, welche Länge der Kurve 25 im oberen Maßstab entspräche und wie langsam der Abfall erfolgt. In Tafel II sind 5 Kurven der Versuche mit abgetöteten Objekten wiedergegeben (32, 34, 37, 41, 42), die durch den Text ihre genügende Erklärung finden. Zur Biologie einiger xerophiler Farne. Von Reinhold Schaede. (Mit Tafel III,^ IV.) Wenn unter den Farnen, die sich seit ihrem Auftreten durch die relative Größe und Zartheit ihrer Blätter und besonders durch die Ausbildimg der an Wasser unbedingt gebundenen geschlechtlichen Generation als Schattenptianzen dokumentieren, auch Xerophyten nicht selten sind, so drängt sich die Frage auf, wie denn so große Gegen- sätze entstanden sein mögen. Der Grund dafür liegt offenbar in der leichten Verbreitungsmöglichkeit und in dem derben Membranschutz ihrer Sporen; denn wenn diese vom Winde fortgetragen werden, so gelangen sie auch auf Felsen, Bäume und andere wasserarme Plätze. Keine Gegend unserer Erde ist absolut trocken, und wenn nun ein Regen fällt, so keimen die Sporen aus, es entwickelt sich das Pro- thallium, der Geschlechtsapparat und schließlich die junge Farn- pflanze. So sind Bedingungen gegeben, die im Verlaufe der Phylogeuie einer Anpassung an neue Verhältnisse Vorschub leisten müssen. Jeden- falls haben sich die Farne für ihre Existenz ein neues Feld geschaffen, wohin ihnen aus der ungeheuren Zahl der höheren, die niederen Formen unterdrückenden und verdrängenden Pflanzen nur wenige folgen konnten. So ist es zu erklären, daß es unter den Farnen eine verhältnismäßig große Zahl von Epiphyten, Halophyten und Xerophyten gibt. Über xerophile Farne haben bereits mehrere bekannte Forscher berichtet, und ihre Untersuchungen haben ergeben, daß die Schutz- einrichtungen dieser Farne gegen allzu starke Beleuchtung und Transpiration denen der höheren Pflanzen sehr nahe kommen. Aber es wurde auch darauf hingewiesen, daß es Farne gibt, die in ihren Schutzeinrichtungen von dem allgemeinen Typus abweichen^). Hier- her gehören besonders diejenigen, deren Fiedern oder Stiele bei Eintritt der Trockenheit eine Krümmung oder Einrollung ausführen, und die Frage, wie diese Bewegungen zu Stande kommen und wie 1) Vergleiche hierzu H. Christ, Die Geographie der Farne. I. Teil, sowie die im Literaturverzeichnis angegebenen Abhandlungen von Borzi, Sadebeck in Engler-Prantl, Pflanzenfamilien, Goebel, Kramer, Saporta und Schimper. Reinhold Schaede. Zur Biologie einiger xerophiler Farne. lOS sie mit anderen Schutzeinrichtungen in Verbindung stehen, ist bisher unbeantwortet geblieben i). Auch die Farne mit Schuppen- und Wachsbedeckung auf der Blattunterseite sind hier zu erwähnen; sie leben vorwiegend an trockenen, besonnten Orten, und es liegt daher nahe, zu vermuten, daß Schuppen und Wachs schützende Mittel gegen zu starke Transpiration und Insolation sind; eine Erklärung ihrer Wirkung im Zusammenhang mit den Bewegungserscheinuugeu ist damit aber nicht gegeben. Meine Untersuchungen erstrecken sich auf folgende Farne. Schuppenbedeckung wiesen auf Ceterach officinarum (St. Canzian, Karst), Nothochlaena Marantae (Südfrankreich), N. sinuata (Mexiko); mit einer Wachsschicht bedeckt waren Nothochlaena nivea (Mexiko), Cheilanthes farinosa (Mexiko), Ceropteris calomelanos (Mexiko); Bewegung allein besaßen Asplenium Petrarchae (Spanien), A. tricho- manes (St. Canzian, Karst), A. adulterinum (Böhmen), A. septeutrionale (Istrien), A. germanicum (Istrien) und Actiniopteris radiata (Abessinien). Als Vergleichsobjekte untersuchte ich noch Asplenium viride, A. Adiantum nigrum (Böhmen) und A. serpentini (Böhmen). Verwendet wurde fast ausschließlich getrocknetes Material. Um dies zur Untersuchung brauchbar zu machen, wurde es in kaltes Wasser gebracht, dem Formalin zugesetzt war. Diese Flüssigkeit bewirkte eine vollkommene Wiederausbreitung der Blätter, ja mau konnte an ihnen die Bewegungen fast wie am lebenden Material beobachten. Zum Studium des anatomischen Baues dienten zum allergrößten Teile Mikrotomschnitte von 10 ij., die aus in Paraffin eingebettetem Material hergestellt wurden. Die Schnitte wurden mit Fuchsin gefärbt und zwar, um das Ablösen zu vermeiden, auf vereinfachte Weise, indem sie in Xylol-Alkohol gebracht wurden, dem bis zur Sättigung Fuchsin zugesetzt war. Nachdem sie dann mit Xylol-Alkohol abgespült waren, erfolgte die Einbettung in Xylol-Kolophonium in der üblichen Weise. Wenn das Gewebe auf diesen Schnitten auch häufig ein wenig kontrahiert war, so gewährten doch gerade sie einen Einblick, wie sich die Zellen bei Wasserverlust, d. h. im xeromorphen Zustand, verhalten. Auch konnten ja stets zum Vergleich Freihandschnitte hergestellt werden. Bevor ich meine Ergebnisse mitteile, wird es nützlich sein, sich die Hauptgesichtspunkte zu vergegenwärtigen, unter denen die Xero- phyten betrachtet werden müssen. Bei eintretendem Wassermangel müssen sie Gasaustausch und Lichtgenuß möglichst einschränken, denn bei ungenügender Versorgung mit Wasser und Kohlensäure würde der Pflanze das Sonnenlicht jedenfalls eher schädlich als nützlich sein. 1) Sadebeck in Engler-Prantl, PHanzenfaniiUen, I. Abt. IV., S. 77, Xero- tropismus. 109 Wenn uim einige Farne auf der Unterseite ihrer Blätter Schuppen- oder Wachsbedeckimg tragen, so werden sie dadurch den Gasaustaiisch herabsetzen können, aber die Hauptsache wird die Ausschaltung der Sonnenstrahlen sein, und diese wird erzielt durch das Einrollen der Fiedern oder des ganzen Blattes nach oben, wodurch dem Eindringen des Lichtes durch dicke Schuppendecken und Wachsschichten erheb- licher Widerstand entgegengesetzt wird. Andrerseits werden bei einem Regenfall im Innern der eingerollten Blättchen und zwischen den Schuppen Tröpfchen zurückgehalten, wie es von vielen Moosen und einigen epiphytischen Bromeliaceen bekannt ist, und dieses Wasser wird für die Xerophyten einen Teil des ihnen überhaupt zur Verfügung stehenden bilden. Über die Art der Wasser- aufcahme wird deshalb in einem besonderen Abschnitte berichtet werden. Das bekannteste unter den schuppentragenden Farnen ist Ceterach officinarum. Die Bewegung und Anatomie seines Blattes hat bereits Borzi^) eingehend untersucht, erstere aber nicht zu erklären vermocht. Auf diese sonst ausgezeichneten Beobachtungen wird noch eingegangen werden. Es sei hier nur kurz erwähnt, daß im Trockenzustand die abwechselnd stehenden Fiederblättchen sich bei ihrer Krümmung nach oben in die gegenseitigen Zwischenräume schieben, etwa wie es die Finger beim Falten der Hände tun, während die Spitze des Gesamt- blattes sich nach innen neigt. Bau und Entwickelung der Schuppen brauchen an dieser Stelle nicht erörtert zu werden, da sie bereits bekannt sind 2), Höchst bedeutungsvoll für die Xerophyten ist aber die Eigenschaft der Schuppen, die Sonnenstrahlen zu reflektieren. Unter dem stereoskopischen Mikroskop betrachtet zeigen die Schuppen sämtlicher untersuchter Farne einen starken Perlmutterglanz, und läßt man das Sonnenlicht direkt auf sie auffallen, so ist es in Folge der Fülle des reflektierten Lichtes unmöglich, irgend etwas zu erkennen, nur eine hellglänzende Fläche ist sichtbar. Selbst eine im zerstreuten Tageslicht aufgenommene Mikrophotographie (Tafel IH, Fig. 1) zeigt trotz richtiger Einstellung an einigen Stellen weiße Flecken, in denen alle Einzelheiten verschwimmen, so stark war die Einwirkung des reflektierten Lichtes auf die photographische Platte. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß ein großer Teil des auffallenden Sonnen- lichtes sogleich durch die Reflektiou unschädlich gemacht wird, ein weiterer Teil beim Hindurchgehen durch die bräunlichen Schuppen- lagen absorbiert und der Rest gerade genügen wird, um eine dem 1) A. Bor zi, Xerotropismo nein felci. Nuov. Giorn. Bot. XX. 1888. S. 480. ") Sadebeck in Engler- Prantl, Pflanzeufamilien 1. Abt. IV, S. 59, und Ch. Lürssen, Die Farnpflanzen oder Gefäßkryptogamen. Rabenhorst's Kryptogamen- flora III, S. 152. Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 110 herabgesetzten Gasaustausch entsprechende Assimilation zu unter- halten. Ich verweise hier auf ganz ähnliche Eigenschaften der Schuppen einiger epipby tischer Bromeliaceen, über die Baumert experimentelle Untersuchungen angestellt hat. i) Fast genau so ist die Schutzeinrichtung von Nothochlaena Marantae. Eine kurze Notiz über dieses Farn findet sich ebenfalls bei Borzi im Anschluß an Ceterach officinarum. Von seinen doppelt gefiederten Blättchen krümmen sich die Fiedern zweiten Grades, die äußeren Teile der Fiedern ersten Grades und das Ende des Gesamtblattes nach oben und innen. Es sei hier gleich bemerkt, daß bei der Mehrzahl der untersuchten Farne das Ende des Gesamtblattes einem der untersten Fiedern in seiner Gestalt, dem anatomischen Bau und den Bewegungen fast gleich ist. Das ledrige Blatt zeigt in seinem Querschnitt eine aus großen, dickwandigen, ein wenig längs gestreckten Zellen bestehende obere Epidermis, deren Querwände wie bei den meisten Farnen gewellt und ineinander gekeilt sind. Diese Zellen enthalten nur hier und da einige Chlorophyllkörner. Daran schließt sich ein ein- bis zwei- schichtiges Palisadenparenchym, und darunter liegt ein dichtes Schwammgewebe mit sehr kleinen Interzellularen und Atemhöhlen. Die Zellen der unteren Epidermis sind denen des Schwammparenchyms ungefähr gleich, enthalten aber nur wenig Chlorophyll. Die Spalt- öffnungen sind nicht versenkt, wie man es bei einem Xerophyten erwarten sollte, sondern liegen in gleicher Höhe mit den Epidermis- zellen, ja sie sind mitunter ein wenig über sie emporgehoben. Da die Spaltöffnungen der untersuchten Farne noch näher besprochen werden sollen, braucht an dieser Stelle auf ihre Eigenschaften nicht eingegangen zu werden. Obere und untere Epidermis sind von einer Cuticula überzogen. Die der oberen Epidermis ist bedeutend dicker als die der unteren, und im Vergleich zur Mehrzahl der Farne, bei denen sie nur durch Behandlung mit Schwefelsäure festgestellt werden kann, ist sie als sehr dick zu bezeichnen. Wichtig ist die Anordnung der Epidermiszellen, wie bei der Erklärung des Bewegungsmechanismus gezeigt werden wird. Sie ziehen sich nämlich ganz regelmäßig in bogenförmigen, nach dem Blattgrund zu konkaven Reihen nach dem Blattrand hin. Eine Erscheinung, die schon bei vielen Farnen beobachtet worden ist, ist der dünn ausgezogene und nach unten umgeschlagene Blatt- rand, der zum Xeromorphismus wohl keine Beziehung hat, sondern *) Beiträge zur Biologie der Pflanzen. Bd. IX. Zweites lieft. Breslau 1907. R. Baumert, Experimentelle Untersuchungen über Lichtschutzeinrichtungen au grünen Blattern. 111 einen Ersatz des hier mangelnden oder nur schwach ausgebildeten Indusiuni darstellt. In das Zellgewebe eingesprengt fand ich bei einem Blatte dicht mit nadelförmigeu Kristallen angefüllte Zellen. Oft lagen sie zu zweien bis dreien nebeneinander und bildeten einen zapfenförmigen Komplex, der durch die ganze Tiefe des Blattes von der oberen bis zur unteren Epidermis hindurch verlief. Die Nadelstruktur war be- sonders gut zu erkennen an Stellen, wo das Mikrotommesser die Zellwände zufällig zerrissen hatte und die Kristalle nicht so dicht lagen. In unverletztem Zustande schließen sich die Nadeln zu Sphärokristallen von gelblicher Färbung zusammen (Tafel IV, Fig. 7). Sie waren nur festzustellen an Paraffinmaterial, das also vorher in Alkohol und Xylo! gelegen hatte, au anders behandelten Stücken des- selben Blattes konnten sie nicht gefunden werden; sie müssen sich also im Alkohol oder Xylol gebildet haben. Bei der mikrochemischen Unter- suchung zeigten sie alle Merkmale, die Zimmermann^) für das Glykosid Hesperidin angibt. Volle Sicherheit hierüber habe ich jedoch nicht erlangen können, denn die Untersuchung mit so geringen Mengen unter starker Vergrößerung ist recht schwierig. Äußerlich ist an den Blättern nichts von den Kristallen zu sehen, und ich habe Hunderte von Schnitten eines anderen Blattes durchmustert, ohne die Kristalle zu finden. Ob die Anhäufung eines Glykosids in gewissen Zellen mit dem Xeromorphismus zusammenhängt, kann natürlich auch nicht entschieden werden, es wären dazu Beobachtungen von frischem Material notwendig, über dessen Standort man dann auch genau unterrichtet sein würde. Nothochlaena sinuata übertrifft das eben geschilderte Farn an Dichtigkeit und Härte des Blattgewebes, sowie an Ausbildung der Schuppendecke bei weitem. Die langen Blätter sind einfach gefiedert und besitzen zwischen den schmalen, länglichen Fiedern große Zwischenräume, wodurch sie den Sonnenstrahlen nur wenigFläche bieten. Bei Eintritt von Trockenheit krümmen sich die Fiedern nach oben und innen, wie man eine hohle Hand macht. Die obere Epidermis der Blätter ist von einer Cuticula überzogen, die noch viel dicker ist als die von Nothochlaena Marantae. Die Epidermiszellen selbst haben stark verdickte Wände und sind seitlich durch Tüpfel von sehr verschiedener Größe miteinander verbunden. Die Tüpfel sind im Querschnitt der Membran nicht zu erkennen, sondern nur in der Aufsicht (Tafel IV, Fig. 9). Die Zellmembran ist äußerst zähe und läßt sich mit dem Mikrotom gerade noch schneiden, in Wasser gequelltes Material ist fast wie Kautschuk schmiegsam, und nur 1) Zimmermann, Die botanische Mikrotechnik. Tübingen 1892. S. 91. Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 112 solches, das läugere Zeit in Formalinlösung gelegen hatte, war für Freibandscbuitte brauchbar. Die Anordnung der Epidermiszellen und der Bau des übrigen Blattes entspricht dem von Nothocblaena Marantae, doch sind die einzelneu Zellen größer und das Blatt daher dicker. Eigenartig und zweckmäßig ist das Schuppenkleid ausgebildet. Der Stiel und die Unterseite der Blätter sind von meist weißlichen Schuppen bedeckt, und die am Blattrand gelegeneu sind um diesen umgeschlagen, so daß sie mit ihren Spitzen auf die Oberseite herüber- ragen. Sie liegen neben- und übereinander regelmäßig wie Dach- ziegeln. Unter diesem Dache befinden sich reich verästelte Haare von Gestalt kleiner Bäurachen; ihre Zweige sind ineinander verflochten und bilden einen dichten Filz. Diese Haare bedecken bei jüngeren Exemplaren auch die Blattoberseite mit einem dünnen, weißen Über- zug. Jedes Fiederblatt ist also in eine Schicht gehüllt, in der die Luft nur sehr schwach zirkulieren kann, und die Unterseite, die Seite, die bei Trockenheit den Sonnenstrahlen dargeboten wird, ist außerdem noch von einer reflektierenden Schuppendecke geschützt. Von den xeromorphen Farnen, die zu ihrem Schutze eine Wachs- schicht auf der Unterseite der Blätter tragen, sei zuerst Nothocblaena nivea genannt. Bei diesem Farn unterscheiden sich die Pflanzen, die an sehr trockenen Standorten gewachsen sind, von denen günstigerer Plätze ganz bedeutend, aber fast nur in ihrer äußeren Erscheinung, während ihre Anatomie gleich ist. Die Exemplare von trockenen Standorten sind kleiner, weniger gefiedert, die einzelneu Fieder- blättchen sind größer und dicker, und vor allem ist ihre Wachsschicht viel stärker, ja es findet sich auch eine geringe Wachsausscheidung auf der Oberseite, wo dann in Abständen kleine weiße Punkte sicht- bar sind (Tafel III, Fig. 6). Das Wachs überzieht die Unterseite aller hier vorliegenden Farne mit einer gleichmäßigen Schicht, die nur hier und da von einem Riß unterbrochen ist. Es wird ausgeschieden durch Haare von folgendem Bau. Eine längliche, auf der Epidermis aufsitzende Zelle trägt eine kopfförmige Zelle, welche das Wachs sezerniert, dessen zusammenhängende Decke infolgedessen um die Länge des Haares von der Epidermis absteht, wodurch eine luftstille Kammer geschaffen wird. Beide Zellen sind durch große Kerne ausgezeichnet, die ja sezernierenden Organen gewöhnlich eigen sind. Bei allen von mir untersuchten Wachsfarnen waren die Haare von gleicher Gestalt und nur in ihrer Größe verschieden. Das Wachs selbst hat nicht dieselbe chemische Beschaffenheit wie anderes Pflanzenwachs, denn es wird auch von wenig konzentriertem Alkohol bis auf geringe Rückstände gelöst. Es wird sich also wahrscheinlich um eine fett- artige Substanz handeln. Durch den Wachsüberzug sind die Farne 113 uatüilich nur schwer benetzbar, und man kann behaupten, daß die stark xeromorphe Form von Nothochlaena nivea überhaupt unbenetzbar ist, denn ihre Blättchen schwammen noch nach 6 Monaten auf der Formalinlösung umher. Die Bewegung des letztgenannten Farnes ist der der Schuppen- farne gleich, jedoch viel intensiver, die Fiederblättchen rollen sich ganz in sich selbst zusammen, und an Exemplaren im xeromorphen Zustand ist von ihnen nichts zu sehen als kleine, verkrümmte, von weißem Wachs bedeckte Knötchen, von deren eigentlicher Gestalt man sich gar keine Vorstellung machen kann. Die Anatomie der Blätter von Nothochlaena nivea ist recht einfach und bei weitem nicht so differenziert wie bei den Schuppenfarnen. Allgemein sind die Blättchen dünn und zart, von einem Palisaden- parenchym kann nicht die Kede sein, sie besitzen nur ein Schwamm- parenchym von 4 — 5 Schichten mit kleinen Interzellularen und Atem- höhlen. Die Zellen der oberen und unteren Epidermis sind größer als die des Mesophyll, die der oberen wiederum größer als die der unteren, welche im Gegensatz zu den chlorophylloseu oberen Epidermis- zellen einige Körnchen führen. Eine dünne Cuticula umhüllt das ganze Blatt. Die Spaltöffnungen sind ein wenig versenkt; über ihren sonstigen Bau sei auf eine spätere Stelle der Arbeit hingewiesen. Cheilanthes farinosa ist Nothochlaena nivea im anatomischen Bau der Blätter recht ähnlich, doch findet sich in den Zellen der oberen Epidermis etwas Chlorophyll und die der unteren sind denen des Mesophyll an Größe gleich. Die Bewegung der zweifach, in den unteren Teilen auch dreifach gefiederten Blätter erfolgt analog der bei Nothochlaena Marantae beschriebenen, und zwar, da die Blättchen zart und biegsam sind, so weit, daß nur ihre von Wachs bedeckte Unterseite von den Sonnenstrahlen getroffen werden kann. Unter den beschriebenen Farnen nimmt Ceropteris calomelanos eine Sonderstellung ein; es hat mit ihnen eigentlich nur das Prinzip des Bewegungsmechanismus gemeinsam und weicht im übrigen gänzlich von ihnen ab. Die Bewegung selbst geht nicht von den Blättern, sondern von Teilen des Stieles aus, an den die Fiedern ersten Grades mit breiter Basis angeheftet sind. Die unteren Fiedern des Blattes sind ihrerseits gefiedert, die Fiederchen zweiten Grades ver- halten sich wie die des ersten oben am Blatt. Von der Blattbasis zieht sich am Stiel, einem Flügel gleich, bis zum nächsten Fieder ein Streifen, der sich vom Stiel durch Kontraktilität, mangelnde Ver- holzung und geringe Bräunung, vom Blatt aber durch die quadratische Form seiner Zellen unterscheidet. Dieser Streifen ist der Träger des Bewegungsmechanismus. Beitrage zur Biologie der Pflanzen, BU. XI. Heft I. 8 Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 114 Das Blatt zeigt folgenden Bau. Die obere Epidermis besteht aus langen, zylindrischen, chlorophylllosen Zellen, deren spitze Enden ineinander gekeilt sind. Sie haben dicke Außen- und Seitenwäude, laufen den Blattnerven parallel vom Blattgruud nach der Spitze und dem Rande, und ihre cutinisierte Außenseite ist stark glänzend, als trüge sie einen Lacküberzug. Ein Palisadenparenchym ist nicht vor- handen, dagegen wird das Schwammparenchym vermöge seiner Ge- staltung einer Armpalisade in Wirkung ungefähr gleichkommen. Seine Zellen sind länglich und zeigen nach allen Seiten regelmäßige Ausbuchtungen, welche entsprechende der Nachbarzellen berühren; dazwischen liegen enge Interzellulargänge. Alle Zellen des Mesophyll laufen denen der oberen Epidermis parallel; man kann also durch geeignete Wahl der Schnittebene ein Bild erhalten, auf dem sämtliche Zellen parallel in Reihen von gleichen, durch die Ausbuchtungen bedingten Abständen, unterbrochen von regelmäßig folgenden Inter- zellularen, liegen. Die untere Epidermis ist wie die obere chlorophylllos^ doch sind ihre Zellen kurz, dünnwandig und tragen die Wachsdrüsen. Die unteren Teile des Mesophyll fanden sich stets dicht augefüllt mit Stärkekörnern. Ob ein Zusammenhang dieser Erscheinungen mit dem Xeromorphismus besteht, wird sich wohl nur durch Beobachtung frischen Materials teststellen lassen. Zu erwähnen wäre auch noch, daß der Rand der Fiederblättchen ähnlich wie bei Xothochlaena Marantae nach unten umgeschlagen ist; sind die Blättchen fertil, so l)ilden sie zum Schutze der Sori fast eine Röhre. Wenn so die Schutzeinrichtungen der behandelten Farne, soweit sie Schuppen- oder Wachsdecken in Verbindung mit der noch zu erörternden Einrollung betreffen, recht leicht verständlich sind, so stößt man bei anderen, die außer der Bewegung keine äußerlich sichtbaren Schutzmittel gegen Dürre und Sonnenlicht besitzen, doch auf recht erhebliche Schwierigkeiten. Ihre Bewegung ist der der Schuppen- und Wachsfarne nicht völlig gleich, wenn sie auch auf derselben Grundlage beruht. Es handelt sich mit Ausnahme von Asplenium septentrionale und Actiniopteris radiata nicht um eine einheitliche Einrollung, sondern um eine allgemeine unregelmäßige Schrumpfelung und Faltenbildung in der Längsrichtung des Blattes zwischen den Nerven in der AVeise, daß die konvexen Seiten der Falten an der Oberseite und die konkaven an der Unterseite der Blätter liegen. Für diese Farne hat es ja auch gar keine Bedeutung, den Sonnenstrahlen eine bestimmte Seite darzubieten, sondern sie müssen die transpirierende Fläche möglichst verringern, da sie keinen anderen Schutz gegen Gasaustausch und Wasserverlust haben. Borzi hat in der früher genannten Abhandlung die Oberilächenverringerung resp. Zunahme in Prozenten angegeben. 115 Ferner wird diesen Farueu ohne Ausnahme die Fähigkeit zu- gesprochen werden müssen, daß sie während der Trockenperiode ihre Lebenstätigkeit so gut wie ganz einstellen, um sie unter günstigeren Bedingungen sofort wieder aufzunehmen. Solche Beobachtungen sind von Saporta^) an Asplenium Petrarchae gemacht worden, und alle Einrichtungen dieser Farne sprechen dafür. Da sich meine Unter- suchungen vorwiegend auf einheimische, allgemein bekannte Farne erstrecken, so kann ich mich bezüglich ihrer Beschreibung und Anatomie auf das Notwendigste beschränken; nur von Aspl. Petrarchae und Actiniopteris radiata wird mehr mitzuteilen sein. Saporta schreibt in seiner Notiz über Asplenium Petrarchae, daß dieses Farn nur an sonneudurchglühten Kalkfelsen zu finden ist, daß es während des dürren Sommers gänzlich vertrocknet erscheint und nur bei Kegenfällen und im Herbst wieder auflebt. Mit einem so ausgesprochenen Xerophyten zu beginnen, wird vorteilhaft sein. Im trockenen Zustand sind seine Blätter ganz in sich gekrümmt, die einzelnen Fiederchen sind nach unten eingerollt und zusammengefaltet, dicht an den Stiel gepreßt, und lassen ihre sonstige Gestalt garnicht erkennen. Man könnte von einem solchen Exemplar schwerlich mit Gewißheit sagen, um was für eine Pflanze es sich eigentlich handelt, am wenigsten aber würde mau glauben, daß es im Stande sei, in kurzer Zeit seine Lebenstätigkeit wieder aufzunehmen. Bringt man aber ein Blatt, selbst von Herbarienmaterial, in kaltes Wasser, so ist es in IV2 bis 2 Stunden vollkommen wieder ausgebreitet; andere Farne brauchen dazu ebensoviele Tage. Auffällig ist die starke Oberflächenvergrößerung; das Blatt scheint sich in die Länge gestreckt zu haben, und die Fiedern stehen jetzt dicht nebeneinander, ganz ausgebreitet, den Rand muschelförmig nach unten gebogen. Ihre Fläche ist dem Stiel nicht parallel gerichtet, sondern sie bilden nach der Horizontalen zu gedreht einen Winkel mit diesem, ganz wie bei Asplenium adulterinum und A. trichomanes. Auch der anatomische Bau der Blättchen ist dem von A. tricho- manes sehr ähnlich. Obere und untere Epidermis wie auch der Stiel tragen ein spärliches Kleid einzelliger Haare, die an ihrer Spitze kugelförmig aufgetrieben sind (Tafel IV, Fig. 8). Der Erklärung ihrer Funktion kommt ein besonderer Abschnitt dieser Arbeit zu. In den um den Blattrand gelegenen Epidermiszellen, in einigen unter den Gefäßbündeln sowie am Rande des Indusiums fand sich eine Anhäufung sehr kleiner Körnchen. Sie färbten sich mit Jod-Jod- kalium dunkelbraun und mit Fuchsin intensiv blaurot, ebenso wie die 1) Saporta, G. de, Notice .sur rAsplenium Petrarchae. Bull. Soc. Bot. France XIV. 1S67. S. 179. 8* Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 116 eiweißfülnendeu Teile der Gefäßbündel der meisten anderen Farne. Es handelt sich um Proteinkörnchen. Über ihren Zweck und Zusammen- hang mit dem Xeromorphismus kann auch hier nur eine Untersuchung lebenden Materials entscheiden (Tafel IV, Fig. 2). Auffällig sind bei allen xerophilen Asplenium-Arten die verhältnis- mäßig großen luterzellularräume, die in keinem Vergleich zu denen der AVachs- und Schuppenfarne stehen, bei denen sie, wie gesagt, sehr klein sind. Es erklärt sich hieraus ihre Fähigkeit weitgehendster Kontraktion und Zusammenfaltung, die bei anderen xerophilen Farnen schon durch die Dichte des Gewebes unmöglich gemacht werden würde. Diesem Farn am ähnlichsten bezüglich seines Xeromorphismus ist das einst viel umstrittene Aspleniuni adulterinum, das von Sade- beck^) als Serpentinform von A. viride erkannt worden ist. Daß man es unbedingt unter, die Xerophyten zählen muß, zeigt ein Ver- gleich mit seiner Stammform. Die ausgeprägte Krümmungsbewegung ist bei letzterem nicht vorhanden. Auf dem Querschnitt zeigt ein Blatt von A. adulterinum die doppelte bis dreifache Dicke eines solchen von A. viride, und der Bau seiner Spaltöffnungen schließt sich an den von A. Petrarchae und A. trichomanes eng an, wovon noch die Rede sein wird. Wohl zu beachten ist auch die Gestaltung seines Stieles, der fast bis an die Spitze dunkelbraun gefärbt ist und nur in dem obersten grünen Teile Spaltöffnungen besitzt, während sie bei A. viride über den ganzen grünen Stiel verbreitet sind. Zum Vergleich untersuchte ich nun noch kurz ein anderes Farn und seine Serpentinform, Aspleniura adiantum nigruui und A. serpen- tini, und fand hier ganz ähnliche Verhältnisse, besonders den gleichen Unterschied in der Dicke der Fiedern. Wenn Borzi in seiner genannten Arbeit sagt, Asplenium tricho- manes besitze eine äußerst empfindliche, zu anderen Farnen im Gegensatz stehende Art der Bewegung, so wird das jeder, der dieses Farn einmal beobachtet hat, bestätigen müssen. Denn seine Fiedern drehen sich wie mit einem Scharnier um den Stiel nach rückwärts, und erst, wenn sie ihre Unterseiten einander zugekehrt haben, be- ginnen sie sich etwas einzurollen. Tatsächlich besitzt jedes der stiellosen Fiederchen eine Art Gelenk, das von seinem der Kachis ansitzenden Teile gebildet wird. Ein Längsschnitt durch den Blattgrund möglichst durch die Mitte und parallel dem Blattnerv läßt den Bau des Gelenkes erkennen (Tafel III, Fig. 2). Von den dunkelbraun gefärbten Zellen der Kachis hebt sich das Blattgewebe scharf ab, und in ihm tritt wieder der Blattnerv 1) Vergl. Lürssen, Die FaniiiHiur/cn. Rah onlioist "s Kryptogamen- flora. S. 880. 117 hervor, der das Gewebe in zwei dem Bau nach verscliiedene Teile scheidet. Der unter der oberen Epidermis liegende Abschnitt zeigt im Gegensatz zu dem der unteren anliegenden kleine Zellen, von denen nur wenige an der Rachis verdickte Wände haben. Besonders gestaltet sind aber die oberen Epiderraiszellen selbst, die im Längs- schnitt sehr lang und wenig hoch sind, also leicht biegsam sein werden (Tafel III, Fig. 2a). Vom Beginn der eigentlichen Blattspreite an sind die Zellen wieder höher und kürzer, dem Bau der oberen Epidermis dieses Farnes entsprechend (Tafel III, Fig. 2c). Der andere Teil unter dem Blattnerv besteht aus großen, rhombischen bis quadratischen Zellen mit größtenteils verdickten Wänden. Sie sind Jedoch nicht verholzt wie die der Rachis, sondern vollkommen elastisch (Tafel III, Fig. 2 b). Fast an derselben Stelle, wo die Zellen der oberen Epi- dermis in ihrer Gestalt wechseln, werden auch die der Unterseite kleiner und länger (Tafel III, Fig. 2c). Wenn nun Wasserverlust eintritt, so werden sämtliche Zellen eine Volumenverminderung erleiden, und zwar werden vermöge des noch zu erklärenden Mechanismus gerade die dickwandigen Zellen auf der Unterseite sich - zuerst und am kräftigsten zusammenziehen. Die verholzten Teile des Blattnervs verhindern eine Bewegung des gesamten Blattgewebes auf die Rachis zu, und da die Zellen der Oberseite, durch ihre Gestalt und unver- dickte Wände ausgezeichnet, leicht biegsam sind, so klappt das Blatt nach rückwärts um. A. trichomanes stellt also seine Fiedern den Sonnenstrahlen parallel und vermeidet dadurch eine zu starke Insolation. Die letzte Gruppe der von mir untersuchten Farne weicht von den beschriebenen durchaus ab. Wohl besitzen auch ihre Blätter Bewegung, aber sie ist anderer Art und beruht auf anderer, ein- facherer Grundlage, man könnte sie wohl mit den Faltblättern der Stipa- und Festuca-Arten vergleichen, denen besonders Actiniopteris radiata nahekommt, abgesehen von ihren sonstigen Eigenschaften. Das in seiner Gestalt schon an ein Gras erinnernde Aspleniam septentrionale sei hier zuerst genannt. Offenbar muß die weitgehende Reduktion seiner Oberfläche einen bedeutenden Vorteil mit sich bringen für seine Existenz in starker Besonnung an freiliegenden Felsen und Mauern, seinem gewöhnlichen Standort. Tritt der xeremorphe Zu- stand ein, so ist von dem Blatt dieses Farns nur ein schmales schräg-spiralig nach der Unterseite eingerolltes Band zu erkennen, das ein Laie zweifellos für einen vertrockneten Grashalm halten würde. Die Einrollung ist jedoch nur eine sekundäre Folge der eigentlichen Trockenbewegung, wiewohl sie für das Farn natürlich einen gewissen Nutzen haben kann. Wenn A. septentrionale auch äußerlich isolateral erscheint, so ist es doch anatomisch deutlich bifacial gebaut. Die Unterseite ist Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 118 sofort au den Spaltöffnungen zu erkennen, und zwar liegen diese in seichten Rillen, die längs der Lamina und des Stieles herablaufen. Letzterer zeigt überhaupt, abgesehen von seiner geringeren Breite gleichen Bau wie die Fiedern. Neben diesen Rillen liegen Streifen von Zellen mit verdickten aber unverholzten Wänden. Auf der Blatt- unterseite gehören sie nur der Epidermis an und sind auch nur auf der Außenseite unter der Ciiticula verdickt, auf der Blattoberseite dagegen liegen ein bis zwei Schichten ringsum verdickter Zellen hintereinander (Tafel IV, Fig. 1). Sie sind sämtlich sehr lang und haben spitze, ineinander gekeilte Enden. Ein jeder solcher Streifen bildet also ein ununterbrochenes, längs des Blattes und Stieles laufendes Sklerenchymband, das aus lebenden, elastischen Zellen besteht. Die zwischen den Bändern liegenden Partien der Epidermis setzen sich zusammen aus kurzen, unverdickten Zellen. An Ausdehnung im Verhältnis zum Umfang des Querschnittes überwiegen am Blatt die unverdickten Teile, am Stiel das Sklerenchym. Das Mesophyll wird von großen Interzelhilarräunien durchzogen, seine Zellen sind sehr zartwandig und wie auch die Epidermiszellen kleiner als bei den erwähnten Aspleniumarten. Tritt Wasserverlust ein, so schrumpfeit das Mesophyll vermöge seines Baues stark, und zwar in jeder Richtung. Die Sklerenchym- bänder selbst können nur sehr wenig schrumpfelu und werden durch den Volumenverlust des Mesophyll nach dem Blatt- resp. Stielmittel- punkte hingezogen. Die nicht verdickten Streifen, besonders die auf der stets zarter gebauten Unterseite, geben einem solchen Zug leichter nach und werden in das Blatt- resp. Stielinnere hineingestülpt. Dabei gelangen die von vornherein schon in Rillen liegenden Spaltöffnungen in tiefe Einbuchtungen, die schließlich beim Fortschreiten des Vor- ganges besonders am Stiel durch die aneinander stoßenden Sklerenchym- bänder geschlossen werden (Tafel IV, Fig. 11). Die Spaltöffnungen werden also auf diese Weise in hiftstille Kammern verlagert. Gleich- zeitig schrumpfeit das Mesophyll aber auch parallel dem Blatt und Stiel. Die starken Sklerenchymbänder auf der Oberseite machen die Parallelkontraktion nicht mit, und es müßte deshalb eine starke Ein- rollung nach der Unterseite erfolgen, wenn nicht hier ebenfalls Skleren- chymstreifen und die teilweise verholzten Gefäßbündel lägen. Da diese wenig kontraktilen Elemente an Stärke dem Sklerenchym der Oberseite nicht gleichkommen, so können sie die Einrollung zwar nicht ganz verhindern, setzen ihr aber doch einen erheblichen Wider- stand entgegen, so daß nur eine Krümmung, verbunden mit einem Ausweichen nach der rechten oder linken Seite, zustande kommt i); *) Wären die Versteifungen auf der oberen und unteren Seite gleich, so könnte sich das Blatt nur nach der rechten oder linken Seite biegen. In diesen] 119 d. b. Blatt und Stiel bildeu eine Spirale, deren Windungen nicht in derselben Ebene liegen. Asplenium germanicum, der Bastard von A. septentriouale und A. trichomanes, verhält sich ebenso, doch sind seine Bewegungen nicht so regelmäßig, die Spirale tritt weniger scharf hervor und zeigt mancherlei Abweichungen nach den Seiten. Das von mir untersuchte Exemplar lehnte sich in Gestalt und Anatomie überhaupt sehr stark an A. septentriouale an und hatte von A. trichomanes nur größere Breite der Blattspreite und größere Zellen der Epidermis und des Mesophyll; die Sklerenchymbänder waren an den Fiedern nur schwach ausgeprägt. Der Spaltöft'nungs- apparat war ganz der von A. septeutrionale; näheres hierüber folgt an späterer Stelle. Es unterliegt keinem Zweifel, daß andere Exemplare wiederum mehr Merkmale von A. trichomanes haben werden. Ein Farn, das in der Eigenart seiner Schutzeinrichtungen einzig dasteht, ist Actiniopteris radiata. Das mir zur Verfügung stehende Exemplar war im Hawaschtal in Abessinien an einem Felsen ge- wachsen, dessen Temperatur über 50° betrug. Alles, was über diese interessante Pflanze bisher bekannt ist, findet sich in einer Notiz von Milde^) über ihren Platz im System der Farngattungen, und daran ist über ihre Anatomie eine kurze Bemerkung geknüpft, die aber nur teilweise richtig ist. Schon äußerlich fällt das Farn sofort durch die Fächerform seines Wedels auf. Der doppelt geflügelte Stiel verzweigt sich nämlich au seinem obersten Ende mehrfach und geht unmittelbar in die Fiedern über, die sehr schmal und ungefähr halb so lang wie der Stiel sind und gewöhnlich an der Verzweigungsstelle ein wenig nach rückwärts übergebogen sind (Tafel III, Fig. 3). Die Reduktion der Oberfläche ist ohne weiteres erkennbar. Im xeromorphen Zustand rollen sich die Fiedern nach der Unterseite zu Röhren zusammen, und am Stiel geht eine Bewegung vor sich, die der von Asplenium septentriouale gleicht (Tafel IV, Fig. 3). Das auffallendste aber ist, daß jetzt die ganze Pflanze weiß aussieht, die sonst ein fahles Grün zeigt. Bewegung sowohl wie Farbenwechsel sind im anatomischen Bau begründet. Ein Querschnitt zeigt folgendes Bild (Tafel IV, Fig. 5). Unter der dünnen Cuticula liegen 3 — 4 Schichten meist sechskantiger Fasern mit so stark verdickten Wänden, daß häufig das Lumen kaum mehr zu erkennen ist. Diese Fasern sind sehr lang und mit den spitz zulaufenden Enden ineinander gekeilt. Sie sind tot und bilden ein Falle ist die Unterseite schwächer versteift, daraus folgt das Mittel zwischen der Spirale nach der rechten oder linken Seite und def nach der Unterseite, die Schneckenspirale. 1) Milde, Botan. Zeitung XXIV. 1866. S. 180. Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farne. 120 die ganze Oberseite überspannendes, an den Kanten hakenförmig nach der Unterseite umgeschlagenes Sklerenchym (vgl. die Notiz von Milde, der die Zellen „sehr bastähnlich" nennt). Die Membranen zeichnen sich durch eine Härte aus, die Schnitte mit dem Mikrotom unmöglich macht, und auch Freihandschnitte lassen sich nur dann einigermaßen herstellen, wenn man das Material vorher einige Tage in Glyzerin legt. Bei stärkerer Vergrößerung erkennt man auf einem dünnen Querschnitt in den verdickten Membranen eine feine stern- förmige Zeichnung. Man glaubt zunächst, das Zelllumen sei stern- förmig gestaltet; bringt man aber den Schnitt in die Schwefelsäure, so quellen die Zellen zunächst stark, die verdickten Wände lösen sich auf, und es bleiben die Mittellamellen, die Sternchen und die Cuticula übrig. Mit Chlorzinkjod färbt sich die Wandsubstanz bläulich, die Mittellamellen und die Sternchen hellbraun, woraus zu erkennen ist, daß erstere aus Zellulose und die beiden letzteren aus Pektin bestehen. Zu dieser Reaktion braucht man einen sehr feinen Schnitt, da sonst infolge der intensiven Färbung die Durchsichtigkeit leidet und die Farbenunterschiede verschwimmen. Was die Sternchen be- deuten, zeigt ein Längsschnitt. Milde schreibt in der genannten Notiz, das Lumen der Zellen sei dicht mit sich kreuzenden Spiral- fasern ausgefüllt; und es scheint zunächst auch wirklich so. Bei wechselnder Hoch- und Tiefeinstellung des Mikroskopes erkennt man jedoch, daß die Spiralbänder sich nicht kreuzen, sondern einander parallel in vielen Windungen in der verdickten Wand entlang laufen, ähnlich dem Drall eines GeschUtzlaufes (Tafel III, Fig. 4). Die Zacken des Sternchens sind die Querschnitte dieser Bänder. Wendet man auf einen Querschnitt Hoch- und Tiefeinstellung an, so scheinen sich die Sternchen zu drehen, und zwar alle im gleichen Kichtungssinu, ein zweiter Beweis, daß die Bänder sich nicht kreuzen. Wenden wir uns nun weiter der Anatomie des Blattes zu. Unter dem Sklerenchym liegt ein meist zweischichtiges Palisadenparenchyra, dessen Zellen an Länge die des Schwammparcnchyms kaum über- treffen. Letzteres wie auch die Palisade zeigt kleine Interzellularen. Auf der Unterseite des Blattes laufen unter den Gefäßbündeln eben- falls Sklerenchymbänder, bestehend aus ein bis zwei Schichten ver- dickter Zellen, die denen auf der Blattoberseite ganz gleich sind. Die Sklerenchymzellen unmittelbar unter der Cuticula der Unterseite sind allermeist zu Spitzen ausgezogen, die in ihrer Gesamtheit längs- laufende Leisten bilden. Zwischen den Sklerenchymstreifen liegen, wie bei Asplenium septentrionale, seichte Killen, gebildet aus kurzen vom Schwammparenchym kaum unterschiedenen Zellen, in die die Spaltöffnungen eingelagert sind. Der Stiel ist dem Blatt ganz homolog gebaut. Seine Bauch- und Kückenseite ist vollständig mit Sklerenchym 121 umg-ebeu. Nur au zwei Stellen ist es von Killen unterbrochen, in denen die Spaltöffnungen liegen. Unter dem Sklerencbym der Kücken- seite befindet sich eine dicke Schiebt verholzter Zellen, die dem Stiel die Last der Fiedern an seinem oberen Ende tragen helfen. Es ist nun sofort verständlich, daß bei Wasser verlust und Schrumpfelung des Pareuchyms am Blatt die nicht ausgesteiften Streifen samt den Spaltöffnungen nach innen gestülpt werden, wodurch die Unterseite bedeutend verkürzt und das Blatt zu einer Köhre zu- sammengerollt wird. Ebenso werden am Stiel die beiden Flügel und der ganze Kückenstreifen nach dem verholzten Gefäßbündel hin- gezogen und dadurch die mit Spaltöffnungen versehenen Rillen ins Innere des Stieles gebracht und von außen geschlossen (Tafel IV, Fig. 3). Eine Längskontraktion ist infolge der starken Versteifungen am Stiel wie am Blatt unmöglich. Auch bei diesem Farn beruht also die Schutzeinrichtung gegen zu hohen Gasaustausch auf Ver- lagerung der Spaltöffnungen in luftstille Käume, begleitet von einer Reduktion der Oberfläche. Was nun das zweite, nicht minder wichtige Schutzmittel, den Farbenwechsel, anbelangt, so war ich lange darüber im Zweifel, bis ich einmal ein wasserdurchtränktes, also grünes Blatt unter dem stereoskopischen Mikroskop bei auffallendem Licht stark vergrößerte. Das Bild war überraschend, denn man kann durch das Sklerencbym hindurch die darunter liegende Palisade deutlich erkennen; es ist als läge über dem Mesophylll eine dünne Glasplatte. Von den Spiral- bändern und den Mittellamellen ist nichts zu sehen. Während der Beobachtung gab das Blatt natürlich seinen Wassergehalt an die Luft ab, und plötzlich, noch ehe die Einrollung eintrat, zeigten sich in den eben noch durchsichtigen Zellen feine, zu ihrem Verlauf schräg stehende Streifen, die ich mit den Spiralbändern identifizieren konnte, und in kurzer Zeit war das ganze Sklerencbym undurchsichtig und weiß (Tafel III, Fig. 8). Setzte man Wasser hinzu, so wurde alles wieder durchsichtig, um beim Austrocknen den beschriebenen Vorgang zu wiederholen. Die Nutzwirkung dieser Einrichtung ist einleuchtend. So lange die Pflanze über genügenden Wassergehalt verfügt, können die Licht- strahlen ungehindert durch das Sklerencbym in das Blattinnere ein- dringen und ihre chemischen Wirkungen ausüben; kann die Pflanze dagegen den dabei entstehenden Wasserverlust nicht mehr ersetzen, so wird eine undurchsichtige Schicht vor das Parenchym geschaltet, das Licht am Eintritt in das assimilierende Gewebe verhindert und, wie die weiße Färbung zeigt, zum größten Teile abgeblendet zwecks geringerer Erwärmung. Der beschriebene Versuch wurde nun mit dem Sklerencbym allein Reinhold Schaede, Zur Biologie einiger xerophiler Farae. 122 wiederholt, Indern Stücke von einem trockenen Blatte abgelöst und von den anhaftenden Mesophyllresten gesäubert wurden. Unter dem Mikroskop bei durchfallendem Licht waren die Splitter natürlich undurchsichtig. Ließ man nun einen Tropfen Wasser unter das Deck- glas treten, so wurde der Splitter sofort durchsichtig, die Spiralbänder waren deutlich zu sehen und in den Zelllumina befanden sich lange, dunkle Stellen, die immer kleiner wurden und schließlich ganz verschwanden, während um den Splitter herum sich Luftblasen bildeten. Es konnte kein Zweifel sein, daß die dunklen Streifen in den Lumina Luftblasen waren, die beim Zutritt des Wassers aus den Zellen heraustraten. Die Frage war nun, auf welche Weise und an welchen Stellen das geschah. Durch die sonst gasdurchlässige Cuticula trat die Luft nicht aus: legte mau aber den Splitter so, daß man auf die dem Mesophyll anliegende Seite sah, so sah man in dem Maße, wie die Luftblasen in den Lumina kleiner wurden, Bläschen auf der Außenseite auftreten und sich vergrößern. Der ganze Vorgang spielt «ich so schnell ab, daß man sich mit einem Wechsel des Objektiv- revolvers und der Einstellung sehr beeilen muß. Angeregt durch eine Arbeit von Steinbrink^j machte ich mich nun daran, einen Querschnitt des Sklerenchyms in trockenem und in wasserdurchtränktem Zustande zu untersuchen. Die Herstellung so feiner Schnitte, wie sie zu diesem Versuch nötig sind, gestaltet sich infolge der Härte und .Sprödigkeit des Materials sehr schwierig, am besten nimmt man dazu mikroskopisch feine, beim Schneiden zufällig entstehende Splitter. Sie wurden ausgetrocknet, und, um sie durch- sichtig zu machen, in Anilinöl gebracht, worin die Membranen nicht quellen. Das Öl läßt sich später leicht auswaschen, und derselbe Schnitt kann so auch im Wasser untersucht werden. Den L'nterschied zwischen beiden zeigt Tafel IV, Fig. 4a und b. Im trockenen Zustande haben die Zellen weite Luniina, die sich bis in die Zacken der Stern- figuren Cden Querschnitt der Spiralbänder; hinein erstrecken, und oft fast bis zur .Mittellamelle reichen. Im Wasser quillt der ganze Schnitt stark, die Zacken werden durch die sich imbibierende Zellulose- njembran geschlossen und das ganze Zelllumen verschwindet namentlich in den Zellen unter der Cuticula bis auf geringe Reste. Daß ein solcher aus denj Zellverband genommener Splitter die Vorgänge in der lebenden IMIanze nur zum Teil wiedergeben kann, ist selbst- verständlich, und deshalb darf man annehmen, daß die Lumina im Sklerenchym unverletzter JMlanzen ganz verquellen. ') Steinbririk, Über die Ursache der Kriimmiingon einiger lebender Achnenorgane infolge von WaHserverluMt. Berichte dei- deutschen Botan. Oe«, 29. Jahrgang, Heft 6. 123 Der Voigane: des Farbenwecbsels spielt sich nun folgeudeimaßeu ab. Wenn dem Faiii Wasser in ireuüireuder Meiiire zur Vertuirims; steht, so sind die Zellulosemembrauen des Sklereuchyms mit Wasser diirchträukt und die Lumina so jrut wie nicht vorbanden. Die un iv 14 13 - j N j ^ ^ ^ 12 11 - 10 - 9 - 8 - 7 - 6 - 5 s\r 8 - 7 - 6 - c l / O <. \! i / ( \ V, > >^ S« / / N.^ ^V ^ »Y^ / / -^k. "^ <. ^-•^ ■^v «k ) f / ^ >*^ *^ :<^ 2< ^ -- sn= 1 ob /i )^W ^ ^ ^^ ^ —\ ^^ -/ 7 f r^ i^ "^ >— >^ ^^ f— **• ••c »«i. ,^ 7 / / p 1 7v f/ — r ^' i;^ jj t 4. r/- 1 A K k Vv ( \ / ^-K ^ v f N ^ :^ O 4 - SVT ^s ^a. „^ _ ^fO" —< >— ^ ^ - ■i< zT^ r 7J t 5k t k 2 ^t 3. 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Beiträge zur Biologie der Pflanzen Band XI. Tafel VI. '^ • o ^:.^:-.-.v:y:- o K. Hecht del. Louis Gerstner, KunstanstaU, Leipzig Beitrüge zur Biologie der Pflanzen. Begründet von Professor Dr. Perd. Cohn, herausgegeben von Dr. Felix Kosen, Professor an der Universität Breslau. Elfter Band. Zweites Heft. M.it vier Tafeln. Breslau 1912. J. U. Kern's Verlag (Max Müller). Inhalt des zweiten Heftes. Seite Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheidung bei quellenden Samen. Von 0. Jauerka. (Mit Tafel VII und VIII) . 193 Kohlensäureassimilation und Atmung bei Varietäten derselben Art, die sich durch ihre Blattfärbung unterscheiden. Von "Wilhelm Plester . . 249 Kiilturversuche mit chlorophyllführenden Mikroorganismen. I. Mitteilung. Die Kultur von Algen in Agar. Von Ernst G. Pringsheim. (Mit Tafel IX und X) 305 Beiträge zur Physiologie der farblosen Schwefelbakterien. Von Friedrich Keil 335 Die ersten Stadien der Kohlensänreausscheidung bei quellenden Samen. Von O.^Jauerka. (Mit Tafel VlI u. VIII.) Di A. Einleitniio;. »• 'ie Pflanzenatmiing stellt nach Ad. Mayer^) einen jener ele- mentaren physiologischen Vorgänge dar, auf deren Suche eine rationelle Physiologie vor allem ausgehen muß, und deren Erörterung sich vor allem lohnt. Beschäftigt man sich näher mit diesem Problem, so sieht man, falls die Atmung als eine von den mannigfachen Äußerungen der Lebenstätigkeil aufgefaßt wird, bei weiterem Vordringen immer mehr ein, daß man dieses Leben an sich nicht näher zu begreifen und zu definieren vermag, da die Summe seiner Merkmale mit unserer wachsenden Erkenntnis ins Ungemessene steigt und seine Begrenzungen immer weiter ins Ungewisse fliehen. Es gelingt nur Faktoren zu isolieren, durch deren Einzelstudium man dann rückschließend die Lebensvorgänge im allgemeinen deuten zu können hofft. Solche Er- wartungen treiben wohl auch mit die intensiven Untersuchungen, welche immer mehr Licht zu bringen wünschen in unsere trotz ge- waltiger Fortschritte noch nicht ganz klaren Vorstellungen hinsichtlich der tierischen und pflanzlichen Atmung. Von allen Seiten, besonders von derjenigen der enzymatischen Forschung, rückt man gegen dieses Gebiet vor und behandelt jeden einzelnen nur bekannten Faktor für sich und seine Beziehungen zu den anderen, um dann auf das Ganze, auf die Atmung als einheitlichen Prozeß zu schließen. Daß man diesen Prozeß bis in seine innersten Phasen jemals wird voll erkennen können, ist, wie schon oben an- gedeutet, kaum zu erwarten. Dagegen sprechen schon jetzt die zahl- reichen Erklärungsversuche und Hypothesen; man braucht hierbei nur an diejenigen zu denken, welche sich auf den Vorgang der enzy- matischen Wirksamkeit beziehen. In anderer Hinsicht erkennen wir aber immer mehr, wie parallel die Lebensvorgänge im tierischen und pflanzlichen Organismus ver- ^) Adolf Mayer, Über den Vei'lauf der Atmung beim keimenden Weizen. Landw. Versuchsstat. 1875 (18), S. 245. Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd. XL Heft U 13 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kolilensäureauascheid. bei quellend. Samen. 394 laufeil — ich erinnere hierbei nur an die Phytohaematine Palladins^); auch andere 2) Autoren finden eine weitgehende Analogie — , und gerade diese Analogie erweckt gewiß in uns das große Interesse zu dem Studium der pflanzlichen Physiologie, Wir wollen eben die Grenzen unserer Erkenntnis bezüglich des Lebens und seiner Er- scheinungen so weit wie möglich vorrücken; — dieses Leben klarer und deutlicher zu erkennen ist unser innigstes Streben. Die überaus reiche Literatur von dem Entdecker der Pflanzen- atmung Ingen houß (1779) bis zur Gegenwart zeugt von dem Eifer, mit welchem man sich dem Studium des ßespirationsprozesses widmete. In neuerer Zeit ist es vor allem die Palladinsche Schule, welche Fortschritte auf diesem Gebiete zu verzeichnen hat. Mannigfache Wandlungen haben die Anschauungen erfahren, mochten sie sich auf den Atmungsverlauf als solchen oder den Einfluß einzelner Faktoren auf diesen Prozeß beziehen. Vor allem tritt uns bei diesen Unter- suchungen als ein besonders wichtiger Faktor die Temperatur entgegen. Nehmen wir trockne Samen und untersuchen sie auf ihre Atmungs- tätigkeit, so finden wir, daß mittels der üblichen Methoden keine Kohlensäureausscheidung nachzuweisen ist. Der Stoffwechsel in den Zellen lufttrockner Samen vollzieht sich so schwach, daß man von einer eigentlichen Kohlensäureproduktion kaum noch sprechen kann. Die Samen ruhen also. Bietet man ihnen dagegen die Möglichkeit, Wasser aufzunehmen, so ändert sich das Bild, man möchte fast sagen, mit einem Schlage. Je nach der Höhe der Temperatur wird das Wasser mehr oder minder begierig aufgesogen — , die Samen quellen. Zunächst sehen wir physikalische, dann chemisch physiologische und wahrscheinlich auch morphologische Änderungen am Samen vor sich gehen: die Pflanze erwacht; man kann z. B. eine deutliche Steigerung der Atmungsintensität beobachten. Dieses Erwachen der Pflanze aus dem Ruhestadium im Samen, in welchem sie auf günstige Keimungs- bedingungen harrt, speziell diesen Beginn einer deutlich wahrnehm- baren Atmung näher zu untersuchen, soll das Ziel der vorliegenden Abhandlung sein. Die Fragestellung lautet also etwa: wann und wie beginnt eine merkliche Atmung, d. h.: *) Palladin vereinigt darunter die als Atmungspigmente bezeichneten oxy- dierten Chromogene, um auf ihre dem Haematin des Blutes gleiche physiologische Bedeutung hinzuweisen. W. P. , , Über das Wesen der Pflanzenatmung". Biochem. Zeitschr. XVIII. 1909, S. 151—206, und ,Die Atmung.spigmente der Pflanzen'. Zeitschr. für physiologische Chemie LV. 1908, S. 207. 2) E. Abderhalden und A. Schittenhelm, „Die Wirkung der proteolyt. Fermente keimender Samen des Weizens und der Lupinen auf Polypeptide". Zeitschr. für physiol. Chemie Bd. 49, 1906, S. 26. 195 a) welche Bedingungen sind nötig, um eine solche wahrnehmbare Atmung zu veranlassen, und wann sind ihre ersten Spuren nachweisbar, b) lassen die gefundenen Resultate irgend welche anatomischen und chemisch physiologischen Gesetzmäßigkeiten erkennen? Es ist bei einem derartigen Problem von vornherein zu erwarten, daß es sich darum handeln wird, minimale Veränderungen in der Atmungsgröße oder im physiologischen Verhalten mit Sicherheit fest- zustellen, daß man daher zunächst sein Augenmerk auf eine sehr empfindliche und dabei sichere Methode zu lenken hat. Ist dann an der Hand einer großen Zahl von einheitlichen Untersuchungen eine sichere Grundlage geschafien, so kann man bei weiterem Fortschreiten darauf fußen und durch Variationen besonders bezüglich des Materials einen tieferen Einblick in die Einzelvorgänge des Gesamtprozesses bekommen. B. Untersuchungen. I. Methodischer Teil. Die Pflanzenatmung beruht im wesentlichen auf Sauerstoffabsorption und der Ausscheidung von Kohlensäure und Wasser. Läßt man das letztere unberücksichtigt, so kann mau den Respirationsprozeß in zweierlei Hinsicht untersuchen: einmal kann die Sauerstoffaufnahme, dann die Kohlensäureabgabe verfolgt werden. Man könnte auch beide Betrachtungsweisen kombinieren und das quantitative Verhältnis beider CO Größen -^ prüfen sowie seine etwaigen Änderungen näher verfolgen i). Das letztere Verfahren ist jedoch für unsere Zwecke nicht gerade praktisch, da die Änderung eines Quotienten auf der Änderung zweier Größen beruhen kann. Da ferner anzunehmen ist, daß die bei einer minimalen Atmungsintensität aufgenommenen Sauerstoflfmengen aus methodischen Gründen zu gering sein würden, als daß sie hätten genau festgestellt werden können, so beschränkte ich mich auf die Bestimmung der ausgeschiedenen Kohlensäurequanten. a. Methode. Als Grundlage für die Methode diente die bekannte Versuchs- anstellung von Pettenkofer-Pfeffer^)^ die so modifiziert wurde, ^) z. B. G. Bonnier et L. M angin, Recherches sur les variations de la respiration avec le developpement des plantes. Annal. d. scienc. natur. VII. Serie, T. 2, 1885. 2) W. Pfeffer, Über intramolekulare Atmung. Untersuchungen aus dem botan. Institut zu Tübingen, I. S. 636 (1881—85). Vergl. W. Palladin und S. Kostytschew in Abderhaldens Handbuch zu biochem. Arbeitsmethoden, UI. 1910, S. 479. 13* 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 196 wie es langwierige Vorversuche als praktisch erwiesen. Ein kohlen- säurefreier Luftstrom wurde über das Untersuchungsmaterial geleitet und die mitgerissene Kohlensäure an eine Kalkwasserlösung von be- kanntem Titer gebunden. Als Maßstab der Atmungsintensität wählte ich die Zeit, innerhalb deren eine bestimmte Menge Kohlensäure ab- geschieden wurde. Der Apparat. Um den Apparat besonders für ausgedehnte Versuche dicht gegen die Einwirkung der atmosphärischen Kohlensäure abzuschließen, waren große Schwierigkeiten zu überwinden. Denn Gummistopfen und auch gute Guramischlauchverbindungen erwiesen sich nicht einwandsfrei; und doch hat sich die Mehrzahl der bisherigen Autoren mit Gummi- dichtungen begnügt. Nur Kolkwitz^) scheint von pflanzenphysio- logischer Seite diese Fehlerquelle bisher berücksichtigt zu haben; wenigstens hebt er allein hervor, daß Gummi Sauerstoff aufnimmt und Kohlensäure abscheidet. Dieser Übelstand mußte besonders dann zu befürchten sein, wenn höhere Temperaturen bei den Versuchen ver- wendet wurden. Die anderen Autoren konnten auch diese Fehler- quelle bis zu einem gewissen Grade unberücksichtigt lassen insofern, als sie mit konstanten Zeiten und größeren Kohlensäuremengen arbeiteten und so ganz gut einen relativen und kleinen Fehler in Anrechnung bringen konnten. Bei den hier angestellten Versuchen mußte dies vermieden werden, da die Dauer der Versuche außer von anderen Faktoren besonders von der Temperatur abhing und die Zeit so von vornherein unbestimmt war. So hätte man bei der zu er- wartenden minimalen Atmung leicht falsche Schlüsse ziehen können. Auch Versenken unter Wasser bietet keine Sicherheit, wovon man sich leicht überzeugen kann: man fülle ein Reagensglas mit destilliertem Wasser, mache es eine Spur alkalisch und deute dies durch einen Indikator, etwa Phenolphtalein, an. Das Glas wird mit einem sauberen (Gummi- oder) Korkstopfen verschlossen und unter Wasser gebracht. Schon nach einigen Stunden verschwindet die Alkalinität, wie der Indikator anzeigt. Die Lösung wird neutralisiert, und zwar durch die im Wasser gelöste Kohlensäure. Selbst Glasschliffe sind erst auf ihre Güte hinsichtlich eines dichten Luftverschlusses zu prüfen. Dies kann man sehr leicht, indem man die Schliffe unter Quecksilber bringt und den Apparat unter Druck setzt: an den undichten Stellen springt dann das Quecksilber empor, und man sieht so die Luft entweichen. Einzige Sicherheit bieten nur direkte Gasverschmelzungen und, soweit es nötig ist, gute, gefettete *) R. Kolkwitz, Über die Atmung der Gerstenkörner. Blätter für Gersten-, Hopfen- und Kartoffelbau. Nov. 1901, S. 370—383. 197 Glasschliffe, die man zweckmäßig noch unter Quecksilber bringt (vergl. Fig. 2). Die Untersuchungen wurden an zwei Apparaten vorgenommen: der eine war speziell für hohe, der andere für niedere Temperaturen gebaut. Bei mittleren (Zimmer-)Temperaturen wurden beide benutzt. Der Luftstrom wurde nicht durchgesogen, wie die meisten Autoren es getan haben, sondern durchgedrückt. Den Vorteil dieses Verfahrens hatten mir Vorversuche gezeigt-, auch Kolkwitz^) weist schon darauf hin. Zwei große Wasserflaschen, welche je 25 l faßten, wurden dazu verwandt; durch Abheben wurde die Luft durch den Apparat gepreßt. Der gleiche Gang wurde mittels Klemmschrauben so reguliert, daß etwa 3 1 Luft stündlich durchgeleitet wurden. Vorgepumpt, wie ich das Befreien des Apparates von atmosphärischer Kohlensäure in der Vorperiode bezeichnen möchte, wurde schneller. Fig. 1. Apparat II. Um den in das Respirationsgefäß eintretenden Luft- strom kohlensäurefrei zu machen, wurde er bei dem Apparat für hohe Temperaturen, den ich als 1 bezeichnen will, durch ein Glasgefäß geleitet, in welchem sich unten Kalilauge, oben Natronkalk befand. Im Apparat für niedrige Tem- peraturen (II) war dieses Absorptionsgefäß durch ein U-rohr mit Bimsteinstückchen ersetzt, welche mit Kalilauge durch- tränkt waren. Weiter passierte an beiden Apparaten die Luft eine große Waschflasche mit Spiralgang und eine gewöhnliche Waschflasche; beide enthielten ebenfalls Kalilauge. Diese wurde aus chemisch reinem Stangenkali hergestellt. Es folgte eine weitere Waschflasche, welche die gleiche Lösung wie die später sich anschließende Pettenkoferröhre enthielt. Diese Lösung sollte zum Vergleich dienen und anzeigen, daß der Luftstrom vor seinem Eintritt in das Respirationsgefäß tat- sächlich frei von Kohlensäure war. Beim Apparat II war diese Ver- ^) R. Kolkwitz, Über den Einfluß des Lichtes auf die Atmung der niederen Pilze. Jahrb. für wiss. Botanik. Bd. XXXIII. 1899. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 198 gleichsflasche weggelassen worden, nachdem sicher festgestellt war, daß auch er kohlensiiuredicht hielt. Die ersten Waschfiaschen waren mit dickem Liiftpumpenschlauch verbunden und ganz nah aneinander gerückt, so daß die Glasenden innerhalb des Schlauches aufeinander stießen. Von der Stelle an, wo die Dichtigkeit auf Kohlensäure von größter Wichtigkeit war, besaß der Apparat nur Glasverbindung, d. h. die berührenden Enden der einzelnen Teile waren vom Glasbläser aneinander geschmolzen. Die Vergleichsflasche war mit dem sich anschließenden Schlangenrohr durch einen Ostwaldschen Doppelschliff verbunden. Ein Doppelschliff war gewählt, um die Schliffe gut ineinander drehen zu können. Durch Gummiband wurden sie dauernd noch weiter ineinander gepreßt. Dem Schliff folgte ein Schlangenrohr, Respirationsgefäß, Dreiweghahn und Pettenkoferröhre; die Anordnung kann man aus der Figur 1 ersehen. Die letzten 5 Teile waren aneinander geschmolzen, bildeten also mit der letzten Vergleichsflasche ein Stück und waren sämtlich aus Glas hergestellt. Scheinbar sieht das Ganze sehr zerbrechlich aus. In Wirklichkeit aber machen die mannigfachen Glaswindungen das System sehr elastisch. Dadurch, daß alles aus Glas und alles zusammen- geschmolzen war, konnte man den Apparat für hohe und tiefe Tem- peraturen benutzen, ohne befürchten zu müssen, daß Verbindungen mit verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten irgendwie Undichtigkeiten hervorrufen konnten. Das Respirationsgefäß stand in einem Wasserthermostaten, dessen hohe und mittlere Temperaturen bei I mittels Sicherheitsleuchtgas- breuners und Reichardtschen Thermoregulators eingestellt und kon- stant gehalten werden konnten. Die tiefen Temperaturen wurden bei II durch Eis und Eiswasser erreicht, welches man in gewissen Mengen zutropfen ließ. Vom Boden dieses Wasserthermostaten für niedere Temperaturen ging ein Rohr ab und stieg bis zu der im Thermostaten gewünschten Wasserhöhe (h) an. Dieses sollte das zufließende Wasser regulieren und das zu Boden sinkende Wasser von 4*^ C. entfernen. Die Wasserthermostaten bestanden aus Metallgefäßen, die durch Packungen bei I mit Kieselgur und Asbest, bei II mit Sägespänen, Watte und Filz vor Wärnieverlust geschützt waren. Doch konnte bei dem Thermostaten für hohe Temperaturen die Gasflamme durch eine Aushöhlung den Boden des inneren wassergefüllten Gefäßes erreichen (s. Figur 2). Die Luft wurde durch das im Wasserbade befindliche Glas- schlangenrohr auf die gewünschte Temperatur vorgewärmt, trat von oben in das Atemgefäß ein und wurde vom Boden aus weiter geleitet, damit die dorthin sinkende ausgeatmete Kohlensäure, die ja schwerer ist als die atmosphärische Luft, mitgerissen würde. Vorversuche 199 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 200 zeigten, daß das Schlangenrohr seinen Anforderungen in Bezug auf die Vorerwärmung des Luftstronies besonders auch bei hohen Tempera- turen genügte. Der Deekel des Respirationsgefäßes besaß einen Glassehliff mit Quecksilberdichtung. Er hatte oben eine Öffnung, die etwa 2 cm flaschenhalsartig ausgezogen war. Durch diese wurde ein Thermo- meter gesteckt, welches bis zum Untersuchungsmaterial herabreichte. Das Thermometer saß in einem tief eingepreßten Gummistopfen, über den Quecksilber geschichtet w^ar. Die noch übrig bleibende Vertiefung wurde mit Siegellack, in einem Falle (bei 65^) mit einem Gemisch von diesem mit Gips, zugeschmolzen. Der Luftstrom trat aus dem Respirationsgefäß durch einen Drei- weghahn in die Fettenkoferröhre. Dieser Dreiweghahn war so ein- gerichtet, daß er nötigenfalls auch unter Quecksilber hätte gesetzt werden können, eine Vorsichtsmaßregel, die sich nachher bei Ver- wendung von gutem Hahnfett als unnötig erwies. Das Zuleitungs- rohr war in die Fettenkoferröhre eingeschmolzen (s. Figur 2) und in eine feine Öffnung ausgezogen, damit die Luftperlen recht fein aus- treten konnten. Infolge des Innendruckes und der Kapillaritäts- konstanten kann man leicht durch geeignete Stellung der Glashähne einen gleichmäßigen Gang der Luftbläschen erreichen (Kolkwitz). An dem unteren Knie der Fettenkoferröhre war ein Glastubus mit Hahn angeschmolzen, um durch ihn von der Nebenleitung des zweiten Dreiweghahns II aus durch Saugen die Röhre schnell beschicken zu können. Dies war wichtig, damit die Lösung nicht zu lange mit der atmosphärischen Luft in Berührung kam. Wie ich später bemerkte, hatte Rischawi^) schon eine im Frinzip ähnliche Verbesserung vor- geschlagen. An die Fettenkoferröhre schloß sich mittels Luftpunipenschlauch- verbindung wieder ein Dreiweghahn und an dessen einem Ende eine U-röhre mit Bimsteinstückchen und Kalilauge an, um das Ein- dringen der atmosphärischen Luft in den Apparat von dieser Stelle aus zu verhindern. Diese Schlauchverbindung erwies sich beim Still- stand des Apparates nicht sicher gegen das Eindringen von Kohlen- säure, wohl aber war sie tagelang kohlensäurcdicht beim Durchdrücken des Luftstromes. Die Fettenkoferröhre wurde deshalb erst immer kurz vor dem Durchleiten des Luftstromes frisch beschickt. Der Dreiweghahn I war gewählt, um durch die eine Bohrung das Resj)irationsgefäß vor dem eigentlichen Versuche gut und bequem von Kohlensäure befreien zu können, welche beim Beschicken des ^) L. Rlschawi, Einige Versuche über die Atmung der Pflanzen. Landw. Versuchsstat. 1876 (19), S. 321. 201 Apparates aus der Atmosphäre luivermeidlich mit hineingelangte. Es wurde bei dem Vorpumpen einfach ein kohlensäurefreier Luftstrom eine ausgemessene Zeitlang durch die Nebenleitung gedrückt, die durch eine Waschflasche mit Kalilauge vor dem Rücktritt der Kohlen- säure aus der Luft geschützt war. Die Nebenleitung am zweiten Dreiweghahn diente, wie gesagt, dazu, durch Ansaugen die Pettenkofer- röhre durch den Tubus (T) schnell füllen zu können (Fig. 1); dies konnte leicht während des Vorpumpens geschehen. Die Dimensionen des Respirationsgefäßes waren ziemlich klein gewählt, um möglichst schnell auf die gewünschte Temperatur zu kommen und den schädlichen Raum zu verringern: Respirations- gefäß + Schlangenrohr -{- Zu- und Ableitung faßten rund 240 ccm. Das Respirationsgefäß hatte einen Durchmesser = 4 cm und eine Höhe = 13 cm. Die Wasserthermostaten sind auf den Figuren im Verhältnis zu klein dargestellt. Die Lösung. Als Maßstab für die Atmung wurde diejenige Zeit angesehen, innerhalb deren die Samen so viel Kohlensäure ausgeschieden hatten, daß sie damit eine alkalische Lösung von bekanntem Titer neutra- lisieren konnten. Die Untersuchung bez. der Atmungsintensität kann in diesem Falle natürlich nur relativ sein, da ihre Größe vom Titer der Lösung abhängt. Je geringer der Titer ist, um so weniger Kohlen- säure brauchen die Samen auszuscheiden, um die Lösung zu neutra- lisieren; um so eher sehen wir also den durch einen Indikator an- gezeigten Umschlag erreicht, welcher nach meiner Methode den Beginn einer deutlichen Atmung darstellen soll. Je empfindlicher dieser Umschlag eingestellt ist, um so größer wird aber auch die Wirksamkeit der unvermeidlichen Fehler sein, wie sie beim Einfüllen der Lösung etc. begangen werden. Man muß sich also davor hüten, die Feinheit der Methode auf die Spitze zu treiben. Langwierige Versuche hatte ich angestellt mit Nilblausulfat als Indikator. Die alkalische Lösung ist dabei rot und schlägt bei der Neutralisation in Blau um. Hierbei erschien mir Kalkwasser geeigneter als das sonst gebräuchliche Barytwasser. Kurze Versuche z. B. bei hohen Temperaturen mit Nilblau zeigten ganz befriedigende Resultate. Bei lang andauernden Versuchen mit minimaler Atmung bildeten sich dagegen ausfallende Salze, an die der (alkalisch) rote Farbstoff" ge- bunden wurde, so daß die nunmehr farblose Lösung nicht in Blau umschlagen konnte. Es wurde zu diesen Versuchen abgekochtes destilliertes Wasser, abgestandenes Leitungswasser, auch mit Znsatz von Alkohol, um die Fällung des Farbstoffes zu verhindern, oder von Chlornatriumlösung 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 202 benutzt, um einen leichteren Umsehlag zu erzielen, — aber immer der- selbe negative Erfolg. Phenolphtalein zeigte diese unliebsame Nebenerscheinung nicht und lieferte besonders bei hohen Temperaturen den Umschlag recht scharf. Bei niederen Temperaturen, wo nur minimale Spuren von Kohlensäure ausgeschieden werden, dauert der Umschlag länger; aber bei einiger Übung kann man auch hier die Zeit des Umschlags be- sonders mittels Vergleichsröhrchens ziemlich genau feststellen. Das destillierte Wasser, welches für die Lösung in der Pettenkoferröhre benutzt wurde, mußte, um ein gleichmäßiges Ausgangsmaterial zu haben, stets ausgekocht werden; andernfalls konnten beträchtliche Verschiedenheiten hinsichtlich der Resultate auftreten^). Von der komplizierten Einrichtung Blackmanus^), die Titration unter Kohlen- säureabschluß auszuführen, glaubte ich absehen zu können, da unter konstanten Bedingungen eingefüllt und eine Kücktitration aus später angeführten Gründen (s. S. 211) nicht vorgenommen wurde. Es wurden immer 220 ccm abgekochten destillierten Wassers be- nutzt. Diesem Quantum wurden 0,75 ccm Vio normal Kalkwasser -\- 7 Tropfen Phenolphtaleinlösung (1 g Phenolphtalein -f 50 ccm absol. Alkohol + 50 ccm Wasser in einer Tropfflasche) zugesetzt. Das Kalkwasser wurde mit V« normal Oxalsäure titriert und der Titer häufig revidiert. Von dieser Lösung gingen 120 ccm in die Pettenkoferröhre-, diese Menge besaß also an Kalkwasser 0:Zi_yo = *Jf = 0,409 ccm. Die absorbierte Kohlensäure, welche diese Lösung zu neutralisieren vermag, findet man in Grammen, wenn man diese Zahl durch 40 divi- diert und mit dem Kohlensäureaequivalent für 1 ccm der Normal- säure = 0,022 multipliziert. Mau erhält °'^^ ' ^'^'^'^ ^'^^^^^ 40 20 = 0,0002255 g = 0,225 mg. Der Rest der angerichteten Lösung kam in ein Vergleichsröhrchen von gleichem Querschnitt wie die Pettenkoferröhre und wurde unter Quecksilber gebracht. Bei den späteren Versuchen konnte ich infolge der Übung das Vergleichsröhrchen fortlassen. Mit dieser Lösung habe ich fast stets gearbeitet, da sie für meine Zwecke gerade die ge- eignete Empfindlichkeit besaß. Sie ist intensiv rot gefärbt und zeigt ^) Vesterberg, Titrimetrische Bestimmung von Kohlensäure. Zeitschrift für physikal. Chemie, Bd. 70. ^) F. F. Blackmann, Experimental Researches on Vegetable Assimilation and Respiration. Nr. I, Philosophical Transactions, S. 485 (1895), u. Annais of Botany Vol. IX, S. 101. 203 schon minimale Spuren von Kohlensäure durch einen verschleierten Farbton lange vor der Neutralisation an. Es kamen immer rund 7 g lufttrockene Samen in das Respirations- gefäß. Die auf dieses Gewicht entfallende Zahl kann man sich leicht aus dem angegebenen Korngewicht berechnen; sie steigt also, je leichter die Samen sind. So kamen von Brassica 1750 auf dieses Gewicht, von Weizen etwa 135 Stück. Irgend welche Periodizitäten (vergl. z. B. Arthur Meyer und Nicolas Deleano in Zeitschrift für Botanik, 111. Jahrg., 10, Heft 1911 und die dort angeführte Literatur) waren in diesen Keimungsstadien nicht zu berücksichtigen. Da der Wasserthermostat den Lichteinfluß ausschaltete, fielen auch die dadurch etwa hervorgerufenen Kom- plikationen um so eher hinweg, als die Versuche höchstens auf 48 Stunden ausgedehnt wurden und dann in diesen Fällen die be- treffende Wasseraufnahme so gering war, daß von einer intensiveren Lebenstätigkeit nicht die Rede sein konnte. Ganz anders liegen natürlich die Verhältnisse, wenn man mit einigen Tagen alten Keim- lingen operiert, wo man z. B. auch den Einfluß der Laboratoriumsluft zu berücksichtigen hat. Die Samen scheinen in den von mir unter- suchten frühen Quellungsstadien noch recht unempfindlich zu sein, wie die späteren Versuche zeigen werden. Lufttrockene Samen geben nur so minimale Spuren von Kohlen- säure ab, daß es mit Hilfe der üblichen (Pettenkofer-, Kaliapparat-) Methoden und auch der meinen in kürzeren Zeiträumen nicht möglich ist, diese Ausscheidung festzustellen. Es kam nun darauf an, den Zeitpunkt festzulegen, wo eine merkliche Steigerung der Kohlensäure- produktion einsetzt, die man als ein Verlassen des Ruhestadiums, als eine Äußerung des neu erwachenden Lebens ansehen kann. Dazu mußten die lufttrockenen Samen erst gewisse Mengen an Wasser auf- nehmen. Es bot anfangs Schwierigkeiten, wie den Samen das Wasser zur Aufnahme geboten werden sollte. Feuchter Sand und Erde eigneten sich schon aus technischen Rücksichten nicht; andererseits gaben Hobelspäne, Fließpapier und Filz mit Wasser befeuchtet schon nach relativ kurzer Zeit (2 Stunden) beträchtliche Kohlensäuremengen ab. Ob diese Erscheinung auf Absorption oder auf Tätigkeit von Mikro- organismen oder der Wirkung beider beruhte , wurde nicht näher untersucht. Am besten eigneten sich feuchte Leinenlappen, die vor jedem Versuche regelmäßig mindestens 15 Minuten laug ausgekocht wurden, um die anhaftenden Keime und Kohlensäuremengen, auch häufig zurückgebliebene Stoffe von vorhergegangenen Versuchen mög- lichst zu beseitigen und unschädlich zu machen. Wurden sie z. B. nur unter der Wasserleitung gesäubert, so zeigten sie eine deutliche 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 204 Kohlensäureabgabe. Die Samen wurden schnell in die frisch aus- gekochten und infolge der Verdunstungskälte rasch abkühlenden Lappen eingewickelt und in ein Glaskörbchen gesetzt. Dieses war überall, besonders auch unten von großen Löchern durchbohrt, so daß die Luft ungehindert durchstreichen konnte, und paßte gerade in das Respirationsgefäß. Nun wurde der Deckel schnell aufgesetzt und mit Gewichten belastet, um einem eventuellen Hochgehen desselben durch den ziemlich starken Innendruck vorzubeugen, was besonders leicht bei hohen Temperaturen, wo das zwischen dem Schliffe befindliche Gemisch von Fett und Quecksilber flüssig wurde, hätte eintreten können. Die Vorperiode. Hierauf wurde 20 — 30 Minuten vorgepumpt. Diese relativ kurze Zeit genügte vollständig dazu, den Apparat von der beim Beschicken in ihn mit hineingelangten atmosphärischen Kohlensäure zu befreien, besonders wenn er lange genug vorher, z. B. bei Vorversuchen, in Gang gehalten war; diese Zeit war auch nötig, damit die Samen die gewünschte Untersuchungstemperatur annehmen konnten. Denn nach den thermoelektrischen Versuchen von Kuyper^), welcher in ähnlicher Richtung mit jungen Keimlingen operierte, genügen dazu ungefähr 12 Minuten, da besonders mit kleinen Samen und mit relativ geringen Mengen gearbeitet wurde, so daß nicht etwa die inneren von den peripherisch liegenden Samen an der Temperaturanpassung gehindert wurden. Länger als 20 Minuten brauchte nicht wegen der geringen Di- mension des Respirationsraumes vorgepumpt zu werden, wie Dichtigkeits- versuche von 30 Stunden anzeigten. Vielleicht waren am Schluß der Vorperiode zwar noch äußerste Spuren von Kohlensäure im Apparat, diese vermochten aber nicht mehr eine Entfärbung der Phenolphtalein- lösung herbeizuführen. Theoretisch könnte man ja durch das Vor- pumpen nie einen völlig kohlensäurefreien Raum erzielen. In der Praxis spielen aber solche Restspuren gegenüber den unvermeidlichen Fehlern (beim Einfüllen der Reaktionslösung) keine Rolle. Viel länger als 20 Minuten durfte auch nicht vorgepumpt werden, da besonders bei hohen Temperaturen die Samen ev. schon merklich geatmet hätten und die dabei produzierte Kohlensäure für die Re- aktionsgeschwindigkeit der „Anfangsatmung" verloren gegangen wäre. Bei tiefen Temperaturen wurde das Vorpumpen länger ausgedehnt, da ja bei niederen Wärmegraden die Kohlensäure schwerer aus- zutreiben ist. Hier durfte auch längere Zeit darauf verwandt werden wegen der sehr langsamen Wasseraufnahme: in einer Stunde wurden *) J. K uyper, Über den Einfluß der Temperatur auf die Atmung der höheren Pflanzen. Recueil des Trav. bot. neerlandais Vli. ]yiO. 205 bei + V2" C von Weizen (Sorte: Blaue Dame) nur 0,54% Wasser aufgenommen, also die Fruchtschale wohl gerade imprägniert. Dichtigkeitsversuche von längerer Dauer (6 — 48 Stunden) wurden oft zwischen den einzelnen Untersuchungen vorgenommen, und zwar befanden sich dabei die ausgekochten Lappen im Apparat. b. Das Untersuchungsmaterial. Als Untersuchungsmaterial dienten die verschiedensten mono- und dicotylen Samenarten. Es mußte bei der Wahl darauf gesehen werden, eine große Anzahl von Individuen bei jedem Versuche benutzen zu können, um etwa vorhandene Individualcharaktere^) und andere Komplikationen zu unterdrücken, wie sie durch die Lage der Samen zur aufzunehmenden Feuchtigkeit hervorgerufen werden können. Ver- suche mit großen Samen (Vicia Faba, Lupinus albus) zeigten dies. Auch schmiegen sich kleine Samen, die ich so für die relativ geringe Maßeinheit von 7 g wählen mußte, viel leichter den befeuchtenden Lappen an, nehmen so schneller Wasser auf, und es besteht dadurch von vornherein die große Wahrscheinlichkeit, daß sie um so eher mit ihrer gesteigerten Kohlensäureausscheidung beginnen und einen Um- schlag in der Pettenkoferröhre herbeiführen werden. Alle Samen keimten gut bis auf die absichtlich zum Vergleich herangezogenen Dattelkerne. Lange Zeit operierte ich mit Weizen, der mir nebst Analysen vom hiesigen laudw. Institut gütigst zur Verfügung gestellt war^). Dieser eignet sich gut für derartige Versuche, und auch frühere Autoren haben vielfach mit diesem Material gearbeitet. Ferner wurden Helianthus annuus, Lupinus nanus, Ervum Lens, Trigonella Foeuum graecum, Brassica Napus, Ricinus Gibsoni und Phoenix dactylifera untersucht. Diese bezog ich von einer hiesigen Samenhandlung. Welche Gesichtspunkte bei der Wahl dieses Materials leiteten, wird, um Wiederholungen zu vermeiden, bei der Einzel- besprechung angegeben werden. Außer bei den Zucker- und Diastasebestimmungen wurde absicht- lich, um jede Reizwirkung zu vermeiden, nur mit ganzen Samen ge- arbeitet. Bis auf diejenigen Werte, wo es besonders vermerkt ist, wurde die prozentuale Wasseraufnahme auf das Gewicht lufttrockner Samen bezogen, wobei allerdings nicht dem Gewichtsverlust durch die *) Nobbe (Handbuch der Samenkunde) undDetmer (Vergleichende Physio- logie des Keimungsprozesses der Samen, Jena 1880) behandeln z. B. den Einfluß der Individualität und der Testa der Samen auf den Quellungsprozeß. 2) Dafür möchte ich an dieser Stelle nochmals Herrn Geh. Rat Wohltmann meinen verbindlichsten Dank aussprechen. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 204 Kohleusäiireabgabe. Die Samen wurden sclmell in die frisch aus- gekochten und infolge der Verdunstungskälte rasch abkühlenden Lappen eingewickelt und in ein Glaskörbchen gesetzt. Dieses war überall, besonders auch unten von großen Löchern durchbohrt, so daß die Luft ungehindert durchstreichen konnte, und paßte gerade in das Respirationsgefäß. Nun wurde der Deckel schnell aufgesetzt und mit Gewichten belastet, um einem eventuellen Hochgehen desselben durch den ziemlich starken Innendruck vorzubeugen, was besonders leicht bei hohen Temperaturen, wo das zwischen dem Schliffe befindliche Gemisch von Fett und Quecksilber flüssig wurde, hätte eintreten können. Die Vorperiode. Hierauf wurde 20 — 30 Minuten vorgepumpt. Diese relativ kurze Zeit genügte vollständig dazu, den Apparat von der beim Beschicken in ihn mit hineingelangten atmosphärischen Kohlensäure zu befreien, besonders wenn er lange genug vorher, z. B. bei Vorversuchen, in Gang gehalten war; diese Zeit war auch nötig, damit die Samen die gewünschte Untersuchungstemperatur annehmen konnten. Denn nach den thermoelektrischen Versuchen von Kuyper^), welcher in ähnlicher Richtung mit jungen Keimlingen operierte, genügen dazu ungefähr 12 Minuten, da besonders mit kleinen Samen und mit relativ geringen Mengen gearbeitet wurde, so daß nicht etwa die inneren von den peripherisch liegenden Samen an der Temperaturanpassung gehindert wurden. Länger als 20 Minuten brauchte nicht wegen der geringen Di- mension desRespirationsraumes vorgepumpt zu werden, wie Dichtigkeits- versuche von 30 Stunden anzeigten. Vielleicht waren am Schluß der Vorperiode zwar noch äußerste Spuren von Kohlensäure im Apparat, diese vermochten aber nicht mehr eine Entfärbung der Phenolphtalein- lösung herbeizuführen. Theoretisch könnte man ja durch das Vor- pumpen nie einen völlig kohlensäurefreien Raum erzielen. In der Praxis spielen aber solche Restspuren gegenüber den unvermeidlichen Fehlern (beim Einfüllen der Reaktionslösung) keine Rolle. Viel länger als 20 Minuten durfte auch nicht vorgepumpt werden, da besonders bei hohen Temperaturen die Samen ev. schon merklich geatmet hätten und die dabei produzierte Kohlensäure für die Re- aktionsgeschwindigkeit der „Anfangsatmung" verloren gegangen wäre. Bei tiefen Temperaturen wurde das Verpumpen länger ausgedehnt, da ja bei niederen Wärmegraden die Kohlensäure schwerer aus- zutreiben ist. Hier durfte auch längere Zeit darauf verwandt werden wegen der sehr langsamen Wasseraufnahme: in einer Stunde wurden 1) J. K uy per, Über den Einfluß der Temperatur auf die Atmuug der hüiieren Pflanzen. Kecueil des Trav. bot. neerlandais VII. lyiO. 205 bei + V20 C von Weizen (Sorte: Blaue Dame) nur 0,54% Wasser aufgenommen, also die Fruclitschale wohl gerade imprägniert. Dichtigkeitsversuche von längerer Dauer (6 — 48 Stunden) wurden oft zwischen den einzelnen Untersuchungen vorgenommen, und zwar befanden sich dabei die ausgekochten Lappen im Apparat. b. Das Untersuchungsmaterial. Als Untersuchungsmaterial dienten die verschiedensten mono- und dicotylen Samenarten. Es mußte bei der Wahl darauf gesehen werden, eine große Anzahl von Individuen bei jedem Versuche benutzen zu können, um etwa vorhandene Individualcharaktere^) und andere Komplikationen zu unterdrücken, wie sie durch die Lage der Samen zur aufzunehmenden Feuchtigkeit hervorgerufen werden können. Ver- suche mit großen Samen (Vicia Faba, Lupinus albus) zeigten dies. Auch schmiegen sich kleine Samen, die ich so für die relativ geringe Maßeinheit von 7 g wählen mußte, viel leichter den befeuchtenden Lappen an, nehmen so schneller Wasser auf, und es besteht dadurch von vornherein die große Wahrscheinlichkeit, daß sie um so eher mit ihrer gesteigerten Kohlensäureausscheidung beginnen und einen Um- schlag in der Pettenkoferröhre herbeiführen werden. Alle Samen keimten gut bis auf die absichtlich zum Vergleich herangezogenen Dattelkerne. Lange Zeit operierte ich mit Weizen, der mir nebst Analysen vom hiesigen landw. Institut gütigst zur Verfügung gestellt war^). Dieser eignet sich gut für derartige Versuche, und auch frühere Autoren haben vielfach mit diesem Material gearbeitet. Ferner wurden Helianthus annuus, Lupinus nanus, Ervum Lens, Trigonella Foeuum graecum, Brassica Napus, Ricinus Gibsoni und Phoenix dactylifera untersucht. Diese bezog ich von einer hiesigen Samenhandlung. Welche Gesichtspunkte bei der Wahl dieses Materials leiteten, wird, um Wiederholungen zu vermeiden, bei der Einzel- besprechung angegeben werden. Außer bei den Zucker- und Diastasebestimmungen wurde absicht- lich, um jede Reizwirkung zu vermeiden, nur mit ganzen Samen ge- arbeitet. Bis auf diejenigen Werte, wo es besonders vermerkt ist, wurde die prozentuale Wasseraufnahme auf das Gewicht lufttrockner Samen bezogen, wobei allerdings nicht dem Gewichtsverlust durch die ') Nobbe (Handbuch der Samenkiinde) undDetmer (Vergleichende Physio- logie des Keimungsprozesses der Samen, Jena 1S80) behandeln z. B. den Einfluß der Individualität und der Testa der Samen auf den Quellungsprozeß. 2) Dafür möchte ich an dieser Stelle nochmals Herrn Geh. Rat Wohltmann meinen verbindlichsten Dank aussprechen. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 208 Alle diese Erörterungen sprechen also dafür, daß die in der Reaktion der Phenolphtaleinlösung festgestellte Kohlensäure auch wirk- lich von den Samen produziert wird. b. Atmung lufttrockner Samen. Untersucht man mittels der üblichen Methoden die Kohlensäure- ausscheidung von lufttrocknen Samen, so gelingt es nicht, eine solche nachzuweisen. Daher mag es auch kommen, daß man bis in neuere Zeit an einer solchen Kohlensäureproduktion überhaupt gezweifelt hati) und den Beginn der Kohlensäureabgabe sowie einer merklichen Steigerung der Sauerstoflaufnahme mehr an den Schluß der Quellung verlegte. Manche Autoren schwankten in ihrer Stellungnahme dazu; andere konnten sich nicht vorstellen, daß die Atmung nach vollendeter Reife völlig sistiert werden und dann bei der Keimung neu erstehen sollte. Auch ruhende Kartoffeln etc. zeigen ja eine Kohlensäure- ausscheidung. Detmer2) war z. B. der Ansicht, daß die Atraungs- prozesse in lufttrocknen Samen so langsam verlaufen, daß man sie nicht nachweisen kann. Demnach müssen also große Kornmassen nach und nach an Gewicht verlieren, was auch festgestellt werden konnte =^). Man hätte so von dem Verlust an Trockensubstanz, der Temperatur und Zeit ganz gut auf die Atmungsintensität schließen können, eine Methode, wie sie Ad. Mayer'') bei seinen Atmungs- versuchen mit keimendem Weizen verwandte. Eine endgültige Lösung hat Kolkwitz^) in seiner Untersuchung „Über die Atmung der Gerstenkörner" gebracht. Er führt meines Wissens auch zum ersten Male zahlenmäßige Belege für den Atmungs- betrag ruhender Samen an, welche er mit Hilfe einer ganz eigen- artigen Methode feststellte. Er sammelte in einem zugeschmolzenen Gefäß, in welchem sich eine große Menge Samen befanden, durch längeres Aufbewahren bei konstanter Temperatur die exhalierte Kohlen- säure an, ließ sie von Barytlauge absorbieren und stellte dann deren Titer fest. Danach wurden von 1 kg lufttrockner Samen bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 10 bis 12% innerhalb 24 Stunden 0,3 bis 0,4 mg Kohlensäure abgegeben. Wir müssen dabei wohl annehmen, daß auch das Endosperra am Leben ist^) und atmet, wenn auch der Embryo ») z. B. Pfeffer, Pflanzenphysiologie, 2. Aufl. 1897, I, S. 576. 2) W. Detmer, Über die Einwirkung verschiedener Gase auf Pflanzenzellen. Landw. Jahrb. 18S2, 11, S. 229. ») A. Müntz, Sur la Conservation des grains par l'ensilage. Compt. rend. 1881, T. XCH, S. 137 u. 97. *) A. Mayer, 1. c. ") R. Kolkwitz, 1. c, und: tjber die Atmung ruhender Samen. Ben der Deutsch. Bot. Ges. Bd. 19, S. 285, 1901. «) llansteen und Pfeffer, Über die Ursache der Entleerung der Reserve- stoflFe aus Samen. Flora Erg. Bd. 79 (1894). 209 im Vergleich dazu bedeutend intensiver Kohlensäure ausscheidet^). Um einen Begriff von dieser äußerst minimalen Kohlensäureabgabe zu bekommen, muß man sich vorstellen, daß ein Apparat, welcher schon auf 0,2 mg Kohlensäure reagiert, wie der meine, etwa 50 Tage ununterbrochen in Betrieb gehalten werden müßte, um mit Sicherheit anzuzeigen, daß 10 g lufttrockne Samen atmen. Wenn daher ver- schiedene bedeutende Forscher eine Atmung lufttrockner Samen in Abrede stellten, so ist dies daraus zu verstehen. Ebenso war näheres über den zeitlichen Beginn und die Art und Weise einer Atmuugssteigerung bei quellenden Samen bisher nicht bekannt. Des- halb wendete ich meine Aufmerksamkeit diesen Fragen zu und suchte festzustellen, welchen Einfluß die Temperatur sowie die Art der Wagser- aufnahme und der Reservestofife auf dieses Einsetzen ausüben. Kolkwitz^) teilt in seiner Arbeit noch mit, daß ein Feuchtig- keitsgehalt von etwa 15 bis 16%, bezogen auf Trockengewicht, einen Wendepunkt in der Konsistenz des Gerstensamens bezeichnete, und daß auch damit die Atmungskurve intensiv zu steigen anfinge. Zunächst stellte ich wiederholt Versuche mit lufttrocknen Samen von Lupinus albus, Helianthus und Triticum an, konnte aber, wie es ja nach den Befunden von Kolkwitz vorauszusehen war, bei der geringen Samenmenge nicht die geringste Entfärbung an der Reaktions- lösung konstatieren. Auch ein sechsstündiger Versuch bei 50° zeigte noch keine Kohlensäureausscheidung. Hierbei ist aber zu bemerken, daß meine Samen, welche in einem Laboratoriumsschrank lagerten, einen sehr geringen Feuchtigkeitsgrad besaßen. Er betrug bei luft- trocknen Weizenkörnern (Blaue Dame) nur 6,637% bezogen auf Trocken- gewicht. Zur Bestimmung wurden 10,020 g lufttrockene Weizenkörner bei 90° % Stunden lang im Trockenschrank getrocknet und kamen dann 8 Tage in einen Exsiccator. Sie wogen danach 9,355 g. Also beträgt die Gewichtsabnahme 0,665 g, und man erhält den oben an- gegebeneu Feuchtigkeitsgrad von 6,64% für lufttrocknen Weizen. (Von diesen getrockneten Weizenkörnern keimte in einem Monat nicht eines aus.) Bei diesem geringen Wassergehalt würde es natürlich noch viel schwieriger sein, eine merkliche Kohlensäureausscheidung nach- zuweisen. c. Erste merkliche Kohlensäureabgabe — Schwellenwerte. Die Kohlensäureabgabe lufttrockner Samen verläuft also so schwach, daß man sie nur auf Umwegen feststellen kann. Um auf ^) C. Burlakow, Über die Atmung des Keimes des Weizens. Arb. der Naturf. Gesellschaft der Kaiserl. Univ. zu Charkow XXXI. 1897, Beilage S. I-XV. 2) R. Kolkwitz, 1. c. Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd. XI. Heft IJ. J.^ 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 210 direkt experimentellem Wege eine Kobleusäureproduktiou während des Versuches beobachten zu können, muß man Samen mit höherem Feuchtigkeitsgehalte benutzen. Ich wollte nun denjenigen Feuchtig- keitsgrad bestimmen, wo man gerade eine merkliche Kohlensäure- abgabe feststellen kann. Für diese Untersuchungen ließ ich die Samen etwas Wasser von nassem Fließpapier aufnehmen und brachte sie dann, ohne sie in die feuchten Lappen zu wickeln, in den Apparat. Die Lappen kamen jedoch, wenn auch von den Samen getrennt — sie lagen ebenfalls in dem Glaskörbchen, ein Lappen unter, einer über dem Samen, von diesen durch Glasplatten gesondert — gleichfalls mit in den Apparat, da sonst den Samen bei höheren Temperaturen aus physikalischen Gründen Feuchtigkeit entzogen wurde. Denn die durchgedrückte Luft passiert die vorgeschalteten Waschflaschen bei Zimmertemperatur und ist deshalb bei der Thermostatentemperatur weit vom Taupunkt. Der mitgenommene Wasserdampf kondensiert sich dann an den kälteren Teilen nach Verlassen des geheizten Wasserthermostaten. So wird dem Respirationsraum Feuchtigkeit entzogen. Bei derartigen „Schwellenversuchen", wie ich sie zur Festlegung des gesuchten Feuchtigkeitsgrades anstellen mußte, ist es natürlich von größtem Interesse, daß der prozentuale Wassergehalt, den die Samen beim Einbringen in den Apparat besaßen, gewahrt wird. Denn einen Schwellenwert kann man nur so bestimmen, daß man darüber und darunter liegende feste Werte, in diesem Falle Feuchtigkeitsgrade mit und ohne merklicher Kohlensäureabgabe immer mehr einander nähert. Die in den hier augeführten Versuchen auftretenden geringen prozentualen Schwankungen liegen wohl innerhalb der Fehlergrenze der nicht leicht einheitlich zu bestimmenden Wägungen. Tab. II. Schwellenversuche mit Weizen. (Blaue Dame.) Datum Aufn.- Temp. Gewichtszunahme in «'o vor nach Versuch Versucli Im Apparat Vor- 1 Um- Temp. eriodo schlap; Resultat LXII. 6.XI. 13.XI. 6.XI. 24.XI. 2 3. XI. 16.XI. 29« 8,9% 9,3% 1232-1262 812 18,5" . 25 8,6 8,3 11' -1127 215 30« 28» 5,7 6,0 930.100 1055 '500 25° 4,7 4,3 1026.1046 12« 500 29« 3,9 4,1 1137.1157 340 370 29° 3,7 3,7 952.1012 420 250 1 27° 3,6 3,4 1015.1028 2.S0 450 Umschlag nur schwache Entfärb, noch keine Entfärb. Man sieht aus diesen Versuchen, daß es äußerst schwierig ist, einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt im Apparat bei den verschiedenen 211 Temperaturen konstant zu halten. Dabei ist auch zu berüchsichtigen, daß hier wie bei allen angeführten Daten ein geringes Schwanken in der zweiten Dezimale der Gewichtszunahme auf die prozentuale Änderung einen großen Einfluß ausübt; darum sind auch die Gewichtsprozente nur auf eine Dezimale angegeben. Die erste merkliche Kohlensäureabgabe bekam ich, wenn ich Weizen- samen (Sorte Blaue Dame) mit etwa 4% Feuchtigkeitsgehalt bezogen auf lufttrockene Samen in den Apparat brachte, d. h. mit 11,3% be- zogen auf Trockensubstanz. Bei diesen Untersuchungen wurden vor- zugsweise hohe Temperaturen benutzt, um die mit diesem Feuchtigkeits- grade Hand in Hand gehende Atmungsintensität möglichst zu steigern und so recht klar vor Augen zu führen. Die schädigende Wirkung höherer Temperaturen tritt in diesem Quellungsstadium nur sehr langsam ein (s. S. 34). Unter diesem Betrage von 4% Wasseraufnahme war eine Atmung und eine Steigerung der Kohlensäureproduktion gerade noch an dem etwas Blasserwerden der Lösung zu bemerken. War dieser Wert aber erreicht, so konnte man deutlich eine, wenn auch noch schwache Kohleusäureabgabe nachweisen. Streng genommen bestimmt der Wert von etwa 4% Wasser- aufnahme keine Schwelle, da ja auch darunter bei genügender Dauer der Versuche Atmung festgestellt werden könnte. Es ist mehr, wie Kolkwitz sagt, ein Wendepunkt der Atmungskurve bei steigendem Wassergehalt. Die hier für Weizen bei einem Feuchtigkeitsgrade von lljS'/o festgestellte Atmungssteigerung entspricht offenbar der von Kolkwitz beobachteten bei 15% für Gerste (beides bezogen auf Trockengewicht). Auch für Helianthuskerne wurde dieser Wendepunkt bestimmt; er lag zwischen 4,5 und 8, also etwa bei 6% bezogen auf das lufttrockene Material. Tab. III. Helianthuskerne. Datum Gewichts- zunahme End- gewicht in'/o Im Apparat Temp Resultat 30. V. 14,00— 4,77 [ 4,75 31. V. j4,05— 4,50: 4,48 31. V. 4,00-4,18 4,18 2.VI.,4,00-4,32i 4,32 19% 11 4,5 , 8,0 §55 — 1055 20° 630 845 20« 100 230 20« 920—1025 20° Umschlag kaum Entfärbung Umschlag Rücktitrieren war bei so minimalen Spuren von Atmung nicht möglich, wollte man nicht durch die dabei mitspielenden Fehler ein falsches Bild von der Atmungsintensität bekommen. In diesem Stadium der „Quellung" zeigt die Atmung noch recht geringe Energie. Man kann die ausgeschiedenen Kohlensäuremengen zwar mit größerer Deutlichkeit im Vergleich zu der Atmung trockner Samen feststellen, 14* 0, Jauerka, Die ersten Stadien der Kolilensäureausscheid. bei quellend. Samen. 212 aber die richtige Lebenskraft scheint noch zu fehlen, der junge Keim scheint noch nicht die Führung über die gesamte Lebenstätigkeit über- nommen zu haben. Um das Verhalten der Kohlensänreausscheidung bei weiterer Wasseraufnahme, so zu sagen, unter natürlichen Bedingungen zu be- obachten, wurden die Samen in die ausgekochten feuchten Lappen gepackt, sodaß sie nun im Apparat Wasser aufnehmen konnten. d. Wasseraufnahme. Bezüglich der Wasseraufnahme will ich mich kurz fassen, da ja dieses Gebiet hinlänglich bearbeitet ist. Bei längerem Verweilen in dampfgesättigter Atmosphäre ab- sorbieren zwar die Samen eine gewisse Menge von Wasser, doch ver- mag diese noch nicht eine Keimung zu veranlassen. Man muß bei derartigen Versuchen natürlich Temperaturschwankungen vermeiden, um Kondensation auszuschließen. Einige Samen von Lupinus albus, welche sich in einer feuchten Kammer auf trockener Unterlage be- fanden, wurden bei Zimmertemperatar in einen gut wärmeisolierten Raum gestellt. Ein Same war beim Aufsetzen der Glasglocke der feuchten Kammer von einem Wassertropfen benetzt worden. Dieser Same keimte, wenn auch sehr langsam, aus. Die übrigen Samen strafften sich zwar, faulten aber nach einiger Zeit. Man hätte die Samen unter sterilen Verhältnissen keimen lassen und dazu etwa einen Apparat benutzen müssen, wie ihn W. Polowzow^) für derartige Zwecke konstruierte. Nach allen bisherigen Versuchen scheint sich nur zu ergeben, daß Samen wohl Wasser verdichten können, daß dieser Betrag aber nicht hinreicht, die Entfaltung des Embryo zu ermöglichen, vielmehr zur Keimung tropfbar flüssiges Wasser nötig ist; Nobbe^) geht noch weiter und meint, daß die im freien Boden obwaltenden Temperatur- Schwankungen scheinbar nicht geeignet sind, die Kondensation und die Aufnahme des in der Bodenluft suspendierten Wasserdampfes durch Samen zu befördern und mangelnde Bodennässe zu kompensieren. Das Minimum der zur Keimung erforderlichen Wassermenge wurde von Kleemann 3) untersucht: es ist bei den einzelnen Samenarten verschieden, so daß bei einem gewissen Prozentgehalt an Wasser eine Samenart (z. B. Getreide) schon zu keinem vermag, während eine andere (besonders Leguminosensamen) dem Verderben anheimfällt. Eine ebensolche Verschiedenheit besteht hinsichtlich der Wasser- ^) W. Polowzow, Untersuchungen über die Pflanzenutuiung. Memoires de TAcad. des scienc. de St. Petersbourg VIII. serie, T. 12, Nr. 7, 1901. 2) Nobbc, Handbuch der Samenkundc. Berlin 1876. 3) Kleemann, Inaug.-Diss, und Preisaufgabe. München 1905- 213 kapazität (Qnelliingskapazität Detmers), d. h. des maximalen Betrages an Wasser, den ein Same aufzunehmen vermag. Mit einer größeren Wasserkapazität (z. B. Erbsen im Vergleich zu den Cerealien) geht dann auch eine raschere Aufnahmefähigkeit Hand in Hand^). Nach R. Hoffmann^) beträgt die Wasseraufnahme bis zur Entwicklung des Wurzelkeims für Weizen 45,5% Linse 93,4% Raps 51,0% Helianthus 56,5% Lupine (nach Siewert, Versuchsstat. XIL 307) 100 — 130% Wasser. Im allgemeinen scheinen die harz- und ölhaltigen Samen sowie die Cerealien die geringste, die Leguminosen die höchste Kapazität für tropfbar flüssiges Wasser zu besitzen 3). Eine einheitliche Samenart wird aber unter gleichen Verhältnissen durchschnittlich immer dasselbe Bild der Wasseraufnahmekurveu zeigen, und so wird zu erwarten sein, daß unter gleichen Bedingungen die Samen immer nach einer bestimmten Zeit ein bestimmtes Quantum Wasser aufgenommen haben, sodaß man etwa einen Feuchtigkeits- gehalt erhält, bei dem die Atmungskurve ein charakteristisches Bild zeigt. Die Zeitdauer wird je nach der Temperatur verschieden sein, und zwar mit steigender Temperatur kürzer, da die Wasseraufnahme um so schneller verläuft, je höher die Aufnahmetemperatur liegt. Es werden also die entsprechenden Quellungsstadien früher erreicht. Die Tabellen*) zeigen dies näher! Tab. IV. Pisum sativum. Tab. V. Lupinus albus. Nach 17,5" 24,4" 31,2" 1 Std. 0,62% 0,73% 0,87 "/o 2 * 1,24 1,95 2,24 3 ^ 2,61 2,93 4,48 4 * 5 - 6 = 3,10 4,15 6,22 5,84 7,32 10,45 7 -' 7,08 8,54 12,44 8 '- 8,07 10,24 14,93 9 ^ 10,56 11,46 16,91 10 - 11,55 13,41 18,15 11 = 13,04 14,63 20,40 24 '- 30,43 33,41 44,53 Nach 17,5" 24,4" 31,2" 1 Std. 0,81% 0,69 "/o 2,27% 2 '- 2,19 2,78 5,00 3 -- 3,57 4,39 7,27 4 = 5 ' 6 -- 5,41 6,48 9,09 7,96 8,79 13,64 7 " 9,34 10,18 16,14 8 ^ 10,26 11,57 18,18 9 -' 12,34 13,43 21,59 10 -- 13,03 14,58 23,18 11 = 15,34 15,70 26,13 24 = 30,79 35,42 52,96 ') Eberhard, Untersuchungen über das Vorquellen der Samen, Jena 1906. 2) Ho ff mann, Landw. Versuchsstat. VII. 47. 3) Vergl. Czapek, Biochemie der Pflanzen. Jena 1905. *) Vergl. dazu die Wasseraufnahmekurven. Diss. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 214 Tab. VI. Triticum vulgare. Tab. Vll. Vicia Faba maior. Nach 17,5" •24,4° 31,20 1 Std. 2,62% 3,10% 2,85% 2 « 5,13 7,82 6,32 3 '- 7,13 8,82 9,05 4 = 5 * 6 : 8,88 10,56 11,55 12,14 13,54 15,71 7 '- 14,15 15,53 17,72 8 ■■ 16,14 16,77 1^,96 9 '- 16,89 18,01 21,68 10 '- 18,15 19,50 22,67 11 ' 19,65 20,99 23,97 24 ' 30,16 32,17 35,57 Nach 17,5» 24.4" 31,2» 1 Std. 0,09% 0,10% 0,68% 2 = 0,19 0,30 1,48 3 = 0,39 0,60 2,28 4 = ■ 5 . 0,58 1,60 5,03 6 - 1,17 2,41 6,17 7 * 1,27 2,81 7,09 8 -- 1,46 3,32 9,15 9 ■- 1,56 4,22 11,52 10 = 1,76 5,03 12,35 24 * 7,81 20,12 27,00 Es wurden immer dieselben Portionen gewogen. Die Samen lagen zur Wasseraufnahme auf nassem Fließpapier in feuchter Kammer. Es sind dies trotz der gleichen Versuchsaustelluug doch keine einheit- lichen Aufnahmebedingungen: sie sind in diesem Falle günstig für kleine Samen, da diese am meisten Aussicht haben, mit ihren wasser- aufsaugenden Organen, Nabel und Mikropyle, sich der Feuchtigkeit anzuschmiegen und so mit Wasser zu imbibieren^); auch kommt ein relativ viel größerer Teil der Oberfläche der Einzelsamen mit dem Quellungswasser in direkte Berührung. Anders liegen die Verhältnisse bei großen Samen, wie Vicia Faba, wo die Eintrittsstelle des Wassers in den Samen seitlich in die Luft ragt und nicht direkt von dem Wasser benetzt wird. Daher kommt es auch, daß bei derartiger Versuchs- anordnung die Erbsen, welche im Vergleich zu den Cerealien eine größere Wasserkapazität besitzen, in den ersten Stunden langsamer Wasser aufnehmen als die zahlreicheren und kleinereu Weizenkörner. Um daher einheitlichere Aufnahmebedingungen zu schaffen, wurden die Samen in nasse Lappen gewickelt, wo ihnen allseitig Feuchtigkeit geboten wurde. So wurde mit Trigonella Foenuni graecum verfahren: Tab. VIII. Trigonella Foen. graec. Nach 29,2" 40,8° .05,0° 1 Std. 4,43% 13,14% 27,14% 2V2 '- 17,00 34,14 52,43 4 33,00 53,57 80,57 5V2 = 51,00 68,87 106,00 7 62,14 84,28 122,14 8'/2 .- 78,57 98,86 137,14 ') Vergl. hierzu G. II a b e r 1 a n d t , Scliutzeinrichtungcn d. Keimpflanze. Wien 1877. 215 Trigonella mit seiner Schleimschale und seinem Schleimendosperm zeigt also den Unterschied in der Schnelligkeit der Wasseraufnahme bei den verschiedeneu Temperaturen in den ersten Stunden recht gut. Die Wasseraufnahme wird aber durch die sie unterbrechenden Wägungen sehr gestört, so daß man die hier gefundenen Werte nicht ohne weiteres mit denjenigen vergleichen kann, welche ich bei denselben Zeiten und Temperaturen bei meinen Atmungsversuchen (siehe z. B. S. 240) im Atmungsapparat gefunden habe. Versuche mit Helianthuskernen zeigten, daß auch unter ganz gleichen Bedingungen die Wasseraufnahme etwas verschieden verläuft, so daß also ein bestimmter Feuchtigkeitsgrad nicht immer nach gleicher Dauer erreicht zu sein braucht. Zwei Tabellen zeigen dies näher; die eine weist eine schlechte, die andere eine sehr gute Übereinstimmung der entsprechenden Feuchtigkeitsgrade auf. Helianthuskerne. Tab IX. 44,80. Tab. X. 25,5o. Nach I. ir. 1 Std. 16,0% 20,757o 2 '- 27,75 31,50 3 '- 33,75 35,50 4 -' 40,00 36,25 5 - 42,50 38,75 Nach I. II. 1 Std. Il,l07o io,o7o 2 -' 20,64 21,0 3 '- 27,61 28,25 4 '. 33,58 32,25 5 > 37,31 38,25 Die Differenzen sind im allgemeinen bei höheren Temperaturen nicht größer als bei niederen. Die Quellung an sich stellt einen rein physikalischen Vorgang dar. Je nach dem Widerstände, der dem Eindringen des Wassers entgegengesetzt wird, findet man eine verschieden schnelle Wasser- aufnahme. Diese Schnelligkeit wird z. B. bei Lupinus durch die Pallisadenschicht sehr beeinflußt. Die Menge des im Quellungsprozeß verbrauchten Wassers hängt schon vom Wasserverlust bei der ßeife der Samen ab. Auch der verschiedene Klebergehalt bedingt ein verschiedenes Wasserbedürfnis i) (vergl. S. 228). Daß die Quellung rein physikalisch wirkt, kann man z. B. daraus ersehen, daß mit Toluol wirklich (s. S. 243) abgetötete Samen in ihrer Quellung nicht behindert werden, die sogar häufig so weit geht, daß die Samenschale aufplatzt. Wir haben gleichwohl anzunehmen, daß bei keimfähigen Samen schon während des Quellungsstadiums die Radicula mit ihrem ') Bogdanoff, Ost- und we.stpreußische Samen. Landw. Versuchsstat. XLII. 1893. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid. bei quellend. Samen. 216 Wachstum beginnt. Denn bald nach dem Erreichen des Qnellungs- maximums tritt ja die Wurzel aus dem Samen heraus. Wir müssen also den Beginn der erwachenden Lebenstiitigkeit schon in das Quellungs- stadium hinein verlegen, und es ist zu vermuten, daß damit die Kohlensäureproduktion bedeutend gesteigert wird. Es ist jedoch die Frage, ob wür bei der Steigerung der Atmungsintensität durch die Wasseraufnahme 1) bei der Quelluug für irgend einen Feuchtigkeits- wert eine besonders starke Zunahme der Kohlensäureausscheidung beobachten können. III. Die ersten Stadien der Steigerung der Kohlensäure- abgabe beim quellenden Weizen (Monocotylen). Bei meinen Untersuchungen mit Weizen bekam ich nun bei einem bestimmten Wassergehalt einen zweiten Wendepunkt, welcher gegen- Die ersten Stadien der Atmungssteigerung. Schematisiert. Kurve 1. H. Wendung I. WendepunJct 7 8 9 lo 71 jz 13 /« i5%Wasser über dem zuerst festgestellten (s. S. 211) eine bei weitem stärkere Intensitätssteigerung der Kohiensäureabgabe zeigt. Vor diesem Punkt ist die Kohlensäureproduktion ziemlich schwach 2) und gegen den Ein- fluß der Temperatur nicht besonders empiindlich. Ist jedoch dieser zweite kritische Punkt erreicht, so wird die Reaktiousflüssigkeit in der Pettenkoferrühre schnell entfärbt, mag sie auch in stärkerem oder geringerem Grade (in gewissen Grenzen natürlich) basisch gewesen sein. Die Temperatur übt dabei die bekannten Wirkungen auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus, wie sie für physiologische Prozesse charakteristisch sind. — Hinsichtlich der Lage dieses Intensitäts- wendepunktes spielt sie jedoch keine liolle; diese hängt, wie es scheint, nur vom Wassergehalte ab. *) Daß die Atnnin}^sintcnsität mit dem Wassergehalt steigt, ist Ja liiulJüig- lich bekannt. Auch llellriegel deutet mit großer IJestimmtheit auf eine un- mittelbare Abiiängigkeit der organischen Produktion von dem Grade der Wasser- versorgung hin. Beiträge zu den naturw. Grundlagen des Ackerbaues. Hraun- schweig 1883, S. .^G8 ff. *) Sie beträgt für den von Kolkwitz betrachteten Wendepunkt etwa 0,01 mg COa iu zwei Stunden für 10 g Material. 217 a. Grundlegende Versuche mit „Blauer Dame". Nach einer größeren Anzahl von Vorversuchen mit Lupinus albus, Pisuni sativum und Triticum vulgare wurde anfangs nur mit einer be- stimmten Weizensorte, der „Blauen Dame", gearbeitet, um einen ganz sicheren Untergrund für weitere Untersuchungen zu bekommen. Es wurde die Temperatur von 5 zu 5 Grad gesteigert, um einen klaren Einblick in die damit verbundene Steigerung der Atniungsintensität zu erhalten. Als untere Grenze waren -|-5*' C. gewählt. Weizen atmet zwar schon bei Temperaturen unter 0°^) und keimt auch bereits aufEis^), doch versprach ich mir von solchen Versuchen wegen ihrer langen Dauer wenig. 65*^ C. wurden als obere Temperaturgrenze angewandt, obwohl es vielleicht ganz interessant gewesen wäre, die Wirkung noch höherer Temperaturen auf die Enzyme zu studieren. Solche Untersuchungen sind aber einerseits an so weit wie möglich isolierten Enzymen im einzelnen schon angestellt, auch hätte bei noch weiterer Steigerung das Untersuchungsmaterial kaum die ge- wünschte Temperatur in der kurzen Vorperiode annehmen können, die aus oben angeführten Gründen nicht länger ausgedehnt werden durfte; andrerseits waren die Samen sämtlich zwischen 55 — 60*^ ab- getötet, wenn sie die zur Erreichung des charakteristischen Wende- punktes der Atniungsintensität nötige Wassermenge aufgenommen hatten, wie später angestellte Keimversuche zeigten. Es keimten bei niederen Temperaturen 88%, nach den Versuchen bei 50'^ noch 31% und bei 55^ kaum noch 2%. Man kann daher schwer von einem Temperaturmaximum bei Quellungsversuchen sprechen. Es sind immer vereinzelte Individuen darunter, welche sich durch „Keimverzug", d. h. schwere Quellbarkeit, vor den anderen auszeichnen und so ganz gut höhere Temperaturen überstehen. Der Zeitfaktor spielt bei diesen Untersuchungen mit die wichtigste Rolle ^). Bei allen diesen Versuchen konnte ich beobachten, daß die Atmungsintensität auch dann noch zunahm, wenn ich die Temperatur- grenze von noch lebendem zu schon abgetötetem Material überschritt. (Diese Grenze stellt natürlich keinen bestimmten Temperaturgrad dar.) So hat man wohl auch auf Grund dieser Betrachtungen einige Be- rechtigung dazu, die Atmungstätigkeit nur als die Summe enzymatischer Prozesse aufzufassen (Palladin); dabei kann das Leben ^) Bis — 2" C. nach Detmer, Beobachtungen über die normale Atmung der Pflanzen. Ber. der Deutsch. Bot. Ges. X. Heft 8, S. 535. 2) Uloth, Über die Keimung von Pflanzensaraen in Eis. Flora, Jahrg. 54, 1871, S. 185-88. 2) Vergleiche hierzu Harper Goodspeed, The teraperature coefficient of the duration of life of barley grains. Bot. Gazette LI. March 1911, S. 220— 224. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 218 recht wohl einen Einfluß auf die Energie des Atmungsverlaufes aus- üben, wenn auch die Stoffumsetzung nur von Enzymen bewirkt wird. Es ist daher durch die hier angestellten Untersuchungen noch nicht einwandsfrei bewiesen, daß das Einsetzen einer intensiveren Kohlen- säureproduktion durch den Beginn der Lebenstätigkeit bedingt ist, wiewohl es wahrscheinlich ist. Denn es ist anzunehmen, daß durch die beginnende Tätigkeit des lebenden Plasmas neue Enzyme gebildet werden, welche eine gesteigerte Dissimilation bewirken. Eingehende Studien über die Mengenverhältnisse der Enzyme könnten hierüber vielleicht mehr Licht verbreiten. Schon die Quellungsversuche zeigen, daß bei tiefer Temperatur die Wasseraufnahme sehr langsam vor sich geht. Daher ist zu er- warten, daß hier die Atmung im Vergleich zu höheren Temperaturen langsam verlaufen wird. Dies bestätigte ein Versuch bei -I-V2" C. Zwei Portionen Weizen (Blaue Dame) ä 7 g kamen, in feuchte Lappen gewickelt, in ein kleines Glasgefäß, welches mit einem Kork verschlossen war, durch den ein Thermometer bis zu den Samen herabreichte. Dieses Gefäß wurde ganz mit Schnee und Eis umpackt und in einen großen Trichter gestellt. Dieser stand 28 Stunden im Eis des Eisschraukes im Keller. Beim Auspacken zeigte das Thermo- meter wenig über 0" C. Die eine Portion wurde gewogen und zeigte 14,3% Wasseraufnahme, während die andere schnell ohne Lappen in den Apparat II gebracht wurde, dessen Temperatur ebenfalls wenig über 0" war; er stand ganz in Eis gepackt. Nach sieben Stunden war die Lösung in der Pettenkoferröhre durch den sie passierenden Luftstrom hell geworden und zeigte somit deutliche Atmung an. Auch bei 5" C. dauerten die Wasseraufnahme und somit die Intensitätssteigerung noch recht lange: rund 17 Stunden. Gerade bei dieser langsamen Wasseraufnahnie, wo also die einzelnen Feuchtigkeits- grade langsam durchlaufen werden, konnte man sehen, wie hier die Atmung trotz steigenden Wassergehaltes nur ganz allmählich intensiver wurde. Die niedrige Temperatur schwächt natürlich auch ihrerseits die Atmungsintensität. Erst bei etwa 14 — 15% Feuchtigkeitsgehalt, bezogen auf lufttrockene Samen, erhielt man eine bemerkenswerte Intensitätssteigerung, sodaß die Phenolphtaleiulösung relativ bald, wenn auch bedeutend langsamer als bei höheren Temperaturen, entfärbt wurde. Auch bei diesen Versuchen wurde der Apparat mindestens stündlich auf seine richtige Temperatureinstellung hin kontrolliert. Die Versuche bei 10^ dauerten durchschnittlich 11 Stunden an. Mit steigender Temperatur wurde die Dauer der Reaktionszeiten kürzer, so daß bei den Versuchen bei 60° nach ca. % Stunde der Umschlag der Lösung erreicht war (s. Tab. XI auf S. 220—223). 219 Tab. Xn. Weizen — Blaue Dame. 0,5 ccm Kalkwasser -|- 0,2 ccin Plieii. Datum Vorperiode Um- schlag Gesamt- dauer iu Minuten Haupt- peri- ode Gewichts- zunahme in»/o Temp. 15. VIII. 10. VIII. 28. vm. 23. V. 26. VI. 14. VII. 18. VII. 13. VII. 29. VII. 6. VII. 1 3. VII. 11. VII. 3. VII. 12. VII. 200_ 28_ 420_ 43o_ 845_ 3l5_ 825- 112«- 233- 445_ 250_ 931- 358_ lj54. 138_ 256. 105 - 230 845 235 850 515 840 500 820 95 12*5 335 713 350 115 1145 220 248 433 500 700 35 430 951 1120 414 520 10^0 1114 158 250 31.; 401 1026 1128 40.5 402 260 230 240 238 160 172 120 135 100 109 82 80 72 65 73 Min. 375 375 225 200 220 218 135 155 105 120 85 89 66 64 52 45 52 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,05- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,00- 7,92 13,1 7,88 12,6 7,93 13,3 7,92 13,1 8,02 14,6 8,00 14,3 7,95 13,6 8,01 13,6 7,91 13,0 7,95 13,6 7,91 13,0 7,95 13,6 7,92 13,1 7,97 13,8 7,90 12,9 7,90 12,9 7,92 13,1 150 150 200 20 25« 250 30° 30 35« 35« 40« 40« 45« 45« 50« 50« 50« Vor den Versuchen der Tabelle XI war schon mit derselben Weizensortc, aber bei geringerem Titer der Umschlagslösung gearbeitet worden. Es waren nur 0,5 ccm Kalkwasser + 0,2 ccm Phenolphtalein zur Herstellung der Lösung verwandt worden, und so brauchten nur 0,15 mg Kohlensäure absorbiert zu werden. Dementsprechend braucht nicht so viel Kohlensäure zur Neutralisation produziert zu werden; die Reaktionszeit wird kürzer, die Wasseraufnahme braucht zur Intensitätssteigerung der Kohleusäureabgabe nicht so groß zu werden (vergl. Tabelle XII); — es wird aber doch fast wieder der Betrag von 14% Feuchtigkeit bezogen auf lufttrockene Samen im Verlauf des Gesamtversuches erreicht, und dies veranlaßte mich zu dem Schluß, daß hier in einem kleinen Intervall von aufeinanderfolgenden Feuchtigkeitsgradeu eine beträchtliche Intensitätsänderung der Kohlen- säureproduktion stattfinden müsse (vergl. Kurve I). Da die zuletzt verwandte Lösung etwas blaß gefärbt war, so wurde schon der leichteren Übersicht halber bei allen übrigen Ver- suchen die bereits oben erwähnte intensiv rot gefärbte Lösung von 220 ccm abgekochtem, destilliertem Wasser -j- 0,75 ccm Kalkwasser (V40 norm.) + 7 Tropfen (= 0,15 ccm) Phenolphtalein benutzt, zu deren Neutralisation 0,225 mg Kohlensäure absorbiert werden mußten. 0. Jauerka, Die ersten Stadien der Kohlensäureausscheid, bei quellend. Samen. 220 B et a s ei c o I + ^ c ni 4> ^ ^ ^ X s o « bß J= c i^ " 5 bjO 3 tfl JS j; £■0 Ji u 3 tJ g ■t^ -M > (U o M J2 bi u a; 0)=^ C s D Hü o ^ pq «^ 3 C* t^ te l-H o o 5^^ -.-» U 1 ^> 1 :»:^ c es OS os OS ^ 'ij« ,«— — -. • o o o o o o o O o o © o o o © © © © © © o S lO lO lO vO lO lO O o O O O O O O >o lO lO lO kO iO lO H '■"' ""■ f— 1 l-H -H 1^ l-H l-H 1-H 1-H ^H 1-H 1-H 1-H T-H ^ -* ^ T-H -* Oi O CO CO t^ co_- (7<» t- o 5^ OO iO 00 o l-H o O -H OS o o 1 »3 r~ od" orTocT ocT 00^ ocT cocc cc ocT otT OO" od~ od^ocTc-^ oo" o «s ^ 1 > O s *"* o o o o o o OS o o o o »o o o o OS o o o o '^^ N o^o^o^ o^ o^o^ as_ o_ o^ o^o^ o^ o^ o